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Ein Erfolgsmodell

Für die Wirtschaft ist sie längst zu einem unverzichtbaren Instrument geworden: Durch Zeitarbeit können Unternehmen ihre betriebliche Flexibilität wahren, Auftragsspitzen abdecken und das eigene Wachstum sichern. Auch für viele Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte bietet Zeitarbeit Perspektiven, die sie am klassischen Arbeitsmarkt nicht finden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Für die Wirtschaft ist Zeitarbeit längst zu einem unverzichtbaren Instrument geworden.
  • Zwei Drittel der 2014 neu eingestellten Zeitarbeiter hatten zuvor keinen Job.
  • Keine andere Branche stellt anteilig so viele Arbeitslose ein wie Zeitarbeitsfirmen.
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Die Zeitarbeit (Kasten) hat in Deutschland – anders als zum Beispiel in den Niederlanden und in den USA – gegen eine Reihe von Vorurteilen anzukämpfen:

Vorurteil 1: Zeitarbeit gefährdet Stammbelegschaften. Dafür gibt es keinerlei Beleg, denn die Zahlen zeigen ganz das Gegenteil: Inzwischen haben 46 Prozent der 15- bis 64-jährigen Bundesbürger eine klassische unbefristete Vollzeitstelle – vor zehn Jahren waren es erst knapp 41 Prozent (Grafik).

Im Maschinenbau ging laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau zwischen 2011 und 2013 die Zahl der Zeitarbeitnehmer um 1.000 zurück, während die Stammbelegschaft um mehr als 50.000 Köpfe wuchs.

Die Kunden der Zeitarbeitsbranche spielen also nicht die eigenen Mitarbeiter gegen andere aus – zumal sie das Spezialwissen der Zeitarbeitnehmer meist für zeitlich begrenzte Projekte benötigen.

Des Weiteren setzen vor allem Unternehmen mit Personalengpässen häufig auf Zeitarbeit, wie Untersuchungen der Bertelsmann Stiftung zeigen. Sie trauen den auf die Personalsuche spezialisierten Zeitarbeitsfirmen zu, vakante Stellen schneller zu besetzen. So bleibt zum Beispiel eine Stelle im Maschinenbau ohne den Einsatz von Zeitarbeitnehmern 117 Tage unbesetzt, mit Zeitarbeitern aber nur 108 Tage.

Vorurteil 2: Drehtüreffekt für Arbeitslose. Zwei Drittel der 2014 neu eingestellten Zeitarbeiter hatten zuvor keinen Job (Grafik). Bei jedem Zehnten lag der letzte Job länger als ein Jahr zurück.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit stellt keine andere Branche anteilig so viele Arbeitslose ein wie Zeitarbeitsfirmen.

Ein Drehtüreffekt ist bei der Zeitarbeit in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht festzustellen – schnell rein und wenig später wieder raus ist die Ausnahme. Auf lange Sicht kann der Einstieg über die Zeitarbeit also die Chancen erhöhen, in eine klassische Vollzeitbeschäftigung zu wechseln. Zeitarbeit ist damit ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt. Das gilt vor allem für Geringqualifizierte. Denn mehr als die Hälfte aller Stellen in der Branche sind Jobs, für die in der Regel keine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist. In der Gesamtwirtschaft liegt der Anteil an Hilfskräften dagegen bei nur 14 Prozent.

Beschäftigte in der Zeitarbeit sammeln durch ihren Einsatz in verschiedenen Unternehmen wichtige Praxiserfahrungen. Sie erwerben außerdem jobspezifisches Fachwissen. Das verbessert ihre langfristigen Beschäftigungsperspektiven.

Vorurteil 3: Zeitarbeitsfirmen unterlaufen Tarifverträge. Tarifverträge sichern nahezu jedes Arbeitsverhältnis in der Zeitarbeit durch Mindeststandards ab; 2012 haben die Sozialpartner zudem eine verbindliche Lohnuntergrenze festgelegt. Sind Zeitarbeitnehmer mindestens vier bis sechs Wochen in einem Betrieb eingesetzt, haben sie je nach Branche Anrecht auf Lohnzuschläge. Die Zuschläge steigen stufenweise – und erreichen in der Metall- und Elektro-Industrie sowie in der Chemie nach neun Monaten 50 Prozent.

Vorurteil 4: Zeitarbeitskräfte werden entlassen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. In der Zeitarbeitsbranche sind 87 Prozent der Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigt – über alle Branchen hinweg trifft dies nur auf drei von vier sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu.

Mehr als 80 Prozent der Zeitarbeitskräfte haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Ihr Beschäftigungsverhältnis besteht also in der Regel auch nach dem Ende eines Einsatzes weiter. Auch wenn der Arbeitgeber nicht sofort eine neue Aufgabe hat, zahlt er den Lohn fort.

Vorurteil 5: Zeitarbeitnehmer haben keine Chance auf Übernahme. Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild. Drei von vier Unternehmen nutzen laut einer 2014 veröffentlichten Umfrage des Dienstleisters Page Personnel Zeitarbeit als Rekrutierungsinstrument für das eigene Unternehmen. Einem Viertel der eingesetzten Spezialisten wurde ein Übernahmeangebot gemacht.

Die Erprobung von Arbeitskräften wird von vielen Unternehmen als Hauptargument für den Einsatz von Zeitarbeitern genannt.

Hinzu kommt: Etwa ein Drittel der bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen stammt von Zeitarbeitsfirmen – diese übernehmen somit für viele Unternehmen eine Vorauswahl der Arbeitssuchenden und machen sie über Weiterbildungen für die Kundenunternehmen noch attraktiver.

Nun will die Bundesregierung gesetzlich festlegen, dass Zeitarbeiter nach einer Frist von neun Monaten denselben Lohn wie vergleichbare Beschäftigte erhalten müssen. Sie missachtet damit nicht nur die Tarifautonomie, denn 100 Prozent der Zeitarbeitsfirmen verfügen über Tarifverträge.

Auch Hilfsarbeiter verlieren dadurch Jobchancen: Fast die Hälfte der Unternehmen, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln 2014 befragt hat, würde ihre zeitarbeitenden Helfer vor Ablauf der Neun-Monats-Frist durch andere Zeitarbeiter ersetzen, 30 Prozent würden die betroffenen Aufgabenbereiche sogar auslagern oder aufgeben.

Die Große Koalition will die Zeitarbeits-Schrumpfkur außerdem mit einer maximalen Einsatzdauer von 18 Monaten komplettieren. Das würde immerhin bis zu 20 Prozent der Zeitarbeitnehmer betreffen, die länger als 18 Monate im Einsatz sind. Den Arbeitnehmern hilft das nicht: Sie verlieren die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum von Zuschlagtarifen zu profitieren.

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