Digitale Ökonomie Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Digitalisierung: Gemeinsame Sprache gesucht

Die digitale Ökonomie ist undenkbar ohne eine einheitliche Sprache, in der Mensch und Maschine miteinander kommunizieren können. Aus dieser Erkenntnis ziehen allerdings noch längst nicht alle Unternehmen in Deutschland die nötigen Konsequenzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Zeitalter der Digitalisierung sind Standards von enormer Bedeutung, um die Verknüpfung von Wertschöpfungsketten über Unternehmensgrenzen hinweg zu erleichtern.
  • Die Befragung von rund 1.200 Unternehmen im Rahmen des IW-Zukunftspanels zeigt, dass rund 85 Prozent der Unternehmen Standards einführen, weil ihre Kunden dies fordern.
  • Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die Standards als wichtig erachten, haben in den vergangenen zwei Jahren trotzdem keine eingeführt.
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Ohne Standards, also ohne eine möglichst einheitliche Art und Weise, etwas durchzuführen, wäre das (Geschäfts-)Leben von heute nahezu unmöglich.

In der Logistik zum Beispiel gibt es weltweit einheitliche oder zumindest kompatible Container: Deren Ausmaß sowie ihr Material sind in Standards festgelegt, sodass die Container problemlos per Lkw, Zug, Schiff und Flugzeug transportiert werden können. Wäre das nicht so, gäbe es bei Transport und Lagerung ein heilloses Durcheinander.

Im Zeitalter der Digitalisierung gewinnen Standards sogar noch an Bedeutung. Denn die zunehmende Vernetzung basiert auf einer gemeinsamen Sprache; sie ermöglicht und erleichtert die Verknüpfung von Wertschöpfungsketten über Unternehmensgrenzen hinweg.

Im Zeitalter der Digitalisierung sind Standards von großer Bedeutung, doch viele deutsche Unternehmen scheuen sich, diese einzuführen.

Das spart langfristig Kosten – was wiederum für gut drei Viertel der Unternehmen ein Grund ist, Standards einzuführen. Wie die Befragung von rund 1.200 Unternehmen im Rahmen des IW-Zukunftspanels 2016 zeigt, gibt es aber ein noch wichtigeres Motiv (Grafik):

Rund 85 Prozent der Industriefirmen und industrienahen Dienstleister führen Standards ein, weil ihre Kunden dies fordern.

Zwar ist generell unbestritten, dass Standards heute eine entscheidende Rolle spielen: 85 Prozent der Unternehmen finden sie für ihre Digitalisierung wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen:

Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die Standards als wichtig erachten, haben in den vergangenen zwei Jahren trotzdem keine eingeführt.

Die Gründe dafür: Manche Unternehmen wissen nichts über die Kosten und den Nutzen. Andere sind sich nicht sicher, in welche Standards sie investieren sollen, weil nicht klar ist, welche sich langfristig durchsetzen werden. Oder sie verzichten darauf, weil ihre Kunden und Lieferanten keine Standards nutzen.

Als Faustregel gilt: Unternehmen, die ihre Strategie stark auf die Digitalisierung ausrichten, setzen eher Standards ein als jene, für die die Digitalisierung keine große Rolle spielt. Daraus erwächst ein Henne-­Ei-Problem: Die fehlende Digitalisierung behindert den Einsatz von Standards – und der spärliche Einsatz von Standards verlangsamt die digitale Transformation. Da es zur Digitalisierung keine Alternative gibt, muss die Politik internationale Standards fördern und vor allem kleinere Unternehmen bei deren Einführung unterstützen.

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