Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Familie Lesezeit 3 Min.

Elternzeit ist meist Sache der Mütter

Wer in Deutschland Nachwuchs bekommt, hat einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit. Es gibt allerdings nur wenige Daten darüber, wie Mütter und Väter dieses familienpolitische Element für sich nutzen. Eine Studie des IW liefert eine Einordnung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im ersten Lebensjahr des jüngsten Kindes befanden sich 2022 in Deutschland im Jahresdurchschnitt 58 Prozent der Mütter, aber nur 5,3 Prozent der Väter in Elternzeit.
  • Allerdings gilt es zu beachten, dass die Auszeiten bei den Vätern meist viel kürzer sind als bei den Müttern. Elterngeld bezogen die im Jahr 2022 Vater gewordenen Männer im Schnitt für 3,3 Monate.
  • Einfluss auf die Inanspruchnahme von Elternzeit hat auch der Bildungsstand der Eltern. So waren im Jahr 2022 etwa zwei Drittel der Akademikerinnen und beruflich qualifizierten Frauen, aber nur ein Drittel der Mütter ohne beruflichen Abschluss im ersten Lebensjahr ihres Kindes in Elternzeit.
Zur detaillierten Fassung

Die Geburt eines Kindes stellt oftmals das Leben von Paaren auf den Kopf. Alles dreht sich ab diesem Zeitpunkt um den Neuankömmling. Damit Familien sich gut um den Nachwuchs kümmern können, gibt es in Deutschland die Option, Elternzeit zu nehmen. Bis zum dritten Geburtstag des Kindes können sich abhängig Beschäftigte unbezahlt freistellen lassen.

Die 36 Monate Elternzeit pro Elternteil lassen sich auch auf mehrere Zeiträume aufteilen und zum Teil auf die Zeit zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag verschieben. Außerdem ist eine Elternzeit in Teilzeit möglich. So kann eine Mutter oder ein Vater währenddessen gegebenenfalls auch bis zu 32 Stunden pro Woche im bisherigen Beruf weiterarbeiten.

Egal, welche Variante Mütter und Väter für sich wählen, sie sind während der Auszeit – bis auf absolute Ausnahmefälle – vor einer Kündigung geschützt.

Das Instrument Elternzeit soll jungen Familien sowohl Sicherheit bieten als auch Flexibilität ermöglichen.

Der Bildungsstand von Eltern hat Einfluss auf die Inanspruchnahme von Elternzeit. So waren im Jahr 2022 etwa zwei Drittel der Akademikerinnen und beruflich qualifizierten Frauen, aber nur ein Drittel der Mütter ohne beruflichen Abschluss im ersten Lebensjahr ihres Kindes in Elternzeit.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es aber einen Haken: Die Datenlage zur Elternzeit ist schlecht, valide Aussagen zur Nutzung lassen sich kaum treffen. Sie lassen sich auch nicht aus dem Bezug des Elterngelds ableiten, weil gerade bei den Frauen die Elternzeit die maximale Bezugsdauer des Elterngelds in sehr vielen Fällen wesentlich überschreiten dürfte. Dazu gibt es Paare, die zwar Elterngeld beziehen, aber keine Elternzeit nehmen können. Das trifft etwa auf Selbstständige zu.

Die IW-Forscher haben daher einen anderen Ansatz gewählt und Befragungsdaten aus dem Mikrozensus 2022 analysiert. Demnach bleiben immer noch meist die Frauen zu Hause beim Nachwuchs (Grafik):

Im ersten Lebensjahr des Kindes befanden sich 2022 im Durchschnitt 58 Prozent der Mütter und nur 5,3 Prozent der Väter in Elternzeit.

So viel Prozent der Mütter und Väter waren im Jahr 2022 in Deutschland in Elternzeit, nach Alter des jüngsten Kindes Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Im zweiten Lebensjahr war immer noch jede vierte Mutter freigestellt. In der Kombination aus Elternzeit und Teilzeitbeschäftigung lagen die Mütter ebenfalls durchgängig vor den Vätern, wenn auch bei Weitem nicht so deutlich.

Einfluss auf die Inanspruchnahme von Elternzeit hat unter anderem der Bildungsstand von Müttern und Vätern. So waren im Jahr 2022 etwa zwei Drittel der Akademikerinnen und beruflich qualifizierten Frauen im ersten Lebensjahr ihres Kindes in Elternzeit. Von den Müttern ohne beruflichen Abschluss traf dies nur auf knapp ein Drittel zu. Auch in den Folgejahren sind die Mütter mit einem höheren Bildungsstand häufiger in Elternzeit, wobei stets die beruflich Qualifizierten anteilig vorn liegen.

Bei den Männern sehen die Daten etwas anders aus (Grafik):

Im Jahr 2022 waren durchschnittlich knapp 8 Prozent der Väter mit einem akademischen Abschluss im ersten Lebensjahr ihres Kindes in Elternzeit.

So viel Prozent der Mütter und Väter mit diesem Bildungsabschluss waren im Jahr 2022 in Deutschland im ersten Lebensjahr ihres jüngsten Kindes in Elternzeit Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Damit lagen sie deutlich vor den beruflich Qualifizierten. Auch im Vergleich mit dem Gesamtdurchschnitt waren die Akademiker häufiger zu Hause.

Elternzeit bei Vätern meist kürzer

Was in allen Statistiken auffällt, ist der große Unterschied zwischen Frauen und Männern beim Nutzen der Elternzeit. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Auszeiten bei den Vätern meist viel kürzer sind als bei den Müttern. Elterngeld bezogen die im Jahr 2022 Vater gewordenen Männer im Schnitt für 3,3 Monate.

Rechnet man die Anteile der Männer in Elternzeit damit hoch, kommt man auf eine Beteiligung der Väter an der Elternzeit ohne Beschäftigung von 26 Prozent und an der Elternzeit mit Teilzeitoption von rund 19 Prozent in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes.

Das deckt sich auch mit den Daten zum Elterngeld für Väter. Dies haben zuletzt gut 46 Prozent in Anspruch genommen.

Die IW-Studie lässt erste Rückschlüsse darauf zu, wie junge Familien die Elternzeit nutzen. Auch soziodemografische Faktoren lassen sich einbeziehen und abbilden. Dennoch braucht es eine bessere Datenbasis, um valide Aussagen zur Inanspruchnahme der Elternzeit treffen zu können. Seit 2024 müssen die Arbeitgeber in Deutschland Beginn und Ende der Elternzeit ihrer Mitarbeiter an die Sozialversicherung melden. Die Bundesagentur für Arbeit hätte damit prinzipiell die Möglichkeit, mit geringem Aufwand entsprechende Daten bereitzustellen.

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