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Die Privilegien der Privaten

Private Hochschulen erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit: Innerhalb von nur einem Jahr hat sich die Zahl der Studienanfänger um 10 Prozent erhöht, während sie an den staatlichen Hochschulen um fast 6 Prozent zurückgegangen ist. Punkten können die privaten Institutionen vor allem mit ihrer hohen Ausbildungsquote.

Kernaussagen in Kürze:
  • Innerhalb von nur einem Jahr hat sich die Zahl der Studienanfänger um 10 Prozent erhöht, während sie an den staatlichen Hochschulen um fast 6 Prozent zurückgegangen ist.
  • An den staatlichen Fachhochschulen wurden im Jahr 2012 im Schnitt knapp 25 Studenten von einem Dozenten betreut, an den privaten Fachhochschulen mussten sich knapp 39 Studenten eine Lehrkraft teilen.
  • Auch die Serviceorientierung gegenüber den Studenten dürfte an den nicht staatlichen Hochschulen höher sein als an den staatlichen, da die Privathochschüler mit zuletzt 554 Millionen Euro Gebühren immerhin 36 Prozent der Gesamtausgaben ihrer Lehranstalten finanzierten.
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Der Run auf die Hochschulen ist wahrlich kein neues Thema, weitgehend unbekannt dürfte aber die Anziehungskraft sein, die die privaten Hochschulen auf die Studienanfänger seit einiger Zeit ausüben: Zwar zählten die staatlichen Unis im Studienjahr 2012 gut 450.000 Erstsemes­ter, die privaten jedoch erst 35.000. Beim Zuwachs in den Jahren 2000 bis 2012 dagegen kommen die staatlichen nur auf knapp 50 Prozent, während sich die Zahl der Erstsemes­ter an den privaten FHs und Unis mehr als versechsfacht hat. Zudem stockten die staatlichen Hochschulen die Zahl ihrer Professoren und Dozenten im gleichen Zeitraum lediglich um gut ein Drittel auf rund 202.000 auf, die privaten Hochschulen legten dagegen um gut 700 Prozent auf fast 6.200 zu.

Trotz dieser Dynamik fällt die Betreuungsrelation an den privaten Fachhochschulen ungünstiger aus als an den staatlichen. Dass bei diesem Vergleich die Universitäten ausgeklammert werden, liegt daran, dass der Personalbestand an den Unis aufgrund der intensiven Forschung deutlich höher ist als an den Fachhochschulen und die FHs mit 85 Prozent ohnehin das Gros der Privathochschulstudenten aufnehmen. Das Verhältnis von Lehrenden zu Lernenden (Grafik):

An den staatlichen Fachhochschulen wurden im Jahr 2012 im Schnitt knapp 25 Studenten von einem Dozenten betreut, an den privaten Fachhochschulen mussten sich knapp 39 Studenten eine Lehrkraft teilen.

Besonders groß ist der Betreuungsunterschied in der Mathematik und den Naturwissenschaften. Lediglich in den Gesundheitswissenschaften schneiden die privaten Fachhochschulen günstiger ab als die staatlichen.

Gleichwohl hat die dünnere Personaldecke keinen negativen Einfluss auf die Ausbildungsleistung der privaten Institute, im Gegenteil: Auf jeden wissenschaftlichen oder künstlerischen Hochschulmitarbeiter kommen jährlich 4,5 Absolventen, an den staatlichen Fachhochschulen sind es nur 3,4. In Mathematik, den Naturwissenschaften und der Informatik können die privaten FHs sogar eine doppelt so hohe Ausbildungsquote vorweisen wie ihre staatlichen Pendants.

Woran genau das liegt, ist bislang unerforscht. Ein Grund könnte der engere Kontakt zwischen Studenten und Lehrpersonal sein. Der Wissenschaftsrat vermutet, dass die privaten Hochschulen insgesamt – also FHs und Unis – aufgrund ihrer geringeren Größe den Vorteil haben, einen besseren Austausch zu ermöglichen als die staatlichen „Massenhochschulen“.

Auch die Serviceorientierung gegenüber den Studenten dürfte an den nicht staatlichen Hochschulen höher sein als an den staatlichen, da die Privathochschüler mit zuletzt 554 Millionen Euro Gebühren immerhin 36 Prozent der Gesamtausgaben ihrer Lehranstalten finanzierten. Zum Vergleich: An den staatlichen Hochschulen tragen die Studenten nur etwa 1,3 Prozent zum Gesamthaushalt der Unis und FHs bei – 2012 waren das rund 569 Millionen Euro.

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