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Die Republik der Akademiker

Die Bundesbürger werden immer schlauer: In den vergangenen 30 Jahren hat jede nachrückende Generation ein deutlich höheres Bildungsniveau erreicht als die vorherige. So verfügt mittlerweile fast jeder dritte junge Erwachsene über ein abgeschlossenes Hochschulstudium.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mittlerweile verfügt fast jeder dritte junge Erwachsene über ein abgeschlossenes Hochschulstudium.
  • Im Wintersemester 2001/2002 studierten gerade mal rund 6.200 beruflich Qualifizierte, im Wintersemester 2010/2011 waren es bereits annähernd 21.300.
  • Die Einkommen für Hochqualifizierte sind gegenüber den Lohnzuwächsen für Geringqualifizierte in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen.
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Es ist nur wenige Jahrzehnte her, da war es in Deutschland gang und gäbe, mit 15 Jahren eine Lehrstelle anzutreten. Heutzutage entscheiden sich mehr und mehr junge Leute für die Theorie: Mit 520.000 Erstsemestern drängten im vergangenen Jahr so viele Frauen und Männer an die Universitäten und Fachhochschulen wie noch nie zuvor (vgl. iwd 16/2012).

Dass sich so viele für ein Studium begeistern, ist allerdings nur konsequent, denn es qualifizieren sich immer mehr Schulabsolventen für ein Hochschulstudium (Grafik):

Während 1980 hierzulande nur jeder fünfte junge Erwachsene über eine Studienberechtigung verfügte, war es 2010 fast jeder zweite.

Wer darf, der macht auch: Mit der Studienberechtigung steigt automatisch die Studienanfängerquote. Im Jahr 1980 betrug der Anteil der Erstimmatrikulierten an der alterstypischen Bevölkerung 20 Prozent, 2010 waren es schon 45 Prozent.

Die Studienberechtigung wird übrigens längst nicht mehr nur an den Gymnasien erworben. Inzwischen erreicht rund ein Drittel der Berechtigten die Hochschulreife an anderen Schulen, meist an beruflichen.

Um ein Studium zu beginnen, braucht es zudem nicht zwingend das Abitur. Seit März 2009 sindimma

Unis und FHs nämlich dazu verpflichtet, sich für beruflich qualifizierte Bewerber ohne Abi zu öffnen:

Im Wintersemester 2001/2002 studierten gerade mal rund 6.200 beruflich Qualifizierte, im Wintersemester 2010/2011 waren es bereits annähernd 21.300.

Der Bildungshunger der jungen Generation kommt nicht von ungefähr: Hoch spezialisierte Fachkräfte – ob nun beruflich oder akademisch gebildet – sind gefragt. Gesucht werden derzeit vor allem Spezialisten mit technischem Know-how, die besonders viel zur Innovationskraft der Volkswirtschaft beitragen (vgl. iwd 3/2012).

Der Fachkräfteengpass wird sich zudem weiter verschärfen: Zwischen 2020 und 2030 werden rund 2,1 Millionen Akademiker und 8,6 Millionen Personen mit einer Berufsausbildung in Rente gehen. Voraussichtlich rücken in diesem Zeitraum aber nur etwa 7,7 Millionen Kräfte in den Arbeitsmarkt nach – also 3 Millionen weniger, als an qualifizierten Personen altersbedingt ausscheiden.

Was knapp ist, ist kostbar. Kein Wunder also, dass sich das Büffeln auch finanziell auszahlt: Die Einkommen für Hochqualifizierte sind gegenüber den Lohnzuwächsen für Geringqualifizierte in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Wer einen Studienabschluss vorweisen kann, gehört deshalb heute eher zu den oberen Einkommensschichten als noch vor zehn Jahren.

Aus all diesen Gründen dürfte die Zahl der Berufsanfänger mit Hochschulabschluss schon bald mehr als ein Drittel der alterstypischen Bevölkerungsgruppe ausmachen. Bereits 2010 schlossen annähernd 30 Prozent eines Jahrgangs ein Erststudium ab – zehn Jahre zuvor schafften dies nur knapp 17 Prozent.

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