Zuwanderung Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Ein Gewinn für Deutschland

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nach Deutschland kommen und hier arbeiten, tragen nicht nur dazu bei, die Fachkräftelücke zu verkleinern. Sie stabilisieren auch die öffentlichen Haushalte.

Kernaussagen in Kürze:
  • Zuwanderer nach Deutschland verkleinern die Fachkräftelücke und stabilisieren die öffentlichen Haushalte.
  • Rund 29 Prozent der in den 2000er Jahren Zugewanderten verfügen über einen akademischen Abschluss.
  • Zuwanderung ist kein Selbstläufer, die Politik muss die Weichen entsprechend stellen.
Zur detaillierten Fassung

Nach dem jüngsten Migrationsbericht der Bundesregierung hat sich Deutschland zunehmend für Menschen aus dem Ausland geöffnet. Wanderten im Krisenjahr 2009 noch mehr Menschen aus als zu, wendete sich danach das Blatt komplett: Im Jahr 2012 kamen rund 370.000 Personen mehr nach Deutschland als das Land verließen; 2013 dürfte die Nettozuwanderung bei mehr als 400.000 Personen gelegen haben.

Viele Neuzuwanderer haben eine sehr gute Ausbildung:

Rund 29 Prozent der in den 2000er Jahren Zugewanderten verfügen über einen akademischen Abschluss.

Das gilt auch – wenngleich etwas abgeschwächt – für Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, die häufig als „Sozialtouristen“ (das Unwort des Jahres 2013) bezeichnet werden. Immerhin jeder vierte erwachsene Zuwanderer aus Südosteuropa ist Akademiker. In der Gesamtbevölkerung beträgt die Akademikerquote dagegen nur 19 Prozent.

Folglich arbeiteten im Jahr 2011 bereits 23 Prozent der in den vorangegangenen zehn Jahren zugewanderten Erwerbstätigen als hochspezialisierte Fach- oder Führungskräfte (Grafik). Sie bekleideten Posten als Geschäftsführer, wissenschaftliche Lehrkräfte oder Ärzte. Bei den Neuzuwanderern aus Rumänien und Bulgarien lag dieser Hochqualifiziertenanteil bei 18 Prozent.

Überdies hat heute einer von zehn erwachsenen Neuzuwanderern einen Hochschulabschluss in einem MINT-Fach (Grafik). Diese Fachkräfte sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders knapp.

Auch medizinisches Personal und Pflegekräfte werden vermehrt nachgefragt. Entsprechend ausgebildete Zuwanderer kommen also wie gerufen – in manchem Pflegeheim oder Krankenhaus geht es ohne sie schon heute nicht mehr. So waren im Jahr 2011 knapp 6 Prozent der Ärzte Personen, die nach dem Jahr 2000 nach Deutschland zugewandert sind. Bei den Altenpflegern betrug die Quote zuletzt fast 4 Prozent.

Überdies stabilisiert Zuwanderung die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung – sofern Migranten versichert sind und mehr in die Kassen einzahlen als Leistungen empfangen. Beides ist der Fall:

  • Derzeit sind rund 42 Prozent der zugewanderten Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, bei den in Deutschland Geborenen beträgt die entsprechende Quote nur 35,5 Prozent (Grafik).
  • In der Regel wandern vor allem Jüngere zu – so war 2009 jeder dritte in den vorangegangenen zehn Jahren Zugewanderte jünger als 30 Jahre. Nur 4 Prozent waren im Rentenalter, hatten also die 65 überschritten und waren damit ein Fall für die Alterskassen.

Auch die Krankenkassen freuen sich über die Youngster – denn sie verursachen geringere Kosten als Ältere. So kostet sie ein 15- bis 29-Jähriger im Durchschnitt nicht einmal 2.000 Euro im Jahr, bei den 65- bis 84-Jährigen sind es bereits mehr als 6.000 Euro.

Ob auch weiterhin so viele junge Leute zuwandern wie bisher, ist allerdings fraglich. Denn die meisten stammen derzeit aus den ost- und südeuropäischen Ländern, in denen der demografische Wandel in den kommenden Jahren auch zu Fachkräfteengpässen führt. Dann geht dort die Arbeitslosigkeit zurück. Außerdem dürften die Löhne steigen, wodurch ebenfalls der Anreiz sinkt, nach Deutschland zu gehen.

Das heißt aber auch für uns: Zuwanderung ist kein Selbstläufer. Die Politik muss die Weichen entsprechend stellen – vor allem beim Zuwanderungsrecht. So gibt es für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten weiterhin hohe Zugangshürden. Beruflich Qualifizierte müssen bereits einen Arbeitsvertrag haben, um einreisen zu können. Dies erschwert ihnen aber die Arbeitssuche vor Ort.

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