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Die Teilzeitlüge

Häufig wird Teilzeitbeschäftigung als nicht vollwertige oder sogar als prekäre Erwerbsform charakterisiert. Außerdem wird unterstellt, dass Teilzeitbeschäftigte eigentlich lieber Vollzeit arbeiten würden – dabei stimmt das gar nicht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nahezu 15 Millionen Menschen arbeiteten 2014 in Deutschland in Teilzeit.
  • Die meisten von ihnen - 69 Prozent - sind mit ihrem Arbeitszeitniveau zufrieden.
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Nahezu 15 Millionen Menschen arbeiteten im vergangenen Jahr in Deutschland in Teilzeit, schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Das heißt, dass fast 39 Prozent aller Arbeitnehmer einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. Vor allem Frauen arbeiten in Teilzeit: Vier von fünf Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. Insgesamt liegt die Teilzeitquote von Frauen bei 46 Prozent.

Die Bedeutung von Teilzeit als Alternative zum Vollzeitjob ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen: Zu Beginn der 1990er Jahre war die Teilzeitquote mit 18 bis 20 Prozent nur halb so hoch wie heute. Im Laufe der Jahre sind dabei aber keine Vollzeitstellen in Teilzeitstellen umgewandelt worden, sondern es kamen neue Teilzeitstellen hinzu, die es zuvor nicht gab. Dennoch bereitet die Expansion der Teilzeit so manchem Unbehagen. Vielfach wird unterstellt, dass Teilzeit grundsätzlich unfreiwillig sei. Vor allem Frauen werde so der Zugang zu existenzsichernden Arbeitsplätzen verwehrt, heißt es.

Tatsächlich gibt es für diese Sicht der Dinge keine belastbaren Belege. Der Mikrozensus, eine regelmäßige Befragung von 1 Prozent der bundesdeutschen Haushalte, will von den Beschäftigten unter anderem wissen, warum sie in Teilzeit arbeiten. Das Resultat:

Lediglich 16 Prozent der Teilzeitbeschäftigten gaben 2012 an, keinen Vollzeitjob gefunden zu haben – ein Befund, der in derselben Größenordnung auch schon vor zehn Jahren galt.

Von den Frauen sind in der jüngsten Mikrozensus-Befragung sogar nur 14 Prozent aus ökonomischen Gründen unfreiwillig teilzeitbeschäftigt. Hingegen macht rund die Hälfte der Frauen persönliche oder familiäre Verpflichtungen für ihren Teilzeitjob geltend. Überwiegend dürfte es sich dabei um die Betreuung von Kindern handeln – wobei hierbei durchaus auch Unfreiwilligkeit eine Rolle spielen kann, etwa wenn es an Kinderbetreuung mangelt.

Allerdings gibt es auch Teilzeitbeschäftigte, darunter viele Minijobber, die gerne mehr arbeiten würden als zurzeit. Aber die wenigsten von ihnen wollen deshalb gleich auf eine Vollzeitstelle wechseln (Grafik):

Gerade einmal 14 Prozent der geringfügig Beschäftigten und der Teilzeiter wollen auf Vollzeitniveau aufstocken; immerhin 22 Prozent streben so viele Mehrstunden an, dass sie damit in eine höhere Arbeitszeitkategorie rutschen.

Die meisten – 69 Prozent – sind mit ihrem Arbeitszeitniveau einigermaßen zufrieden. Und 8 Prozent der Teilzeitbeschäftigten, die mindestens 13 Stunden die Woche arbeiten, wünschen sich sogar eine deutliche Arbeitszeitreduzierung.

Über einen längeren Zeitraum hinweg gelingt es vielen Teilzeitbeschäftigten offensichtlich auch, ihre Wünsche nach kürzeren oder längeren Arbeitszeiten zu realisieren. Von allen Teilzeitern, die 2010 mindestens drei Stunden die Woche mehr arbeiten wollten, meldeten ein Jahr später nur noch 54 Prozent ein solches Bedürfnis an. Ein weiteres Jahr später betrug der Anteil der Arbeitnehmer, die deutlich länger arbeiten wollten, nur noch 43 Prozent – wohingegen 19 Prozent ihre Arbeitszeit sogar wieder reduzieren wollten.

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