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Epidemie für die Wirtschaft

Das Ebola-Virus breitet sich weiter aus. Bis zum 25. Oktober wurden weltweit mehr als 10.000 Fälle gemeldet, knapp die Hälfte mit einem tödlichen Ausgang. Besonders betroffen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone. Für diese Länder ist die Epidemie ein herber Rückschlag, denn wirtschaftlich waren sie in den vergangenen Jahren auf einem guten Weg.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die drei Länder in Westafrika haben zuletzt viele Fortschritte gemacht.
  • Rund 70 Prozent der Bürger in Guinea müssen immer noch mit weniger als 2 Dollar am Tag auskommen. In Sierra Leone sind es 80 Prozent, in Liberia sogar 95 Prozent der Menschen.
  • Der Handel der drei Staaten mit Deutschland und der Welt ist sehr agrar- bzw. rohstofflastig.
Zur detaillierten Fassung

Die drei Länder in Westafrika haben zuletzt viele Fortschritte gemacht. Allein 2013 lag das reale Wirtschaftswachstum in Liberia bei 8 Prozent und in Sierra Leone bei 16 Prozent. Und auch die Bilanz der vergangenen zehn Jahre zeigt einen klaren Aufwärtstrend.

Dazu kommen deutliche Verbesserungen in der Lebensqualität der Menschen. So werden immer mehr Kinder geimpft, die Sterberate der unter Fünfjährigen ist in den vergangenen 20 Jahren von über 200 pro 1.000 Geburten auf 101 in Guinea, 161 in Sierra Leone und 71 in Liberia gesunken. Die Lebenserwartung lag in den 1960er Jahren noch bei etwa 30 Jahren. Sie ist mittlerweile auf 45 Jahre in Sierra Leone, 56 Jahre in Guinea und 60 Jahre in Liberia gestiegen – auch wenn sie damit im internationalen Vergleich noch immer sehr niedrig bleibt.

Nichtsdestotrotz ist die Lage der drei Länder fragil – auch ohne die Ebola-Auswirkungen (Grafik): Gesamtwirtschaftliche Daten Guineas, Liberias und Sierra Leones

Rund 70 Prozent der Bürger in Guinea müssen immer noch mit weniger als 2 Dollar am Tag auskommen. In Sierra Leone sind es 80 Prozent, in Liberia sogar 95 Prozent der Menschen.

Nur etwa 40 Prozent der Erwachsenen in Liberia und Sierra Leone können lesen und schreiben, in Guinea liegt die Alphabetisierungsrate bei 25 Prozent.

Der Handel der drei Staaten mit Deutschland und der Welt ist sehr agrar- bzw. rohstofflastig:

Sierra Leone lebt vor allem von der Landwirtschaft, 57 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entstehen im Agrarsektor. Auf den deutschen Markt liefert das Land in erster Linie Kakao – 2013 entfiel mehr als die Hälfte der Warenexporte nach Deutschland im Wert von rund 4,7 Millionen Euro auf Kakaoprodukte, 12 Prozent auf Zucker.

Guinea und Liberia haben sich auf den Export anderer Rohstoffe spezialisiert. Über 30 Prozent der gesamten Exporte aus Guinea entfallen auf Rohöl und Rohölprodukte, 41 Prozent auf Aluminiumerze wie Bauxit. Deutschland führte 2013 Waren für gut 84 Millionen Euro aus Guinea ein, im Gegenzug lieferten deutsche Firmen Waren – hauptsächlich Maschinen und Fahrzeuge – für knapp 33 Millionen Euro in das westafrikanische Land.

Liberias Exporte bestehen zu mehr als einem Drittel aus Eisenerz und Eisen. Deutschland bezog im vergangenen Jahr Waren für knapp 46 Millionen Euro von dort – vorwiegend Eisenerz (57 Prozent) und Naturkautschuk (21 Prozent). Dem stehen Lieferungen von Waren in Höhe von nahezu 79 Millionen Euro gegenüber. Vor allem Fahrzeuge, elektrische Ausrüstungen, Metall­erzeugnisse und Maschinen made in Germany sind in Liberia gefragt.

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