Klimapolitik Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Ein zähes Geschäft

Das Kyoto-Protokoll läuft aus und mehrere Nachfolge-Verhandlungen sind bereits gescheitert – nun soll es die Klimakonferenz Ende des Jahres in Katar richten. Wichtige Weichen dafür sollte der gerade beendete zweiwöchige UNO-Gipfel in Bonn stellen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Kyoto-Protokoll läuft aus und mehrere Nachfolge-Verhandlungen sind bereits gescheitert.
  • Seit 1990 sind allein die Emissionen von Kohlendioxid weltweit um zwei Drittel gestiegen.
  • Selbst wenn sich alle bisherigen Kyoto-Staaten entscheiden, weiterhin CO2 zu sparen, kommt diese Ländergruppe bis 2050 nicht einmal mehr auf ein Drittel des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes.
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Die gute Nachricht zuerst: Dank des vor 15 Jahren verabschiedeten Kyoto-Protokolls dürfte der Treib­hausgas-Ausstoß der Industrieländer, die es ratifiziert haben, bis Ende dieses Jahres vermutlich um die vereinbarten 5 Prozent gesunken sein. Den internationalen Klimaschutz dagegen hat das Abkommen nicht vorangebracht – ganz im Gegenteil: Seit 1990 sind allein die Emissionen von Kohlendioxid weltweit um zwei Drittel gestiegen.

Das Kyoto-Protokoll läuft zudem Ende Dezember aus – und die Gefahr, dass alles für die Katz war und es kaum einen Nachfolger geben wird, ist größer denn je. Daher war schon vor den Bonner Zwischenverhandlungen klar: Das Kyoto-Protokoll soll übergangsweise verlängert werden und bis 2020 ein Klimavertrag in Kraft treten, der zumindest alle wichtigen Treibhausgas-Emittenten einbezieht. Bis 2015 soll das neue Abkommen erarbeitet sein.

Die Verlängerung des Kyoto-Protokolls ist eine Notlösung – schließlich haben die Staaten bereits jahrelang erfolglos um ein neues umfassendes Klimaabkommen gerungen. Und auch jetzt gibt es Streit. Erstens darüber, ob das Protokoll fünf oder acht Jahre verlängert werden soll, und zweitens darüber, wer künftig wie viele Emissionen einsparen soll.

Zudem möchten nicht mehr alle Kyoto-Staaten weiter mitmachen. Nachdem Kanada schon im vergangenen Jahr den Rückzug angetreten hat, sind jetzt auch Russland und Japan möglicherweise nicht mehr dabei. Die USA hatten das Kyoto-Protokoll gar nicht erst ratifiziert.

Allerdings sinkt die Bedeutung der vermeintlichen Klimaschutz-Vorreiter ohnehin, da sie längst nicht mehr die größten Treibhausgas-Emittenten sind (Grafik): Entwicklung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen

Selbst wenn sich alle bisherigen Kyoto-Staaten entscheiden, weiterhin CO2 zu sparen, kommt diese Ländergruppe bis 2050 nicht einmal mehr auf ein Drittel des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes.

Der Großteil entfällt dann auf die aufstrebenden Länder Brasilien, Indien, Indonesien, China und Südafrika. Für diese Entwicklung ist vor allem der steigende Energiebedarf verantwortlich – bis 2035 wird er weltweit um etwa ein Drittel zulegen. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass künftig die Dynamik der Energiemärkte zu 90 Prozent von Schwellen- und Entwicklungsländern bestimmt wird.

Doch inwiefern sich diese schnell wachsenden Nationen zu Klimaschutzzielen verpflichten lassen, bleibt auch nach zwei Wochen Verhandlungen in Bonn wieder mal unklar.

Und last but not least könnte sich die globale ökologische Bilanz auch dadurch weiter verschlechtern, dass die Produktion emissionsintensiver Güter in Länder ohne Klimaschutzmaßnahmen verlagert wird. Werden diese Waren dann auch noch über weite Strecken wieder importiert, ist dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen worden.

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