IW-Verbandsumfrage 2016 Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Eingeschränkter Optimismus

Trotz moderater Stimmung rechnet die Mehrzahl der deutschen Wirtschaftsverbände für das Jahr 2016 mit einem Anstieg der Produktion. Viele Unternehmen werden voraussichtlich auch mehr investieren als im vergangenen Jahr. Mehr Beschäftigung ist dagegen nicht zu erwarten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Von den vom IW Köln befragten 46 Verbänden gehen 29 für 2016 von einer etwas höheren Produktion in ihren Unternehmen aus als im Vorjahr – nur 7 rechnen mit einem Rückgang.
  • Hiintergrund ist einerseits die stabile Konjunktur in Deutschland, andererseits die globalen Unsicherheiten.
  • In Sachen Arbeitsmarkt hatlen sich Zuversicht und Skepsis die Waage – vor allem den personalintensiven Branchen macht der Mindestlohn zu schaffen.
Zur detaillierten Fassung

Das Muster der Konjunktur in Deutschland sieht derzeit aus wie ein Wellblechdach – mal geht es ein bisschen rauf, mal ein bisschen runter. Dieser Befund spiegelt sich in der aktuellen Befragung von 46 Wirtschaftsverbänden durch das IW Köln wider (Tableau). Zwar sprechen lediglich 13 Verbände von einer Verschlechterung der Stimmungslage seit Anfang 2015, doch auch nur 12 von einer positiven Entwicklung.

Dennoch schauen die Verbände relativ optimistisch nach vorn:

Von den 46 befragten Wirtschaftsverbänden gehen 29 für 2016 von einer etwas höheren Produktion in ihren Unternehmen aus als im Vorjahr – nur 7 rechnen mit einem Rückgang.

Ganz ähnlich beurteilen die Verbände auch die Investitionsaussichten ihrer Mitgliedsfirmen. Während 17 Branchen damit rechnen, dass die Unternehmen 2016 mehr investieren als 2015, erwarten 5 Verbände gekürzte Budgets.

Hintergrund dieser Einschätzungen ist einerseits, dass der Konsum in Deutschland gut läuft. Den Exporteuren kommt zudem die Erholung in einigen Euroländern sowie der Aufschwung auf wichtigen Märk­ten wie den USA und Großbritannien zugute. Andererseits wankt die Konjunktur in großen Schwellenländern wie China. Zudem sind viele Betriebe verunsichert, weil sie die Auswirkungen der Flüchtlingszuwanderung und der Terror­risiken auf die Wirtschaft nur schwer abschätzen können.

Hinzu kommt, dass vor allem den personalintensiven Branchen der Mindestlohn zu schaffen macht. Daher halten sich in Sachen Arbeitsmarkt zuversichtliche und skeptische Einschätzungen die Waage – fast die Hälfte der Verbände geht von einer konstanten Beschäftigung aus.

Die Perspektiven einiger Wirtschaftszweige im Detail:

  1. Maschinenbau. Die deutschen Firmen dürften auch 2016 von der stärkeren Nachfrage aus den USA und mehreren EU-Ländern profitieren. Ein spürbares Wachstum ist trotzdem wenig wahrscheinlich, weil die Exporte in viele Entwicklungs- und Schwellenländer nochmals leicht sinken könnten. Der schwache Euro wirkt sich nach Einschätzung der Branche nur begrenzt aus.
  2. Chemische Industrie. Niedrige Zinsen, billiges Öl und der Eurokurs geben der Chemiebranche auch 2016 einen Schub. Investieren werden die Firmen aber eher im Ausland, vor allem wenn es um energieintensive Produktionsanlagen geht.
  3. Finanzsektor. Getrübt wird die Stimmung vor allem der Banken durch die Niedrigzinspolitik der EZB und zusätzliche regulatorische Auflagen. Die Investitionen dürften aufgrund der Digitalisierung in der Branche zwar steigen, der Kostendruck aber erzwingt tendenziell einen weiteren Beschäftigungsabbau.

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