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Die Teilzeit-Mütter

In Deutschland sind immer mehr Frauen berufstätig. Während Mütter wegen der Kinder im Job oft kürzertreten, geben Väter beruflich meist Vollgas.

Kernaussagen in Kürze:
  • Während Mütter wegen der Kinder im Job oft kürzertreten, geben Väter beruflich meist Vollgas.
  • Zuletzt waren rund 18 Millionen Frauen zwischen 20 und 64 Jahren berufstätig, also gut 72 Prozent aller Frauen in dieser Altersgruppe.
  • Im Jahr 2013 waren in Deutschland 73 Prozent der Mütter erwerbstätig, während von den gleichaltrigen kinderlosen Frauen 85 Prozent arbeiten gingen.
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Auf den ersten Blick sieht es in Deutschland beim Thema Frauener­werbstätigkeit ganz gut aus (Grafik):

Zuletzt waren rund 18 Millionen Frauen zwischen 20 und 64 Jahren berufstätig, also gut 72 Prozent aller Frauen in dieser Altersgruppe.

Noch höher sind die Frauen-Erwerbstätigenquoten in den Nachbarstaaten nur in Dänemark und Schweden. Zum Vergleich: Europaweit liegt der Erwerbstätigenanteil der Frauen in dieser Altersklasse bei knapp 63 Prozent.

Auf den zweiten Blick fällt die Erwerbsbilanz für Deutschland allerdings für einen bestimmten – und nicht unbeträchtlichen – Teil der Frauen eher ernüchternd aus: nämlich für die Mütter. Viele Frauen schränken im Alter zwischen 25 und 49 Jahren ihr Arbeitspensum wegen des Nachwuchses ein oder geben ihren Job ganz auf:

Im Jahr 2013 waren in Deutschland 73 Prozent der Mütter in dieser Alterskohorte erwerbstätig, während von den gleichaltrigen kinderlosen Frauen 85 Prozent arbeiten gingen.

Bei den Männern ist es genau umgekehrt: Väter stehen deutlich häufiger in Lohn und Brot als kinderlose Männer. So gingen 2013 annähernd 93 Prozent der 25- bis 49-jährigen Väter in Deutschland einer bezahlten Beschäftigung nach; die Erwerbstätigenquote der kinderlosen Männer in dieser Altergruppe betrug dagegen nur 85 Prozent.

Auch in puncto Teilzeit tut sich ein Geschlechtergraben auf: So arbeiten in Deutschland 6 Prozent der Väter Teilzeit, aber 66 Prozent der Mütter. Mehr teilzeitbeschäftigte Mütter gibt es in ganz Europa nur in den Niederlanden – dort beträgt ihr Anteil 86 Prozent.

Braucht Deutschland also eine Mütterquote, wie es gerade diskutiert wird? Tatsächlich haben Mütter bei der Stellenbesetzung oft das Nachsehen, wie Forscher von der Cornell Universität in Ithaca, New York, herausgefunden haben. So sprachen sich Personalverantwortliche bei der Auswahl der bestmöglichen Kandidaten für einen Job mit einer 84-prozentigen Zustimmungsquote für die kinderlosen Kandidatinnen aus. Die Mütter, die identische Qualifikationen und Berufserfahrungen vorweisen konnten, erhielten dagegen nur eine Empfehlungsrate von 47 Prozent – und 11 Prozent weniger Einstiegsgehalt.

Eine Mütterquote würde vielen Frauen allerdings kaum helfen. Denn 30 Prozent der Mütter in Deutschland, die arbeiten wollen, können dies mangels Kinderbetreuung nicht. Ihnen wäre mit einer guten Betreuungsinfrastruktur mehr gedient als mit einer Regelung, in deren Genuss sie mangels Möglichkeit gar nicht kommen können.

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