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Die Merkmale der Eingebürgerten

Im Jahr 2024 haben sich so viele Menschen in Deutschland einbürgern lassen wie noch nie. Das IW hat nun untersucht, aus welchen Herkunftsländern sie stammen und wie gut sie in den heimischen Arbeitsmarkt integriert sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2024 haben sich mit rund 290.000 Menschen so viele Menschen in Deutschland einbürgern lassen wie noch nie.
  • Knapp ein Drittel der 2024 Eingebürgerten hatte die syrische Staatsangehörigkeit.
  • Ob sich Zuwanderer einbürgern lassen, hängt stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab wie dem Bildungsstand: Akademiker lassen sich im Schnitt häufiger einbürgern als Zuwanderer ohne berufsqualifizierenden Abschluss.
Zur detaillierten Fassung

Rund 290.000 Menschen haben sich in Deutschland im Jahr 2024 einbürgern lassen. Das ist ein neuer Höchststand (Grafik).

in Deutschland Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Eine Ursache für diesen Einbürgerungsboom dürfte sein, dass der deutsche Staat seit 2024 allen einbürgerungswilligen Personen die doppelte Staatsbürgerschaft gewährt. Dies hat viele Ausländer aus Herkunftsländern, für die das zuvor nicht möglich war, dazu bewogen, den deutschen Pass zu beantragen. Das betraf vor allem Türken, Albaner, Kosovaren, Bosnier, Montenegriner, Nordmazedonier und Serben. Die größte Gruppe der Neu-Bürger kam allerdings aus einem anderen Staat (Grafik):

Annähernd 29 Prozent derjenigen, die sich 2024 in Deutschland einbürgern ließen, hatten die syrische Staatsangehörigkeit.

So viel Prozent der in Deutschland eingebürgerten Personen kamen aus diesen Ländern und Regionen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Im Jahr zuvor machten Syrer mit knapp 38 Prozent ebenfalls die größte Gruppe unter den Eingebürgerten aus. Dass der Anteil der Syrer zwischen 2023 und 2024 geschrumpft ist, liegt daran, dass sie bereits zuvor die doppelte Staatsbürgerschaft erhalten konnten und ein etwaiger Nachholeffekt für sie gar nicht bestand.

Was zeichnet die Menschen, die sich einbürgern lassen, aus? Um diese Frage zu beantworten, hat das IW die Daten des Mikrozensus 2022 ausgewertet: Demnach lebten im Jahr 2022 fast 2,7 Millionen Eingebürgerte in der Bundesrepublik, was 3,3 Prozent der Bevölkerung entsprach. Zehn Jahre zuvor waren es erst 2,3 Millionen Menschen beziehungsweise 2,8 Prozent der Bevölkerung.

Drei Viertel der eingebürgerten Personen sind im Erwerbsalter

Viele der Eingebürgerten verfügen erst seit vergleichsweise kurzer Zeit über die deutsche Staatsangehörigkeit: Im Jahr 2022 lag die Einbürgerung bei knapp 33 Prozent der Eingebürgerten maximal zehn Jahre zurück. Zudem war im Jahr 2022 mit einem Anteil von annähernd 76 Prozent die große Mehrheit der eingebürgerten Personen zwischen 25 und 64 Jahre alt, also im typischen Erwerbsalter. Und tatsächlich arbeiteten die meisten von ihnen auch:

Von den gut zwei Millionen Eingebürgerten im Alter zwischen 25 und 64 Jahren waren 2022 rund 1,7 Millionen erwerbstätig.

Umgerechnet entspricht dies einem Anteil von 4,2 Prozent an allen Erwerbstätigen. Gleichzeitig gibt es aber auch eingebürgerte Personen in dieser Altersgruppe, die Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, und deshalb auf Bürgergeld oder Sozialhilfe angewiesen sind. Ihr Anteil an allen Beziehern staatlicher Grundsicherungsleistungen lag 2022 bei 5,3 Prozent.

Ob sich Zuwanderer einbürgern lassen, hängt stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab wie dem Bildungsstand, dem Migrationskontext, dem Alter und dem Geschlecht.

Vergleicht man die Gruppe der Eingebürgerten und die der Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit – jeweils im Alter von 25 bis 64 Jahren und eingereist zwischen 2002 und 2016 –, zeigt sich, dass unter den Eingebürgerten der Anteil der Erwerbstätigen mit rund 80 Prozent deutlich höher liegt als unter den Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit 72 Prozent. Beim Anteil der als Fachkraft tätigen Personen an den Erwerbstätigen ist der Abstand mit 87 Prozent gegenüber gut 73 Prozent sogar noch wesentlich größer. Auch beziehen eingebürgerte Personen seltener staatliche Transferleistungen als zugewanderte Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Dass Eingebürgerte im Erwerbsalter im Schnitt häufiger arbeiten als gleichaltrige Zugewanderte ohne deutschen Pass, dürfte nicht zuletzt an einer wichtigen Grundvoraussetzung für die Einbürgerung selbst liegen:

Einbürgerungswillige benötigen ausreichende Deutschkentnisse und einen gesicherten Lebensunterhalt

Schließlich ist neben ausreichenden Kenntnissen der deutschen Sprache eine weitere Bedingung, dass der Antragsteller einen gesicherten Lebensunterhalt nachweisen kann, der den Bezug staatlicher Transferleistungen ausdrücklich ausschließt.

Ob sich Zuwanderer einbürgern lassen, hängt stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab wie dem Bildungsstand, dem Migrationskontext, dem Alter und dem Geschlecht. So waren 19 Prozent der zwischen den Jahren 2002 und 2016 ins Land gekommenen Akademiker im Alter von 25 bis 64 Jahren im Jahr 2022 bereits eingebürgert, aber lediglich 7 Prozent der Zuwanderer ohne berufsqualifizierenden Abschluss. Auch wer nach Deutschland zur Ausbildung einwandert, ist prädestiniert dafür, später die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.

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