Olympische Winterspiele Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Rekord-Veranstaltung

Im russischen Sotschi wurden gerade die mit Abstand teuersten Olympischen Winterspiele aller Zeiten ausgetragen – sie kosteten mehr Geld als alle bisherigen Winterspiele zusammen. Aber auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) jagt einen neuen Rekord.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im russischen Sotschi wurden gerade die mit Abstand teuersten Olympischen Winterspiele aller Zeiten ausgetragen – sie kosteten mehr Geld als alle bisherigen Winterspiele zusammen.
  • Vom russischen Olympiaprojekt haben auch deutsche Unternehmen profitiert, die Aufträge in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bekamen.
  • Private Unternehmen zahlten knapp 1 Milliarde Euro, um auf dem russischen Markt als Sponsor der Olympischen Spiele aufzutreten – fast doppelt so viel wie in Vancouver.
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Sotschi 2014 – das war Wladimir Putins Herzensangelegenheit. Um der Welt zu zeigen, was Russland zu bieten hat – frei nach dem Motto „größer, moderner, teurer“ –, hat Putin am Schwarzen Meer einen komplett neuen Olympiapark bauen lassen. Aus dem anfänglich geplanten Budget von 12 Milliarden Euro wurde schnell mehr als das Vierfache: 51 Milliarden Euro haben die Bauten an der Schwarzmeerküste letztlich gekostet. Die Spiele in Salt Lake City, Turin und Vancouver waren dagegen geradezu spottbillig: Alle drei Veranstaltungen kommen zusammen nicht einmal auf ein Fünftel der Kosten von Sotschi.

Viele der Sportstätten, Hotels und Einrichtungen in Sotschi sollen russische Oligarchen wie Oleg Deripaska (hat angeblich 1,2 Milliarden Dollar investiert) oder Wladimir Potanin (wohl 2,2 Milliarden Dollar) sowie Sponsoren wie Gazprom (angeblich 3,3 Milliarden Dollar) oder die Sberbank (angeblich 1,7 Milliarden Dollar) finanziert haben.

Vom russischen Olympiaprojekt haben auch deutsche Unternehmen profitiert, die Aufträge in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bekamen.

Deutsche Expertise war besonders im Spezialtiefbau, bei Ingenieur­leistungen, in der Medizintechnik sowie in der Logistik und Automobilindustrie gefragt. Beispielsweise lieferte Siemens 54 Züge und Volkswagen 3.100 Fahrzeuge.

Der Investitionsboom kommt natürlich auch der russischen Bauindustrie zugute. Das Land soll aber vor allem von den Touristen profitieren, nicht nur von jenen, die sich die Spiele anschauten, sondern auch von denen, die künftig Sotschi besuchen werden. Denn es wurde auch daran gedacht, wie die vielen neuen Sportanlagen in Zukunft genutzt werden könnten: Sotschi selbst soll zu einem exklusiven Wintersportzentrum werden, und viele Arenen wie der Eispalast und das Curling Center können ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Das Olympiastadion, das schätzungsweise 443 Millionen Euro gekostet hat, wird auch Spielstätte der Fußballweltmeisterschaft sein, die 2018 in Russland stattfindet. Die Athletenzimmer im olympischen Dorf sind mit 40 bis 45 Quadratmetern dreimal größer als vom IOC gefordert. Sie sollen nun als Apartments vermietet oder verkauft werden – wenn sich Käufer finden.

Einen wirtschaftlichen Gewinner der Spiele gibt es auf jeden Fall: das IOC. Für die Winterspiele in Sotschi rechnet das Organisationskomitee mit Einnahmen von gut 2 Milliarden Euro (Grafik). Das wäre ein neuer Rekord – den alten halten die Olympischen Winterspiele in Vancouver vor vier Jahren mit 1,6 Milliarden Euro. Zu verdanken ist dies besonders den großzügig fließenden Sponsorengeldern:

Private Unternehmen zahlten knapp 1 Milliarde Euro, um auf dem russischen Markt als Sponsor der Olympischen Spiele aufzutreten – fast doppelt so viel wie in Vancouver.

Damit übersteigt dieser Posten sogar die Einnahmen aus den TV-Senderechten, die bisher immer das meiste Geld eingespielt haben. In diesem Jahr liegen die Erlöse aus TV-Rechten mit 915 Millionen Euro knapp unter denen der Spiele in Vancouver.

Ohnehin haben die Erlöse aus TV-Lizenzen für die Sommerspiele eine wesentlich größere Bedeutung als für die Winterspiele (Grafik):

Bei den letzten Sommerspielen in London wurden allein durch die TV-Rechte fast 1,9 Milliarden Euro erzielt, doppelt so viel wie in Sotschi.

Und mit rund 3,6 Milliarden TV-Zuschauern ließen die Olympischen Sommerspiele in London die Winterspiele in Sotschi ebenfalls deutlich hinter sich – hier schauten nur etwa 1,5 Milliarden Menschen zu. Ausschlaggebend ist allerdings auch die Größe der Spiele, denn an den Sommerspielen nehmen ungefähr doppelt so viele Nationen teil wie an den Winterspielen. Vor anderthalb Jahren in London waren mehr als 10.000 Athleten aus 204 Ländern am Start. Mit 302 Wettbewerben in 26 Sportarten gab es auch wesentlich mehr Möglichkeiten, Medaillen zu gewinnen. Russland dagegen war Gastgeber für gut 2.850 Wintersportler aus 88 Ländern, die in sieben Sportarten und 98 Wettbewerben um insgesamt 294 Medaillen kämpften.

Ticketverkäufe und Lizenzrechte zur Vermarktung von Merchandising-Artikeln machen lediglich einen kleinen Anteil der IOC-Einnahmen aus. Vor vier Jahren in Vancouver waren es knapp 220 Millionen Euro. Für Sotschi werden die Ticket- und Lizenzeinnahmen zusammen auf etwa 200 Millionen Euro geschätzt.

Einen Großteil der Erlöse schüttet das Internationale Olympische Komitee gleich wieder aus: 90 Prozent dieses Geldes fließen an die Olympischen Sportverbände und die Nationalen Olympischen Komitees – davon profitieren am Ende Leis­tungssportler in der ganzen Welt. Letztlich gingen aus den Milliardeneinnahmen der Sommerspiele von London rund 375 Millionen Euro an die 28 Olympischen Sportverbände. Die sieben Olympischen Wintersportverbände erhielten gut 150 Millionen Euro aus dem Topf der Spiele in Vancouver.

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