Fachkräfteengpässe Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Einer geht, keiner kommt

In vielen Berufen fällt es Unternehmen heute schon schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Das Problem verschärft sich indes noch weiter, weil viele qualifizierte Mitarbeiter in Engpassberufen bald in Rente gehen. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat jetzt berechnet, in welchen Berufen der Ersatzbedarf besonders groß ist.

Kernaussagen in Kürze:
  • 6,7 von 23,9 Millionen Fachkräften arbeiten in Engpassberufen.
  • Ungefähr jeder dritte Beschäftigte in einem Engpassberuf geht in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand.
  • Der Ersatzbedarf verteilt sich sehr unterschiedlich auf einzelne Berufe.
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Wenn bundesweit die Zahl der Arbeitslosen rein rechnerisch nicht ausreicht, um alle offenen Stellen zu besetzen, dann spricht man von Engpassberufen. Im September 2014 gab es davon insgesamt 139. Knappheiten am Arbeitsmarkt zeigen sich sowohl bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung als auch bei Arbeitskräften mit Fortbildungsabschluss und Akademikern (Grafik).

Insgesamt arbeiten derzeit 6,7 von 23,9 Millionen Fachkräften in Engpassberufen.

Die Alterung der deutschen Gesellschaft wird die bestehenden Knappheiten in vielen Berufen verstärken. Denn große Teile der Babyboomer-Generation der 1950er und 1960er Jahre gehen in absehbarer Zeit in Rente: Mehr als 2 Millionen der 6,7 Millionen Beschäftigten in Engpassberufen haben bereits das 50. Lebensjahr erreicht. Damit ist ungefähr jeder Dritte in den kommenden 15 Jahren zu ersetzen, falls sich die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht verringert.

Der Ersatzbedarf verteilt sich sehr unterschiedlich auf einzelne Berufe. Bei Berufskraftfahrern sind 230.000 von 529.000 Beschäftigten 50 Jahre und älter (Seite 5). Das bedeutet, vier von zehn Mit­arbeitern gehen in den kommenden 15 Jahren in Rente. Auch wenn Kraftfahrer derzeit nicht so rar sind wie andere Fachkräfte, werden zahlreiche Nachwuchskräfte benötigt, damit die Brummis weiter rollen.

In der Gesundheits- und Krankenpflege sind rund 30 Prozent beziehungsweise 175.000 der 568.000 Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung 50 Jahre oder älter. Hier ist davon auszugehen, dass es nicht beim berechneten Ersatzbedarf bleibt. Denn durch die Alterung der Gesellschaft nimmt der Personalbedarf weiter zu – genauso wie in der Altenpflege.

Auch in den Metallberufen sind künftig viele Mitarbeiter zu ersetzen:

Im Metallbau sind 75.000 Fachkräfte mindestens 50 Jahre alt, in der spanenden Metallbearbeitung 52.000.

Engpässe lassen sich derzeit zwar auch in weiteren Berufen feststellen. Wenn hier Mitarbeiter in Rente gehen, dürften sich die Knappheiten jedoch altersbedingt nicht weiter verschärfen, weil die Unternehmen in den vergangenen Jahren ihr Ausbildungsangebot deutlich erhöht und so auf die (drohenden) Fachkräfteengpässe reagiert haben. Das gilt beispielsweise für den Mechatroniker – in diesem recht neuen Ausbildungsberuf sind drei von zehn Fachkräften jünger als 25 Jahre und es gehört nur jeder Zehnte zur Generation 50plus. Gleiches gilt für Hörgeräteakustiker, Kältetechniker sowie Land- und Baumaschinentechniker.

Unabhängig von den jeweiligen Berufen sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von Fachkräfteengpässen betroffen. So arbeiten zum Beispiel acht von zehn Bauelektrikern, Altenpflegern sowie Fachkräften der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in KMUs.

Allerdings gibt es für die mittelständischen Firmen verschiedene Möglichkeiten, etwas gegen die Fachkräfteengpässe zu tun:

Frauen. Die Unternehmen sind gefordert, Frauen und Männern gleichermaßen eine berufliche Entwicklung zu ermöglichen und dadurch den Personenkreis der potenziellen Mitarbeiter zu erweitern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist damit wichtiger als jemals zuvor.

An- und Ungelernte. Es gibt mehr als 4 Millionen Beschäftigte in Helferberufen. Mit entsprechenden Maßnahmen können Unternehmen diese Mitarbeiter weiterqualifizieren und ihren Fachkräftebedarf so teilweise decken.

Internationale Fachkräfte. Insbesondere KMUs scheuen den Aufwand, um Fachkräfte aus dem Ausland zu werben. Dabei existieren Projekte wie beispielsweise das Kompetenzzentrum Fachkräftesiche­rung, die den Firmen Unterstützung bieten – in Form von Handlungsempfehlungen und Best-Practice-Beispielen, an denen sie sich orientieren können.

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