Forschung und Entwicklung Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Wirtschaft guckt in die Röhre

Die deutsche Wirtschaft investiert so viel Geld wie nie zuvor in Forschung und Entwicklung. Doch um zur internationalen Technologiespitze aufschließen zu können, fehlt es den Unternehmen an Unterstützung. Nicht zuletzt verzichtet die öffentliche Hand – im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern – auf eine steuerliche Förderung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche Wirtschaft hat 2014 die Rekordsumme von 57 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung gesteckt.
  • Der Staat investiert hierzulande nur 0,08 Prozent der Wirtschaftsleistung in die FuE-Aktivitäten der Wirtschaft.
  • In der Bundesrepublik gibt es - anders als etwa in Österreich - keine steuerliche Forschungsförderung.
Zur detaillierten Fassung

Ob neue Diabetes-Medikamente oder autonome Autos – Innovationen fallen nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis jahrelangen Ausprobierens, Verwerfens und Weitersuchens. Während der Staat ein Drittel der Forschungsaufwendungen in Deutschland stemmt, stammen rund zwei Drittel von den Unternehmen.

Laut Stifterverband hat die deutsche Wirtschaft im Jahr 2014 die Rekordsumme von 57 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung (FuE) gesteckt – 6,4 Prozent mehr als 2013.

Weitere 16 Milliarden Euro flossen in die externe Auftragsforschung, das ist doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Einen Spitzenwert erreichte auch die Zahl der Forscher: Die deutschen Unternehmen beschäftigen umgerechnet rund 372.000 Vollzeit-Tüftler.

In Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) belaufen sich die FuE-Aufwendungen der deutschen Wirtschaft auf 1,9 Prozent. Das ist deutlich mehr als der Mittelwert der EU-Länder, die auf 1,2 Prozent kommen. Die Forschungsstärke Deutschlands schlägt sich unter anderem in den Patentstatistiken nieder: Nur die USA und Japan haben 2014 mehr Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt eingereicht als die Bundesrepublik.

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen läuft am Forschungsstandort Deutschland längst nicht alles rund:

Statt sich mit dem Durchschnitt zu vergleichen, sollte sich die Bundesrepublik besser an den relevanten Konkurrenten im Technologiebereich orientieren.

In Südkorea, Japan und Finnland zum Beispiel investieren die Betriebe deutlich mehr in die Entwicklung neuer Technologien und Produkte als die deutsche Wirtschaft.

Die größte Volkswirtschaft Europas ist auch deshalb im Rückstand, weil die Unternehmen bei ihren Forschungsaktivitäten deutlich weniger gefördert werden als die Konkurrenz in anderen Ländern. So konzentriert sich die staatliche Forschungsförderung in Deutschland zunehmend auf den Wissenschaftssektor – also auf Hochschulen, außeruniversitäre Forschungsinstitute und bundeseigene Forschungseinrichtungen. Während hier seit einigen Jahren mit der „Exzellenzinitiative“ und dem „Pakt für Forschung und Innovation“ etliche Milliarden Euro zusätzlich investiert werden, koppelt sich die öffentliche Forschungsförderung von der Wirtschaft mehr und mehr ab (Grafik):

Seit 1981 ist der Finanzierungsanteil des Staates an den FuE-Aufwendungen der Wirtschaft drastisch gesunken – von fast 17 Prozent auf zuletzt nur noch rund 4 Prozent.

Damit steuert die öffentliche Hand in Deutschland nur noch jeden dreiundzwanzigsten Forschungseuro zu den entsprechenden Investitionen der Wirtschaft bei.

Auch im Vergleich zum Ausland ist die staatliche Unterstützung hierzulande recht bescheiden (Grafik):

In Deutschland investiert der Staat nur 0,08 Prozent der Wirtschaftsleis­tung in die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Wirtschaft, in Japan ist es doppelt so viel, in den USA sogar dreimal so viel.

Dabei zeigt sich, dass die Forschungsintensität der Wirtschaft in jenen Ländern besonders hoch ausfällt, in denen auch die staatliche Unterstützung der Unternehmen bei ihren FuE-Aktivitäten hoch ist.

Wie groß der positive Einfluss des Staates auf die FuE-Investitionen der Wirtschaft sein kann, zeigt sich auch an der steuerlichen Forschungsförderung. Während Deutschland auf jegliche Art dieser Förderung verzichtet – obwohl sie in diversen Koalitionsverträgen der jüngeren Vergangenheit vereinbart wurde –, hat Österreich vorgemacht, dass es auch anders geht. Im Jahr 2000 hat Wien eine umfangreiche steuerliche Forschungsförderung für Unternehmen eingeführt – mittlerweile ist die FuE-Intensität der Wirtschaft von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf gut 2 Prozent im Jahr 2013 gestiegen.

Damit forscht die österreichische Wirtschaft inzwischen intensiver als die deutschen Unternehmen, die ihre FuE-Aktivitäten im selben Zeitraum gerade einmal von knapp 1,7 auf jetzt 1,9 Prozent des BIP steigern konnten. Zudem hat Österreich auch sonst keine finanziellen Mühen gescheut, um seine forschenden Firmen zu unterstützen: Der gesamte Finanzierungsanteil des Staates an den FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors hat sich von 5,6 Prozent im Jahr 2000 auf 13,3 Prozent im Jahr 2013 mehr als verdoppelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de