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Eine Währung sucht ihren Weg

Der Euro fällt und fällt – das macht kaum jemanden so nervös wie die jahrzehntelang an ihre harte D-Mark gewöhnten Deutschen. Aller Voraussicht nach wird die europäische Währung zwar erst einmal weiter an Wert verlieren – doch das hat auch seine guten Seiten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Euro verliert an Wert
  • Der Grund dafür ist nicht nur die Schuldenkrise
  • Auch das Wachstum lässt in Europa zu wünschen übrig
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Am Tag nach der Wahl in Griechenland rutschte der Euro zwischenzeitlich unter die Marke von 1,11 Dollar – so niedrig notierte die Gemeinschaftswährung zuletzt im September 2003. Zwar hatten die Märkte den Regierungswechsel in Athen schon am nächsten Tag abgehakt, doch am derzeitigen Trend ändert das nichts (Grafik):

Seit Mai 2014 verliert der Euro gegenüber dem Dollar fast ununterbrochen an Wert – der Verlust addiert sich mittlerweile auf fast 19 Prozent.

Euro-Dollar-Wechselkurs Mit rund 1,13 Dollar ist der Euro Angang Februar 2015 sogar weniger wert als bei seinem Börsendebüt am 4. Januar 1999.

Die Gründe für diesen Wertverfall allein in der Schuldenkrise zu suchen beziehungsweise in jenen Maßnahmen, mit denen die Europäische Zentralbank (EZB) diese Krise und deren Folgen bekämpft, greift allerdings zu kurz. Denn tatsächlich ist das nur ein Teil der Wahrheit – Fakt ist nämlich auch:

Europa und die USA driften ökonomisch auseinander. Während sich der Aufschwung in den USA weiter gefestigt hat – im vergangenen Jahr legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,4 Prozent zu –, bleibt die wirtschaftliche Lage im Euroraum weiterhin fragil. Zwar haben die meis­ten Krisenländer inzwischen die Kurve gekriegt (vgl. iwd 4/2015). Doch von einem Aufschwung kann noch nicht die Rede sein. Die Erholung im Euroraum verläuft schleppend, die Wachstumsrate des realen BIP blieb im vergangenen Jahr weit unter 1 Prozent.

Europa und die USA verfolgen eine unterschiedliche Geldpolitik. Aufgrund der guten US-Konjunktur hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) angefangen, den Geldhahn langsam zuzudrehen. Ende 2014, also sechs Jahre nach der Lehman-Pleite, stellte sie ihre milliardenschweren Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren ein. Zudem rechnen die Märkte damit, dass die Fed im Laufe dieses Jahres die Zinswende einläuten wird – seit 2008 steht der US-Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent.

Die Europäische Zentralbank dagegen setzt ihre ultraexpansive Geldpolitik unbeirrt fort. EZB-Chef Mario Draghi hat sogar angekündigt, die EZB werde bis September 2016 jeden Monat für bis zu 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere aufkaufen, um die Preisentwicklung anzukurbeln und so Deflationsgefahren vorzubeugen.

Insgesamt will die EZB für mehr als 1 Billion Euro Wertpapiere auf dem Zweitmarkt aufkaufen – das macht eine weitere Abwertung des Euro sehr wahrscheinlich. In die gleiche Richtung wird auch der im Laufe des Jahres zu erwartende Zinsanstieg in den USA wirken.

Doch nicht nur der Dollar hängt den Euro ab, auch andere wichtige Währungen zeigen ihm die kalte Schulter (Grafik):

Seit Ende Januar 2014 hat der Euro sowohl gegenüber dem Chinesischen Yuan als auch dem Schweizer Franken um jeweils mehr als 15 Prozent abgewertet.

Abwertung oder Aufwertung gegenüber Yuan, Dollar, Pfund, Schweizer Freanken, Zloty China, Großbritannien und die Schweiz gehören mit den USA und Polen zu jenen Volkswirtschaften, die mit den Euroländern Frankreich, Niederlande, Italien, Österreich und Belgien die Top Ten der deutschen Handelspartner bilden.

Interessant ist der Wechselkursverlauf zwischen Euro und Franken. Die Schweizerische Nationalbank hatte im September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro festgesetzt, weil der damals starke Franken für die heimische Wirtschaft zum Problem geworden war. Da der Euro aber in den Jahren danach mehr und mehr an Wert verlor, wurde es für die Eidgenossen immer aufwendiger, den Kurs des Franken künstlich niedrig zu halten – sie musste entsprechend viele Franken verkaufen, um Euro zu kaufen.

Anfang dieses Jahres haben die Schweizer die Notbremse gezogen und den Mindestkurs aufgegeben. Prompt verlor der Euro massiv: Er kostete in der ersten Februarwoche nur noch 1,05 Franken.

So beunruhigend die Abwertung des Euro für den einen oder anderen auch sein mag – sie hat auch Vorteile: Ein billigerer Euro begünstigt die Exporte und verbessert somit die Wachstumsperspektiven der Euroländer – was insbesondere in den Krisenländern nötig und deshalb hochwillkommen ist.

Allerdings darf man diesen Effekt auch nicht überschätzen, denn immerhin 44 Prozent des internationalen Handels der Euroländer finden untereinander statt, sind also allenfalls indirekt von Wechselkursen abhängig.

Und was die deutschen Exporte angeht, die ja vor allem aus Kraftfahrzeugen sowie hochwertigen Maschinen und Anlagen bestehen, kommt noch eines hinzu: Ihr Auf und Ab erklärt sich weniger durch Warenpreise und Wechselkurse, sondern vielmehr durch die Konjunktur in den Abnehmerländern.

Ein weiterer Vorteil der Euro-Schwäche ist, dass sie einen positiven Impuls für die Preisentwicklung im Euroraum gibt und somit einer drohenden Deflation vorbeugt. Zwar spiegelt sich die Wechselkursentwicklung nicht eins zu eins in der Entwicklung der Verbraucherpreise wider. Doch eine andauernde Euro-Schwäche wird die Preise von importierten Produkten verteuern.

Solche Preisanpassungsprozesse dauern allerdings einige Zeit, deshalb sind die Effekte erst in einigen Monaten zu erwarten.

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