Niederlande Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

„Die Niederländer verdanken ihren Wohlstand auch dem freien Handel“

Seit jeher unterhalten die Niederlande enge wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland. Die anstehenden Parlamentswahlen werden daran wohl nichts ändern, auch wenn einige niederländische Parteien die EU kritisch sehen, wie Kees van Paridon betont, Professor of Economics an der Erasmus-Universität Rotterdam und derzeit Gastprofessor am Zentrum für Niederlande-Studien an der Universität Münster.

Kernaussagen in Kürze:
  • Für die Niederlande ist Deutschland der bei weitem wichtigste Handelspartner – die niederländische Wirtschaft liefert 23 Prozent ihrer Ausfuhren an deutsche Kunden.
  • Im niederländischen Wahlkampf spielen diese Handelsbeziehungen zwar kaum eine Rolle – das Thema Freihandel und ein möglicher „Nexit“ aber sehr wohl.
  • Dabei erkennen die meisten Niederländer durchaus an, dass sie einen großen Teil ihres Wohlstands dem freien Handel mit Waren und Dienstleistungen zu verdanken haben.
Zur detaillierten Fassung

Die Niederlande erleben, ebenso wie Deutschland, seit einiger Zeit einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser stärkt die ohnehin engen Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Für die Niederlande ist die Bundesrepublik bei weitem der wichtigste Handelspartner: Die niederländische Wirtschaft liefert 23 Prozent ihrer Ausfuhren an deutsche Kunden. Umgekehrt stammen 17 Prozent der niederländischen Importe aus Deutschland.

Während deutsche Unternehmen zu 75 Prozent Industrieerzeugnisse in die Niederlande verkaufen, bestehen deren Exporte nach Deutschland nur zu 57 Prozent aus Industriewaren. Weitere 19 Prozent sind Energieerzeugnisse, 16 Prozent Agrarprodukte. Allerdings arbeiten niederländische Industrieunternehmen immer häufiger erfolgreich mit deutschen Firmen zusammen, beispielsweise im Automobilbau oder in der Produktion optischer Systeme.

Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner der Niederlande.

Der Absatz niederländischer Produkte in Deutschland ist bislang stark auf Nordrhein-Westfalen konzentriert. Aus diesem Grund haben die Niederlande in den vergangenen Jahren einige Initiativen ergriffen, um den Handel mit den anderen Bundesländern zu stärken. Nicht zuletzt hat das niederländische Königspaar zahlreiche Bundesländer besucht – vor kurzem waren König Willem-Alexander und Königin Máxima in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu Gast.

Im niederländischen Wahlkampf spielen die Handelsbeziehungen zu Deutschland zwar kaum eine Rolle. Einige generelle außenwirtschaftliche Fragen stehen jedoch durchaus im Fokus. Denn ein Teil der niederländischen Parteien äußert sich skeptisch zur europäischen Integration und auch zum Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada. Die kritischen Stimmen kommen unter anderem aus der Sozialistischen Partei und von GrünLinks. Die „Partei für Freiheit“ von Geert Wilders spricht sich sogar für den „Nexit“ aus. Die Mehrheit der Politiker ist allerdings nach wie vor pro EU und Freihandel eingestellt.

Die meisten Niederländer erkennen ebenfalls an, dass sie einen großen Teil ihres Wohlstands dem freien Handel mit Waren und Dienstleistungen zu verdanken haben. Dennoch haben auch in den Niederlanden viele Menschen das Gefühl, dass die Globalisierung nicht für alle vorteilhaft ist.

Der Brexit trifft auch die Niederlande

Wichtig ist aber auch der Blick auf den Brexit. Derzeit gehen immerhin 9 Prozent der niederländischen Exporte ins Vereinigte Königreich. Dieser Handel dürfte unter dem Brexit leiden – ersten Schätzungen zufolge wird dies die Wirtschaftsleistung der Niederlande in den kommenden zehn Jahren um schätzungsweise 1,2 Prozent verringern. Es ist allerdings auch denkbar, dass die Niederlande – ebenso wie Deutschland – von möglichen Standortverlagerungen britischer Unternehmen profitieren.

Wie sich der deutsch-niederländische Handel künftig entwickelt, hängt darüber hinaus auch vom weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ab. Dass sich der Ausbau der für den Güterverkehr wichtigen Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen möglicherweise erneut verzögert, ist insofern eine schlechte Nachricht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de