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Die Wiederbelebung der Industrie

Regionale Zusammenschlüsse von Unternehmen verwandter Branchen – sogenannte Clus­ter – greifen auf einen gemeinsamen Pool von Arbeitskräften zu, treiben Innovationen voran und beliefern sich gegenseitig. Diese Verbünde funktionieren in Deutschland sehr gut – und sollen jetzt die europäische Industrie ankurbeln.

Kernaussagen in Kürze:
  • Regionale Zusammenschlüsse von Unternehmen verwandter Branchen – sogenannte Cluster – greifen auf einen gemeinsamen Pool von Arbeitskräften zu, treiben Innovationen voran und beliefern sich gegenseitig.
  • Rund 23 Prozent der deutschen Wertschöpfung erwirtschaftet die Industrie – im industriestarken Baden-Württemberg sind es sogar mehr als 30 Prozent.
  • Die Industrie-Verbünde funktionieren in Deutschland sehr gut und sollen jetzt die europäische Industrie ankurbeln.
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Die Europäische Kommission will mit ihrer Strategie "Europa 2020“ den Industrieanteil an der gesamten Bruttowertschöpfung der Union steigern – in den kommenden sieben Jahre von derzeit 16 auf 20 Prozent. Deutschland übertrifft dieses Ziel bereits (vgl. iwd 19/2013):

Rund 23 Prozent der deutschen Wertschöpfung erwirtschaftet die Industrie – im industriestarken Baden-Württemberg sind es sogar mehr als 30 Prozent.

Betrachtet man allerdings die regionale Verteilung der wichtigsten industriellen Wirtschaftszweige in der EU, dann gibt es nur wenig Hoffnung, dass sich aus den vorhandenen Clustern heraus eine Wiederbelebung der europäischen Industrie schaffen lässt.

Es gibt vier industrielle Kernbereiche: 1. Metallerzeugung, -verarbeitung und Maschinenbau, 2. Autoindustrie sowie Luft- und Raumfahrtindustrie, 3. Elektroindustrie, IT und Softwareentwicklung und 4. Chemieindustrie, Pharmaindustrie und Biotechnologie. In diesen Kernbereichen sind die großen Cluster – gemessen an der Beschäftigung – nahezu ausschließlich in Deutschland angesiedelt (Grafik). Hinzu kommen nur noch die Schweiz und Norditalien; in der Metall- und Autoindustrie auch noch Tschechien.

Zwar gibt es einzelne Cluster in Randregionen wie die Chemieindus­trie in Nordspanien. Doch weite Teile Europas sind fast deindustrialisiert. Selbst die klassischen Industrieländer Großbritannien und Frankreich verfügen nur noch über wenige Cluster, zum Beispiel die Standorte der Luft- und Raumfahrtindustrie im Raum Paris und im südfranzösischen Toulouse sowie die IT-Branche im Großraum London.

Da neue Branchencluster nur selten in bislang industrieschwachen Gebieten entstehen, erscheint es fraglich, ob die Europäische Union ihr Ziel über eine Clusterpolitik erreichen kann – beispielsweise durch die Förderung von Unternehmensnetzwerken und Forschungskooperationen. Wichtiger sind bessere Rahmenbedingungen für den Industriesektor insgesamt – etwa in der Energie- und Umweltpolitik, der Ausbildung der knappen MINT-Fachkräfte und bei den Genehmigungen neuer Anlagen.

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