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Ein Preis spielt verrückt

Spätestens seit Saudi-Arabien und Iran ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben, ist klar: Der Konflikt zwischen den erdölreichsten Ländern am Persischen Golf spitzt sich zu. Normalerweise müsste der Ölpreis deshalb explodieren – tatsächlich geschieht genau das Gegenteil.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Ölpreis ist so niedrig wie zuletzt vor zwölf Jahren.
  • Niemand muss sich Gedanken um die Versorgungssicherheit machen - denn die OPEC kann eine Verknappung der Fördermengen derzeit nicht durchsetzen.
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Mitte Januar fiel der Ölpreis der Sorte Brent auf unter 30 Dollar je Barrel – und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Dies ist zunächst einmal erstaunlich angesichts der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten: Saudi-Arabien und Iran, die sich seit der Hinrichtung von 47 Gefangenen in Saudi-Arabien im offenen Konflikt befinden, halten mit nahezu 60 Milliarden Tonnen rund ein Viertel der weltweiten Rohölreserven.

In Europa und vor allem in Deutschland spielen die beiden Staaten als Öllieferanten – anders als Russland oder Norwegen – jedoch nur eine Nebenrolle (Grafik). Seitdem die EU 2012 ein erst vor kurzem aufgehobenes Ölembargo gegen Iran verhängt hatte, durfte Teheran kein Rohöl mehr nach Europa verkaufen.

Aus Saudi-Arabien kommen heute knapp 2 Prozent der deutschen und 8 Prozent der EU-Ölimporte.

Dass sich trotz des Konflikts am Persischen Golf niemand ernsthaft Sorgen um die Ölversorgung macht, liegt vor allem am relativ großen Angebot. Mithilfe des Frackings haben sich die USA zum größten Erdölproduzenten gemausert. Die Weltölreserven wurden 2014 im Vergleich zu 2008 um ein Viertel nach oben korrigiert. Das Resultat: Seit Mitte 2014 befindet sich der Ölpreis im nahezu freien Fall.

Früher hätte die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, zu der auch Iran und Saudi-Arabien gehören, in dieser Situation einfach die Fördermengen gekürzt, um die Preise zu stabilisieren. Stattdessen versucht vor allem Saudi-Arabien, Konkurrenten durch Niedrigpreise aus dem Markt zu drängen. Die Saudis fördern ihr Öl konkurrenzlos günstig und haben genug Finanzreserven, um vorübergehende Haushaltsdefizite auszugleichen.

Andere OPEC-Länder sind dagegen stark an einer Stabilisierung der Ölpreise interessiert. Der Iran beispielsweise müsste 70 Dollar je Barrel erzielen, um einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu haben. Angesichts dessen machen die Streitigkeiten am Persischen Golf eine Einigung innerhalb der OPEC eher unwahrscheinlich.

Ein anderer neuralgischer Punkt ist die Meerenge von Hormus, an der sich die beiden Streithähne gegen­überstehen. Über diese Route werden jeden Tag rund 17 Millionen Barrel Öl verschifft – das sind mehr als ein Fünftel des weltweiten Rohölhandels. Da Alternativrouten rar sind, kann man jedoch davon ausgehen, dass die größten Volkswirtschaften der Welt die Straße von Hormus notfalls sogar militärisch freihalten würden.

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