Lohnquote Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Eine Frage der Perspektive

Mal geht es rauf, mal runter – wie sich die Arbeitnehmerentgelte in Relation zum Volkseinkommen entwickeln, hängt stark von der jeweiligen Konjunkturlage ab. Zudem erfasst die Lohnquote die tatsächliche Einkommenssituation der Beschäftigten nur unvollständig.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wie sich die Arbeitnehmerentgelte in Relation zum Volkseinkommen entwickeln, hängt stark von der jeweiligen Konjunkturlage ab.
  • Seit 2006 legten die Arbeitnehmerentgelte jahresdurchschnittlich um 2,8 Prozent zu, die Vermögens- und Unternehmenseinkommen dagegen nur um 2 Prozent.
  • Die Lohnquote stieg von 2007 bis 2009 um fast 5 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent.
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Auch wenn sich viele wirtschaftliche Daten eindeutig messen lassen – ihre Bewertung hängt maßgeblich von der zeitlichen Perspektive ab. Dies gilt beispielsweise für Einkommensindikatoren. Die Hans-Böckler-Stiftung hat vor kurzem die Veränderung der Arbeitnehmerentgelte sowie der Unternehmens- und Vermögenseinkommen im Zeitraum 2000 bis 2012 unter die Lupe genommen. Tatsache ist: Die Beschäftigten bekamen im jährlichen Durchschnitt 2 Prozent höhere Bruttolöhne und -gehälter – einschließlich der von den Arbeitgebern gezahlten Sozialbeiträge –, Unternehmensgewinne und Vermögenserträge stiegen dagegen pro Jahr um 3,3 Prozent.

Lässt man jedoch die Stagnationsjahre in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts außen vor, sieht die Sache ganz anders aus:

Seit 2006 legten die Arbeitnehmerentgelte jahresdurchschnittlich um 2,8 Prozent zu, die Vermögens- und Unternehmenseinkommen dagegen nur um 2 Prozent.

Entscheidend ist der Betrachtungszeitraum auch, wenn man die gesamtwirtschaftliche Einkommensverteilung anhand der Lohnquote analysieren will. Diese Kennziffer setzt die Arbeitnehmerentgelte ins Verhältnis zum gesamten Volkseinkommen, zu dem auch die Unternehmens- und Vermögenseinkommen zählen.

Insgesamt ist die Lohnquote in Deutschland seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts tendenziell gestiegen (Grafik). Kurzfristig hängt ihr Verlauf allerdings stark vom jeweiligen Konjunkturtrend ab.

In Aufschwungphasen sinkt die Lohnquote regelmäßig – wie zum Beispiel in den Jahren 2005 bis 2007. Denn während die Firmengewinne sowie die Kapitaleinkommen der Haushalte recht schnell auf eine Konjunkturerholung reagieren, braucht es eine Weile, bis die Unternehmen wieder mehr Personal einstellen. Dann erst legen auch die Arbeitseinkommen zu.

Läuft die Wirtschaft wie in den Jahren 2008 und 2009 dagegen schlecht, gehen Unternehmensgewinne und Kapitaleinkommen rasch zurück, während die Arbeitseinkommen zunächst eher stabil bleiben – denn die Betriebe versuchen in der Regel zunächst, ihre Mitarbeiter trotz Krise zu halten. So erhöhten sich die Arbeitseinkommen 2008 noch um 3,6 Prozent, und selbst im Rezessionsjahr 2009 gab es ein Plus von 0,3 Prozent. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen brachen dagegen um 4,2 bzw. 12,4 Prozent ein. Die Folge:

Die Lohnquote stieg von 2007 bis 2009 um fast 5 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent.

Die Lohnquote schwankt aber nicht nur, auch ihre Aussagekraft ist eingeschränkt: Eigentlich soll sie zeigen, welcher Anteil des gesamten Volkseinkommens auf den Produktionsfaktor Arbeit entfällt. Die Arbeitnehmer beziehen aber nicht nur Gehalt, die meisten haben auch Kapitaleinkünfte: So werfen ihre Sparanlagen Zinsen ab, Aktienfonds schütten Dividenden aus, und die Einliegerwohnung im eigenen Haus sorgt für Mieteinnahmen. Der tatsächliche Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen ist dementsprechend höher, als es die Lohnquote widerspiegelt.

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