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Digitalisierung: Viele Unternehmen fremdeln noch

Für viele Unternehmen aus bestimmten Branchen ist der Einsatz digitaler Technik noch kein Thema – obwohl sie zahlreiche Chancen bietet, mit der demografischen Entwicklung umzugehen.

Kernaussagen in Kürze:
  • In einigen Branchen sehen die Hälfte aller Unternehmen die eigene Digitalisierung als unnötig an.
  • Ein großer Hindernisgrund dürften die Kosten sein. Die Investitionsbereitschaft lässt sich durch schnelleren Breitbandausbau, digitale Verwaltungen und besseren Datenschutz erhöhen.
  • Neben der nötigen Technik ist es wichtig, dass die digitalen Kompetenzen jedes Einzelnen gestärkt werden.
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Sprachnachrichten mit WhatsApp versenden, Routen googeln oder den Sommerurlaub online buchen: Im Privatleben ist digitale Technik oft präsent. Ganz anders sieht es bei der umfassenden Digitalisierung deutscher Unternehmen aus – viele Betriebe finden die Einführung digitaler Technik nicht wichtig (Grafik):

Von den Verkehrsbetrieben, den Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung sowie des Gesundheitswesens gibt jeweils die Hälfte an, dass Digitalisierung für sie nicht notwendig sei.

Angesichts der demografischen Entwicklung ist dies fatal – schließlich ermöglicht die Digitalisierung einen deutlichen Anstieg der Arbeitsproduktivität. Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Unternehmen die Digitalisierung nicht vorantreiben, dürften die hohen Kosten sein: Die Vernetzung von Produkten und Prozessen erfordert schließlich beträchtliche Investitionen. Würde beispielsweise die gesamte deutsche Industrie auf Industrie 4.0 umstellen – also die Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik verzahnen –, wären dafür mehr als 40 Milliarden Euro jährlich erforderlich.

Viele Firmen scheuen die Digitalisierung. Es gilt, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Betriebe bereit sind, zu investieren.

Doch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen lässt sich erhöhen – mithilfe dieser Maßnahmen:

  1. Die Digitalisierung ist für einen Betrieb nur sinnvoll, wenn die dafür notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Deshalb muss der Breitbandausbau vorangetrieben werden, insbesondere in ländlichen Regionen.
  1. Nötig ist auch eine zügigere Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, wobei insbesondere die Vernetzung von Behörden verbessert werden muss. Denn nur dann können Unternehmen – und natürlich auch Privatpersonen – ihre Behördenkontakte digital organisieren, was Zeit und Geld spart.
  1. Weil viele Unternehmen Sicherheitsmängel als Digitalisierungshemmnis nennen, müssen die IT-Sicherheit erhöht sowie der Datenschutz gesichert werden. So muss etwa die Europäische Datenschutz-Grundverordnung in Deutschland zügig umgesetzt werden, um Rechtsunsicherheiten abzubauen.

Darüber hinaus sollten die digitalen Kompetenzen jedes Einzelnen gestärkt werden. Das beginnt in Kindergarten und Schule, wo neben einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur auch in die Aus- und Fortbildung der Lehrer investiert werden muss, um Kinder und Jugendliche mit der nötigen digitalen Medienkompetenz auszustatten. Auch in der Aus- und Weiterbildung sowie an den Hochschulen werden digitale Lern- und Medienformate noch zu selten genutzt.

Die Unternehmen selbst können ebenfalls etwas dafür tun, damit Mitarbeiter in einem digitalisierten Umfeld Wissen aufbauen und weitergeben: indem sie eine lernförderliche Arbeitsumgebung mit Wissenstransfersystemen schaffen, altersgemischte Teams bilden und eine gute Zeitpolitik anbieten. Schließlich ermöglicht die Digitalisierung der Arbeitswelt neue Gestaltungsfreiräume: Noch nie konnten Arbeitnehmer bei der Planung ihrer Arbeitszeit familiäre und private Belange in dem Ausmaß berücksichtigen wie heute. Gut möglich, dass im Jahr 2035 so mancher Angestellte nur noch zum jährlichen Betriebsfest auf dem Firmengelände aufschlägt.

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