IW-Konjunkturprognose Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Dynamik ist nicht von Dauer

Viele Sondereffekte geben der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr Rückenwind – unter anderem der stark gesunkene Ölpreis und die Abwertung des Euro. Daher wird das reale Bruttoinlandsprodukt 2015 um etwa 2 ¼ Prozent wachsen. Im kommenden Jahr ist aber voraussichtlich nur noch ein Anstieg um 1 ½ Prozent drin.

Kernaussagen in Kürze:
  • Aufgrund verschiedener Sondereffekte wird das reale Bruttoinlandsprodukt 2015 um etwa 2 1/4 Prozent wachsen, 2016 ist aber voraussichtlich nur noch ein Anstieg um 1 1/2 Prozent drin.
  • Rund 43 Prozent der Unternehmen gehen für 2015 von einer steigenden Produktion aus, nur 13 Prozent erwarten einen Rückgang.
  • Gut 34 Prozent der Firmen rechnen 2015 mit einer weiter zunehmenden Beschäftigung, nicht einmal 17 Prozent befürchten einen Stellenabbau.
Zur detaillierten Fassung

Private Haushalte und Unternehmen in Deutschland haben derzeit Grund zur Freude: Der Preisrückgang beim Rohöl stärkt die Kaufkraft und steigert die globale Nachfrage nach deutschen Produkten. Die sehr niedrigen Zinsen sind ein weiterer Konsum- und Investitionsanreiz. Exportfirmen profitieren zudem davon, dass ihre Produkte im Nicht-Euroraum billiger geworden sind. Darüber hinaus lassen Maßnahmen wie die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns und der sogenannten Mütterrente die Einkommen kurzfristig steigen.

Da zugleich etwa die Ukraine-Krise oder ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone nach Einschätzung des IW Köln derzeit als Risiken zwar relevant bleiben, aber die hiesige Wirtschaft nicht nachhaltig vom Kurs abbringen, kann die Konjunktur in Deutschland 2015 kurzfristig mehr Tempo machen. Die aktuelle IW-Prognose ist denn auch deutlich optimistischer als jene vom vergangenen Herbst (vgl. iwd 40/2014).

Hierzu passen auch die Ergebnisse der jüngsten IW-Befragung von fast 3.000 Firmen (Grafik):

Rund 43 Prozent der Unternehmen gehen für 2015 von einer steigenden Produktion aus, nur 13 Prozent erwarten einen Rückgang.

Im Herbst 2014 waren lediglich 31 Prozent der befragten Firmen bezüglich der Produktionsaussichten für 2015 zuversichtlich, 21 Prozent dagegen skeptisch.

Für 2016 sind die Vorzeichen jedoch deutlich schlechter. Dann wird der Ölpreis wieder steigen und damit zieht auch die Inflation an. Zudem erhöht unter anderem der gesetzliche Mindestlohn den Lohnkostendruck. All dies führt dazu, dass sich das Wirtschaftswachstum merklich abschwächt. Einige Prognose- und Umfrageergebnisse im Detail:

Privater Konsum. Die Sondereffekte lassen die Bundesbürger in diesem Jahr so kauffreudig werden wie lange nicht mehr (Tabelle):

Der private Konsum wächst 2015 voraussichtlich um 2 ¼ Prozent – das ist der dritthöchste Wert seit 1991.

Dies bringt besonders den heimischen Dienstleistern Vorteile – sie zeigen sich in der IW-Umfrage überdurchschnittlich optimistisch.

Im Jahr 2016 ist der Konsumboom vor allem aufgrund der erwarteten Preissteigerungen jedoch wieder vorbei – die privaten Haushalte dürften ihre Ausgaben dann real allenfalls um 1 ½ Prozent erhöhen.

Beschäftigung. Obwohl der deutsche Arbeitsmarkt bereits in ausgesprochen guter Verfassung ist, geht es dieses Jahr nicht zuletzt aufgrund der positiven Konsum­entwicklung wohl nochmals aufwärts:

Gut 34 Prozent der Firmen rechnen 2015 mit einer weiter steigenden Beschäftigung – nicht einmal 17 Prozent befürchten einen Stellenabbau.

So ist der Saldo aus positiven und negativen Meldungen gegenüber der Herbst-Umfrage 2014 von 2 auf fast 18 Prozentpunkte gestiegen.

Die IW-Prognose beziffert das Beschäftigungsplus für das laufende Jahr auf gut ¾ Prozent, für 2016 aber nur noch auf ½ Prozent. Gründe für den geringeren Zuwachs sind die allgemeine Konjunkturabschwächung und speziell im Dienstleis­tungssektor der kostensteigernde Einfluss des Mindestlohns.

Außenhandel. Neben der Euro-Abwertung hellt auch die leichte Expansion der Weltwirtschaft die deutschen Export-Perspektiven auf:

In preisbereinigter Rechnung werden die Exporte 2015 nach heutigem Stand um 5 ¼ Prozent wachsen – im vergangenen Herbst schien nur ein Plus von 4 Prozent realistisch.

Jedes dritte Unternehmen kalkuliert inzwischen für 2015 mit steigenden Ausfuhren, nur knapp jedes achte rechnet mit einem Rückgang. Besonders zuversichtlich sind die Hersteller von Investitionsgütern.

Investitionen. Dass die Wirtschaft 2016 wieder langsamer wächst, liegt nicht zuletzt an der fehlenden Zugkraft der Investitionen. Sie können die Abschwächung des Konsums nicht kompensieren. Mit 4 Prozent in diesem Jahr und 3 ½ Prozent im Jahr 2016 legen die Ausrüstungs­investitionen nur moderat zu.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch, dass die Firmen durch die Krisen der vergangenen Jahre verunsichert sind und die Wirtschaftspolitik einen wenig investitionsfreundlichen Kurs fährt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de