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Einkommensverteilung in Deutschland auf stabilem Niveau

Die Einkommensverteilung in Deutschland hat sich seit der Coronapandemie kaum verändert. Im europäischen Vergleich bedeutet das einen Platz im Mittelfeld. Insgesamt kommen die meisten Bundesbürger mit ihrem Einkommen relativ gut bis sehr gut zurecht – in keinem anderen EU-Land ist der Anteil so hoch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Verteilung der Einkommen ist in Deutschland trotz diverser Krisen in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Deutschland gehörte 2023 zudem zu den fünf EU-Staaten mit der höchsten mittleren Kaufkraft.
  • 82 Prozent der Menschen in Deutschland kamen nach eigener Angabe im Jahr 2023 mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen relativ gut bis sehr gut zurecht. In keinem anderen EU-Land war der Anteil höher.
  • Im Mittelfeld bewegt sich die Bundesrepublik dagegen bei der Armutsgefährdungsquote. Gut 15 Prozent der Bundesbürger sind von relativer Armut bedroht.
Zur detaillierten Fassung

Wie gleich oder auch ungleich die Einkommen in einem Land verteilt sind, ermitteln Statistiker mit dem Gini-Koeffizienten. Ein Koeffizient von eins bedeutet, dass eine Person das gesamte Einkommen auf sich vereint, bei null würden alle Menschen das gleiche Einkommen beziehen. Die aktuellen Daten zeigen:

Der Gini-Koeffizient lag im Jahr 2023 in Deutschland bei knapp 0,3 oder darunter – je nach Datenquelle. Damit ist er seit 2008 fast unverändert geblieben.

Mit diesem Wert lag Deutschland im Jahr 2023 im EU-Schnitt. Neben der Verteilung der Einkommen sind auch deren Höhe und die allgemeine Kaufkraft wichtig. Der passende Parameter, um dies zu ermitteln, ist das kaufkraftbereinigte Nettoäquivalenzeinkommen. Es macht Einkommen von Haushalten unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung vergleichbar.

Nirgendwo in der EU sagt ein so großer Teil der Bevölkerung, dass er mit seinem Einkommen relativ gut bis sehr gut zurechtkommt, wie in Deutschland.

Demnach lag Deutschland trotz Rezession und Inflation im Jahr 2023 unter den fünf EU-Ländern mit der höchsten mittleren Kaufkraft. Der Median des Nettoäquivalenzeinkommens belief sich in der Bundesrepublik auf 27.619 Euro. Nur in den Beneluxstaaten und Österreich konnten sich die Menschen im Mittel mehr Waren und Dienstleistungen leisten.

Neueste Daten zeigen zudem, dass sich die Reallöhne in Deutschland im dritten Quartal 2025 wieder auf dem Niveau von 2019 bewegten und sich die Kaufkraft somit langsam wieder erholt.

Dies spiegelt sich auch im Blick der Bundesbürger auf ihr Einkommen wider (Grafik):

82 Prozent der Menschen in Deutschland kamen nach eigener Angabe im Jahr 2023 mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen relativ gut bis sehr gut zurecht. In keinem anderen EU-Land war der Anteil höher.

So viel Prozent der Bevölkerung in diesen EU-Staaten kamen im Jahr 2023 mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen relativ gut bis sehr gut zurecht Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

In den Niederlanden, Schweden und Luxemburg schätzen die Menschen ihre Einkommenssituation ebenfalls sehr positiv ein. Besonders schlecht kommen die Menschen in Bulgarien und Griechenland mit ihrem Einkommen zurecht.

Deutschland bei Armutsgefährdungsquote im Mittelfeld

Aus den Einkommensdaten lässt sich auch berechnen, wie viele Menschen von Armut bedroht sind. Zu dieser Gruppe gehören alle, die weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens zur Verfügung haben. In der Bundesrepublik waren das im Jahr 2024 auf der Grundlage des Mikrozensus 16,2 Prozent der Bevölkerung. Gegenüber 2021 bedeutet das einen Rückgang um 0,6 Prozentpunkte. Legt man die Werte der European Union Statistics on Income and Living Conditions zugrunde, lag die Armutsgefährdungsquote mit 15,5 Prozent im Jahr 2023 sogar noch etwas niedriger. Im Ländervergleich bedeutet das (Grafik):

In der EU landet Deutschland mit dieser Armutsgefährdungsquote auf Platz 14 und bewegt sich unterhalb des bevölkerungsgewichteten EU-Schnitts von 16,2 Prozent.

So viel Prozent der Bevölkerung in diesen EU-Staaten waren im Jahr 2023 von Einkommensarmut gefährdet Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Im Verhältnis zum mittleren Einkommen des Landes sind in Tschechien besonders wenige Menschen von relativer Armut bedroht. Dagegen lebt mehr als jeder Fünfte in den baltischen Staaten sowie in Kroatien und Bulgarien von weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens des jeweiligen Landes.

Die IW-Auswertung lässt sich aus deutscher Sicht angesichts der von zahlreichen Krisen geprägten zurückliegenden Jahre durchaus positiv bewerten. Sie steht auch im Gegensatz zu dem oftmals sehr pessimistischen Bild der Einkommensverteilung in der Bevölkerung und den Medien. Es gilt daher, die genannten positiven Befunde in der öffentlichen Diskussion stärker in den Mittelpunkt zu rücken, um sachlich über die künftige Gestaltung eines wirksamen Sozialstaats debattieren zu können.

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