Vermögensverteilung Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Ein Haus, eine Firma, aber kaum Cash

Um zu den 10 Prozent der Erwachsenen mit dem größten Vermögen zu gehören, braucht es in Deutschland nicht allzu viel – schon ab 260.000 Euro ist man dabei. Das schaffen vor allem Ältere, die Immobilien und Betriebsvermögen besitzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Um zu den 10 Prozent der Erwachsenen mit dem größten Vermögen zu gehören, braucht es in Deutschland nicht allzu viel – schon ab 260.000 Euro ist man dabei.
  • Über 60 Prozent des gesamten Bruttovermögens sind in Immobilien angelegt, das Eigenheim ist die mit Abstand wichtigste Komponente.
  • Im Durchschnitt haben die Vermögenden in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro an Fondsanteilen sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien.
Zur detaillierten Fassung

Die (vermögens-)reichsten 10 Prozent der Bevölkerung besitzen mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens – so stand es im Armuts- und Reichtumsbericht, den die Bundesregierung im Jahr 2013 veröffentlicht hat. Seitdem reißt die Diskussion über die Vermögensverteilung in der Bundes­republik nicht ab. Doch erst ein genauer Blick in eine Haushaltsbefragung der Europäischen Zentralbank zeigt, wer wie viel hat – und hält so manche Überraschung parat (Kasten).

  1. Die Vermögenden. Im Jahr 2010 gehörte ein Bundesbürger schon mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Im Schnitt kommt diese Gruppe auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsenen, in der Gesamtbevölkerung sind es 115.000 Euro. Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur 1 Prozent der Erwachsenen.

Vermögen und Einkommen gehen oft Hand in Hand: Knapp 40 Prozent des vermögensstärksten Zehntels gehören gleichzeitig zum einkommensreichsten Zehntel. Umgekehrt zählen immerhin fast 15 Prozent der Vermögensreichen sogar zur einkommensärmeren Hälfte der Bevölkerung.

Dass reich sein in Deutschland oft das Ergebnis eines Lebenswerks ist, zeigt ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden:

Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sind sogar schon in Rente.

Neben dem Alter spielt vor allem der berufliche Status eine Rolle. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung (Grafik). Dies ist nicht überraschend, weil Selbstständige in der Regel mehr ansparen als Arbeitnehmer, da sie meist selbst fürs Alter vorsorgen müssen. Die Anwartschaften der Arbeitnehmer gegenüber der Rentenversicherung sind in den Vermögensstatistiken übrigens nicht berücksichtigt.

  1. Das Vermögen. Immobilien sind die bedeutendste Vermögenskomponente in Deutschland (Grafik):

Über 60 Prozent des gesamten Bruttovermögens sind in Immobilien angelegt, das Eigenheim ist die mit Abstand wichtigste Komponente.

Fast 90 Prozent des reichsten Zehntels wohnen im Eigenheim, im Bundesdurchschnitt sind es nur halb so viele.

Eines aber haben alle gemeinsam: In jeweils 45 Prozent der Fälle sind die eigenen vier Wände gekauft worden und je 30 Prozent haben (selbst) gebaut. Der Rest hat das Eigenheim geerbt oder geschenkt bekommen.

Der überdurchschnittlich hohe Anteil von Selbstständigen in der Gruppe der Reichen spiegelt sich auch im Vermögensportfolio wider: Ein Fünftel der Vermögen des oberen Zehntels ist Betriebsvermögen. Anders gerechnet: Während in der Gesamtbevölkerung nur gut jeder zehnte Haushalt finanziell an einem privaten Betrieb beteiligt ist, sind es von den Vermögensstärksten knapp 30 Prozent.

Dass die Reichen wie Dagobert Duck förmlich im Geld schwimmen, trifft allerdings eher selten zu. Denn tatsächlich macht das Finanzvermögen im Portfolio der Vermögensreichen mit knapp 19 Prozent nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus – das ist weniger als in der Gesamtbevölkerung, die im Durchschnitt auf 23 Prozent kommt. Auch in absoluten Zahlen hält sich das Finanzvermögen der Reichen in überschaubaren Grenzen:

Im Durchschnitt haben die Vermögenden in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro an Fondsanteilen sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien.

Rechnet man alle geerbten Vermögen zusammen, dann gehen bei den Reichen 15,7 Prozent der gesamten Vermögen auf Erbschaften und Schenkungen zurück – dieser Anteil liegt nur geringfügig höher als beim Rest der Bevölkerung: 13,9 Prozent.

  1. Die Schulden. Nur 5,8 Prozent des gesamten Bruttovermögens der Vermögensreichen sind mit Hypotheken oder anderen Krediten belastet. Dies passt auch zur Altersstruktur der Vermögenden: Da das Gros bereits über 50 Jahre alt ist und vier von zehn sogar schon im Rentenalter sind, ist ein Großteil der Schulden vermutlich bereits abgebaut. Beim deutlich jüngeren Rest der Erwachsenen liegt die Schuldenquote mit 12,2 Prozent noch wesentlich höher.

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