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Duale Lücken

Weil Schulpolitik Ländersache ist, ist auch die Berufsschulpflicht von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Um allen Azubis dasselbe Ausbildungsniveau zu garantieren, sollten allerdings einheitliche Standards für ganz Deutschland geschaffen werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Weil Schulpolitik Ländersache ist, ist auch die Berufsschulpflicht von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.
  • Die konsequente Kombination von Theorie und Praxis ist es, was die Berufsausbildung in Deutschland auszeichnet.
  • Im Jahr 1993 traten Jugendliche ihre Ausbildung mit durchschnittlich 18,5 Jahren an – 2011 waren sie bereits 20 Jahre alt.
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Die konsequente Kombination von Theorie und Praxis ist es, was die Berufsausbildung in Deutschland auszeichnet. Ein Bäckerlehrling zum Beispiel lernt die praktische Seite seines Handwerks – das Backen und alles, was dazugehört – im Betrieb, während er die theoretischen Grundlagen wie Kostenkalkulation in der Berufsschule vermittelt bekommt. So sollte es zumindest sein – doch längst nicht alle Auszubildenden in Deutschland besuchen eine Berufsschule.

Die allgemeine Schulpflicht endet je nach Bundesland nach einer bestimmten Zahl von Schuljahren oder mit dem Erreichen der Volljährigkeit. Bei der Berufsschulpflicht gibt es ebenfalls Unterschiede – in einigen Ländern ist die Berufsschulpflicht altersunabhängig geregelt, in anderen ist sie an das Erreichen von Altersgrenzen gebunden (Tableau).

Die Altersregelung stammt noch aus einer Zeit, in der man davon ausging, dass beispielsweise Abiturienten aufgrund ihres höheren Alters, ihrer höheren Allgemeinbildung und Reife im Rahmen ihrer Berufsausbildung nicht zwingend eine Berufsschule besuchen müssen.

Das Durchschnittsalter von Ausbildungsanfängern hat sich im Laufe der Zeit jedoch stark verändert. Während vor zwei Jahrzehnten viele Schulabgänger direkt nach der Hauptschule in die Lehre starteten, sind die heutigen Azubis zu Beginn ihrer Ausbildung deutlich älter:

Im Jahr 1993 traten Jugendliche ihre Ausbildung mit durchschnittlich 18,5 Jahren an – 2011 waren sie bereits 20 Jahre alt.

Knapp 30 Prozent der Ausbildungsanfänger des Jahres 2011 hatten schon das 21. Lebensjahr vollendet, von denjenigen mit ausländischer Staatsbürgerschaft waren sogar mehr als 34 Prozent 21 Jahre und älter. Vor allem für diese Gruppe, die beispielsweise auch mit dem Förderprogramm MobiPro-EU gezielt angesprochen wird, spielt der Besuch der Berufsschule eine wichtige Rolle, da er nicht nur die nötigen Fachkenntnisse vermittelt, sondern auch der Sprachförderung und Integration dient.

Auch für Jugendliche mit Förderbedarf oder Azubis, die nach einer abgebrochenen Ausbildung einen zweiten Anlauf im dualen Ausbildungssystem nehmen, ist der Besuch der Berufsschule elementar. Die Absurdität der uneinheitlichen Berufsschulpflicht zeigt sich insbesondere an den Azubis, die mobil sind: Allein im Jahr 2012 gab es in Nordrhein-Westfalen mehr als 3.100 Auszubildende, die zu einem Ausbildungsbetrieb nach Niedersachsen pendelten, wo – im Gegensatz zu ihrem Wohnort – alle Azubis unabhängig vom Alter eine Berufsschule besuchen müssen.

Die uneinheitlichen Regelungen sind nicht nur für die Betriebe unbefriedigend, sondern auch für die jungen Leute, die einen Beruf erlernen wollen. Damit alle Azubis die gleichen Startchancen erhalten, sollte die Berufsschulpflicht in Deutschland vereinheitlicht werden.

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