EDV und Optoelektronik 28.11.2016 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Eine Branche steht unter Strom

Die Hersteller von EDV-Geräten, mikroelektronischen Komponenten, Optoelektronik, Sensorik und Medizintechnik haben 2015 insgesamt 71 Milliarden Euro umgesetzt – gut 9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit hat sich die Hochtechnologiebranche in einem schwierigen globalen Umfeld hervorragend behauptet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die EDV und Optoelektronik hat 2015 insgesamt 71 Milliarden Euro umgesetzt – gut 9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
  • Ein starker Inlandsmarkt sorgte im ersten Halbjahr 2016 für ein Plus von 3,4 Prozent trotz stagnierendem Auslandsumsatz.
  • Die deutschen Hersteller müssen trotz guter Umsätze innovativ bleiben, um sich gegen internationale Konkurrenz zu behaupten.
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Ausschlaggebend für das Geschäftswachstum im vergangenen Jahr war der Export. Die Ausfuhren der deutschen Unternehmen legten um mehr als 11 Prozent zu – der Anteil der Exporte am Gesamtumsatz stieg damit auf über 60 Prozent. Aber auch das Inlandsgeschäft trug mit einem Plus von 6 Prozent zum guten Ergebnis bei.

Im ersten Halbjahr 2016 haben die Unternehmen der Branche erneut ein Umsatzplus erzielt, wenn dies auch mit 3,4 Prozent nicht mehr so deutlich ausfiel. Auffällig dabei: Der inländische Markt wuchs mit knapp 7 Prozent sogar kräftiger als 2015, während der Auslandsumsatz stagnierte. Zurückzuführen ist das auf die mannigfaltigen Veränderungen auf vielen für Deutschland wichtigen Absatzmärkten: China setzt verstärkt auf die Binnenwirtschaft, was deutsche Exporte dorthin erschwert. Die rezessionsgeplagten Schwellenländer Russland und Brasilien investieren eher verhalten. Und auch wenn der Brexit noch nicht vollzogen ist, so verteuert doch die Abwertung des britischen Pfunds bereits jetzt die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich.

Steigende Betriebs- und Beschäftigungszahlen

Die insgesamt positive Entwicklung der deutschen EDV und Optoelektronik-Industrie spiegelt sich auch in den gestiegenen Betriebs- und Beschäftigtenzahlen wider:

Im vergangenen Jahr legte die Zahl der Betriebe ab 50 Beschäftigten um knapp 2 Prozent auf 1.080 zu – die Gesamtbelegschaft wuchs um 3 Prozent auf mehr als 260.000 Köpfe.

Im ersten Halbjahr 2016 erhöhte sich die Zahl der Mitarbeiter in den mittleren und größeren Unternehmen um weitere 1,5 Prozent. Darüber hinaus gehörten zuletzt noch 782 Kleinbetriebe zu diesem Wirtschaftszweig, die knapp 26.000 Personen Arbeit boten.

Trotz der guten Ausgangslage ist die Zukunft für die EDV und Optoelektronik in Deutschland aber kein Selbstläufer. Der Hauptgrund dafür findet sich in Asien. Dort wachsen zum einen neue große Wettbewerber heran. Zum anderen verlagern Unternehmen ihre Produktionsstätten dorthin. In der Elektronikindustrie ist dieser Trend noch stärker zu beobachten als in anderen Industriezweigen. So werden Halbleiter und Konsumelektronik inzwischen fast ausschließlich im asiatischen Raum produziert – eine Ausnahme bilden etwa die Chipfabriken in Dresden.

Die EDV und Optoelektronik muss trotz guter Umsätze innovativ bleiben, um sich gegen internationale Konkurrenz zu behaupten.

Gut behauptet haben sich dagegen die deutschen M+E-Standorte im Bereich Optoelektronik und Sensorik sowie bei kundenspezifischen Lösungen für die Industrie im Bereich Robotersteuerungen und Fahrzeugelektronik. Diese Sparte ist heute die größte innerhalb des M+E-Zweigs der EDV und Optoelektronik:

Mit 561 Betrieben ist gut jeder zweite deutsche Produzent im Segment der Mess-, Kontroll- und Steuerungselektronik tätig – diese Firmen beschäftigen gut 46 Prozent aller Mitarbeiter der Gesamtbranche.

Für die Unternehmen dieser Sparte sind vor allem Nischenstrategien erfolgversprechend. Das bedeutet: Durch Sonderanfertigungen für einen kleinen Kundenkreis können sie ihre Produkte weltweit vermarkten und sich gleichzeitig dem Preisdruck chinesischer Konkurrenten entziehen.

Innovative Lösungen

Einige deutsche Hersteller sind bereits in diese Lücke vorgestoßen. So liefern Sensorikspezialisten die Technologie für die neueste Robotergeneration: Erstmals können dadurch Industrieroboter mit künstlicher Intelligenz gemeinsam mit menschlichen Kollegen eingesetzt werden. Auch die Echtzeitmessung und Kontrolle von global vernetzten Produktionsanlagen
– etwa in den Bereichen Druck, Temperatur oder Energieverbrauch – ermöglicht dieser M+E-Zweig. Beides sind wichtige Schritte hin zur Industrie 4.0.

Ein weiterer Elektronikbereich, in dem deutsche Unternehmen weltweit dank ihrer Technologie einen hervorragenden Ruf genießen, ist die Sparte Bauelemente und Leiterplatten. Während die Produzenten von Leiterplatten im Jahr 2015 Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, erzielten die Hersteller elektronischer Bauteile im Schnitt ein starkes Umsatzplus von gut 24 Prozent. Ähnlich gut liefen die Geschäfte für die Produzenten elektromedizinischer Geräte – ihr Umsatz stieg im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent.

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