Heimatüberweisungen von Migranten Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Die private Entwicklungshilfe

Flüchtlinge und andere Zuwanderer, die in den Arbeitsmarkt integriert werden, überweisen viel Geld in ihre Heimatländer – und leisten damit oft mehr als die staatliche Entwicklungshilfe.

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Remittances, das ist der offizielle Fachbegriff für das, was in Deutschland Heimatüberweisungen genannt wird: Geld, das Migranten über internationale Finanzdienstleister wie Western Union oder Moneygram in ihre Herkunftsländer überweisen, um dort ihre Familien oder Freunde zu unterstützen.

Die Geldbeträge, die laut Weltbank auf diese Weise zusammenkommen, können sich sehen lassen (Grafik):

Im Jahr 2013 haben allein die Migranten aus den Entwicklungsländern 418 Milliarden Dollar in ihre Heimatstaaten überwiesen – gut fünfmal so viel wie im Jahr 2000.

Wie außergewöhnlich groß dieser Betrag ist, wird klar, wenn man ihn mit der offiziellen Entwicklungshilfe vergleicht: Die OECD-Mitgliedsländer haben im Jahr 2013 zusammen nämlich nur rund 135 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe ausgegeben – also nicht einmal ein Drittel des Betrags, den die Migranten überwiesen.

Die privaten Finanzhilfen sind für viele Entwicklungsländer die wichtigste externe Kapitalquelle – nach Direktinvestitionen wie Unternehmensbeteiligungen. Manche Staaten sind sogar regelrecht abhängig davon, weil Remittances einen Großteil ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen. Ein Beispiel:

In Tadschikistan besteht nahezu die Hälfte des BIP aus Heimatüberweisungen.

In den Empfängerländern wird dieses Geld meistens für den alltäglichen Einkauf verwendet, also für den privaten Konsum. Mancherorts werden damit aber auch Gesundheitsleistungen und Bildungsausgaben finanziert.

In den vielen Entwicklungsländern, in denen allenfalls erste Ansätze eines Sozialhilfesystems existieren, sind die Heimatüberweisungen Teil der privaten Wohlfahrt. Sie verbessern die Lebensbedingungen der Menschen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Armut.

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