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Energiewende braucht Wettbewerb

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat ein Konzept vorgelegt, mit dem der Wettbewerb zwischen fossilen und erneuerbaren Energie­trägern gestärkt werden kann. Nur so lassen sich Innovationen und Effizienzfortschritte erreichen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Energiewende muss effizienter werden, da der permanente Anstieg der Umlage für erneuerbare Energien die Stromkunden überfordert.
  • Im Jahr 2013 kostete eine Kilowattstunde durchschnittlich nur noch 3,8 Cent – die Produktionskosten betragen je nach Kraftwerkstyp jedoch oft das Doppelte.
  • Optionen auf Strom müssen mit einer klaren Lieferverpflichtung und – im Falle der Nichtlieferung – mit hohen Strafzahlungen verbunden sein.
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Die Energiewende muss effizienter werden, darin ist sich die Republik einig. Der permanente Anstieg der Umlage für erneuerbare Energien überfordert die Stromkunden. Zur Erinnerung: Am 1. Januar ist die Abgabe von 5,28 auf 6,24 Cent gestiegen – im Jahr 2010 waren es nur 2,05 Cent je Kilowattstunde.

Mit einer Revision des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) will die Bundesregierung den weiteren Anstieg dieser Kosten begrenzen. Das Eckpunktepapier des Kabinetts für die Reform hat neben guten Ansätzen allerdings so manche Tücken:

  • Die Große Koalition will den Ausbau der erneuerbaren Energien besser steuern bzw. begren­zen. So sollen die Vergütungssätze für neue Anlagen sinken. In diesem Punkt entspricht das Reformpapier den IW-Entwürfen zu einer wettbewerblichen Energiewende.
  • Wind- und Sonnenstrom sollen nach den Plänen der Koalition am Markt verkauft werden – bislang müssen die Stromversorger den Erzeugern einen Garantiepreis zahlen, unabhängig davon, ob zu viel oder zu wenig Strom produziert wird. Die Differenz aus Markterlös und Erzeugungskosten soll durch eine Prämie ausgeglichen werden.

Damit kommt der Marktpreis aber nicht ausreichend beim Anbieter der erneuerbaren Energien an. Das IW Köln plädiert deshalb dafür, die Markterlöse durch einen prozentualen Aufschlag aufzustocken. Dann entstünde ein Interesse, Strom in Zeiten hoher Preise einzuspeisen, und die Produktion würde stärker dem Verbrauch folgen.

  • Die Regierung plant zudem, die Industrie stärker zu belasten. Das würde wirtschaftliche Nachteile für energieintensive Unternehmen bedeuten und den Standort Deutschland schwächen, ohne dass die Kos­ten für andere Verbraucher wirksam begrenzt würden.

Ein anderer wichtiger Punkt ist im Regierungspapier lediglich angedeutet: die Versorgungssicherheit. Dabei geht es um die Frage, wie die notwendigen Erzeugungskapazitäten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gesichert werden können. Denn immer öfter übernehmen Solar- oder Windkraftanlagen die Strom­erzeugung. Konventionelle Kraftwerke können dann aber kein Geld mehr verdienen. Gleichwohl sind sie notwendig, um die Stromversorgung auch bei Windstille und Dunkelheit sicherzustellen (Grafik). Diese Versorgungssicherheit wird am bestehenden Strommarkt aber nicht vergütet.

Stromerzeugung der unterschiedlichen Energieträger. Wie groß die Finanzierungsprobleme für viele Kohle- und Gaskraftwerke sind, machen die seit Jahren fallenden Börsenstrompreise deutlich (Grafik):

Im Jahr 2013 kostete eine Kilowattstunde durchschnittlich nur noch 3,8 Cent – die Produktionskosten betragen je nach Kraftwerkstyp jedoch oft das Doppelte.

Der Preis für eine benötigte Kilowattstunde Strom sinkt im Durchschnitt. Um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, müssen mithin ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten für alle Kraftwerkstypen bestehen. Strom, der jederzeit ins Netz eingespeist werden kann, muss besser vergütet werden als Strom aus unsicheren Quellen.

Das IW Köln schlägt daher vor, die an der Strombörse handelbaren Produkte schrittweise weiterzuentwickeln. Bislang sieht es so aus: An der Strombörse werden sowohl kurzfristig (Spotmarkt) als auch langfris­tig (Terminmarkt) Strommengen gehandelt. Auch Optionen – also die Möglichkeit, Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis abzurufen – können erworben werden. Allerdings: Die sichere Verfügbarkeit wird mit dem Kauf des Stroms bislang in der Regel kostenlos mitgeliefert.

Strom aus sicheren Quellen muss aber einen besonderen Preis bekommen. So können sich Kunden Versorgungssicherheit kaufen und die Anbieter haben eine Finanzierungsquelle für ihre Kraftwerke. Beides lässt sich erreichen, indem die bisherigen Terminmärkte aufgewertet werden.

Optionen auf Strom müssen mit einer klaren Lieferverpflichtung und – im Falle der Nichtlieferung – mit hohen Strafzahlungen verbunden sein.

Voraussetzung für einen solchen erweiterten Optionsmarkt ist aller-dings die technische Fähigkeit, einzelne Verbraucher kontrolliert vom Netz zu nehmen bzw. die von ihnen in Anspruch genommene Leistung wirksam zu begrenzen. Denn derjenige, der eine sichere Leistung zu einem höheren Preis gekauft hat, muss ja im Falle eines Engpasses auch etwas davon haben. Bisher allerdings würden alle Verbraucher gleichermaßen darunter leiden, wenn die verfügbaren Kraftwerkskapazitäten nicht ausreichen.

Hubertus Bardt / Esther ChrischillesMarktwirtschaftliche Stromerzeugung und Energiewende – Ein integriertes Optionsmarktmodell für erneuerbare und fossile EnergiequellenIW-Positionen Nr. 64, Köln 2014, 54 Seiten, 11,80 EuroVersandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop

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