Diversity Management Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Eine bunte Arbeitswelt

Vielfalt, Respekt und Wertschätzung sind zentrale Werte einer Unternehmenskultur, schließlich können Betriebe von der Unterschiedlichkeit ihrer Beschäftigten profitieren. Die dazugehörige Strategie heißt Diversity Management.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vielfalt, Respekt und Wertschätzung sind zentrale Werte einer Unternehmenskultur, schließlich können Betriebe von der Unterschiedlichkeit ihrer Beschäftigten profitieren.
  • Unternehmen könnten in Deutschland jährlich rund 21 Milliarden Euro einsparen, wenn sie Maßnahmen zur Unterstützung der Mitarbeitervielfalt systematisch vorantreiben würden.
  • Unternehmen wollen in erster Linie einen leichteren Zugang zu internationalen Märkten gewinnen und einfacher Fachkräfte rekrutieren.
Zur detaillierten Fassung

Wenn ausländische Arbeitskräfte mit ihren Familien nach Deutschland kommen, benötigen sie nicht nur Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung, nach Schulen und Kitas für die Kinder, sondern auch Hilfe bei Papierkram und Behördengängen. Großunternehmen stellen ihren neuen Beschäftigten dafür meist Paten zur Seite. Diese dolmetschen nicht nur auf den Ämtern, sondern erläutern den Zugezogenen den Unterschied zwischen Fasching und Karneval oder Begriffe wie Ostalgie und Ostmoderne. Auch regionale Besonderheiten hinsichtlich Kunst, Kultur, Sport oder Essen und Trinken bedürfen oftmals einer Erklärung.

Dies ist eine der Maßnahmen des sogenannten Diversity Managements (Kasten Seite 5). Die Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants hat sich einmal genauer angeschaut, was darunter alles zu verstehen ist und in welchen Bereichen sich die Unternehmen hier engagieren. Die Ergebnisse:

  1. Viele Unternehmen sind vor allem im Bereich „gender diversity“ aktiv. Sie fördern Chancengleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf, Karriere und Familie und besetzen ihre Beförderungsgremien gemischt, um mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen.
  2. Ein zweiter Schwerpunkt ist „age diversity“. Schließlich ist junges, innovatives Wissen, aber auch das Erfahrungswissen der Älteren gleichermaßen wichtig für Unternehmen.
  3. An dritter Stelle geht es um die „national diversity“ oder „cross culture diversity“, also um internationale Teams und die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland.

Laut den Experten von Roland Berger könnten die Unternehmen in Deutschland jährlich rund 21 Milliarden Euro einsparen, wenn sie Maßnahmen zur Unterstützung der Mitarbeitervielfalt systematisch vorantreiben würden.

Denn gut ausgebildete Mitarbeiter werden so langfristig an das Unternehmen gebunden; dadurch sinken Mitarbeiterfluktuation und die damit verbundenen Kosten. Dabei hat das zentrale Motiv für Diversity Management nichts mit Kosteneinsparungen zu tun (Grafik):

Unternehmen wollen in erster Linie einen leichteren Zugang zu internationalen Märkten gewinnen und einfacher Fachkräfte rekrutieren.

Ein solches erfolgreiches Unternehmen mit ausländischen Fachkräften ist beispielsweise BASF. Die Ludwigshafener belegten 2011 den ersten Platz beim neu geschaffenen Diversity-Preis für ihr Konzept, das vielfältig zusammengesetzte Arbeits­teams mit unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Werten zusammenbringt – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Alter oder Nationalität. Frauen in Führungspositionen werden besonders gefördert: BASF hat es sich zum Ziel gemacht, bis Ende 2020 den Chefinnen-Anteil von aktuell knapp 10 auf 15 Prozent zu erhöhen.

Auch die ING-DiBa hat einen Diversity-Preis für ihr Projekt Azubi 50plus erhalten. Seit 2006 bildet die Bank Mitarbeiter jenseits der 50 zu Servicefachkräften für Dialogmarketing aus und seit 2011 auch zu Bankassistenten mit dem Schwerpunkt Immobilienfinanzierung – jeweils mit einem von Industrie- und Handelskammer anerkannten Abschluss.

Hinter dem Diversity-Preis steht die Initiative „Charta der Vielfalt“: Im Dezember 2006 verpflichteten sich vier deutsche Großunternehmen, die Vielfalt ihrer Belegschaft, Kundschaft und Geschäftspartner anzuerkennen, wertzuschätzen und zu fördern – unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, Rasse, Religion, Nationalität, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung und Identität. Inzwischen sind aus den vier Gründungsunternehmen 1.252 Unterzeichner geworden.

Das Engagement der Unternehmen zahlt sich nicht nur in Urkunden und Preisverleihungen aus: Im Mutterland des Diversity Managements, den USA, befragte die Gesellschaft für Personalmanagement zahlreiche Firmen. 84 Prozent von ihnen beurteilten ihr Diversity Management als “sehr effektiv” oder “effektiv”, wenn es um die eigenen Ziele ging (Grafik). Das waren primär ein besseres Image in der Öffentlichkeit sowie Kosteneinsparungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de