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Eine Frage der Preise

Unterschiedliche Meldungen über den Einfluss des Außenhandels auf das Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahres haben Verwirrung gestiftet. Die vermeintlichen Widersprüche lösen sich jedoch auf, wenn man den Einfluss der Preisentwicklung unter die Lupe nimmt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bei der Bewertung des Außenhandels auf das Wirtschaftswachstum spielt die Preisentwicklung ebenfalls eine wichtige Rolle.
  • In nominaler Rechnung steuerte der Außenbeitrag im vergangenen Jahr 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,6 Prozent bei.
  • Während das Volumen der Exporte 2013 um 0,6 Prozent zulegte, kamen die Importe auf ein reales Plus von 1,3 Prozent.
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Wer in jüngster Zeit die Wirtschaftsnachrichten verfolgt hat, ist auf zwei gegensätzlich klingende Meldungen gestoßen: Auf der einen Seite hat Deutschland im vergangenen Jahr in der Leistungsbilanz einen Rekordüberschuss von ungefähr 200 Milliarden Euro oder 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eingefahren. Dieser Saldo, der sich im Wesentlichen aus dem Waren- und Dienstleistungshandel mit dem Ausland ergibt, war zudem der weltweit höchste.

Auf der anderen Seite hat der Außenbeitrag – also die Differenz zwischen Exporten und Importen – laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr das reale Wirtschaftswachstum um 0,3 Prozentpunkte verringert.

Dass sich diese beiden Fakten keineswegs widersprechen, ist allerdings nur zu erkennen, wenn man sich die Berechnungen der Ökonomen genau anschaut.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Preise. Denn der Leistungsbilanzsaldo basiert auf nominalen Werten – er hängt also nicht nur davon ab, welche Gütermengen Deutschland ex- und importiert, sondern auch davon, wie teuer die gehandelten Waren und Dienstleis­tungen sind.

Zieht man diese nominalen Größen auch zur Ermittlung des Außenbeitrags heran, passt das Ergebnis durchaus zu den aktuellen Leis­tungsbilanzzahlen. Denn die Differenz zwischen Export- und Importwert stieg 2013 um fast 9 Milliarden auf 167 Milliarden Euro. Zwar legten die Einnahmen aus dem Export nur um 0,1 Prozent zu, da sich aber die Importe um 0,6 Prozent verringerten, folgt daraus (Grafik):

In nominaler Rechnung steuerte der Außenbeitrag im vergangenen Jahr 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,6 Prozent bei.

Ganz anders stellen sich die Dinge dar, wenn die Preiseinflüsse ausgeklammert werden, um zu ermitteln, wie sich die Güterversorgung tatsächlich, also mengenmäßig entwickelt hat. Hier zeigt sich:

Während das Volumen der Exporte 2013 um 0,6 Prozent zulegte, kamen die Importe auf ein reales Plus von 1,3 Prozent.

Das erklärt, warum der Außenhandel in preisbereinigter Rechnung das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nicht gesteigert, sondern um fast die Hälfte verringert hat.

Hinter den unterschiedlichen Befunden steckt letztlich, dass die Importpreise im vergangenen Jahr mit 1,9 Prozent kräftiger gesunken sind als die Preise für Exportgüter, bei denen ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche stand. Zwar mussten auch die deutschen Exporteure angesichts der schleppenden globalen Konjunktur Zugeständnisse bei den Preisen machen. Die Aufwertung des Euro und die nachgebenden Rohstoffpreise haben die deutschen Importgüter jedoch noch stärker verbilligt.

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