Die meisten Azubis wohnen bei den Eltern
Als junger Erwachsener noch zu Hause zu wohnen, ist heute nicht mehr verpönt, sondern Alltag. Zwar würden viele Auszubildende und Studenten gerne in einer eigenen Wohnung leben, doch bezahlbarer Wohnraum ist rar. Wohnheime sind zwar wesentlich günstiger, doch insbesondere für Azubis kaum vorhanden.
- Das Nesthockermodell ist die am weitesten verbreitete Wohnform unter Auszubildenden und Studenten in Deutschland, wie eine IW-Studie zeigt.
- Die günstigste Wohnform außerhalb des Elternhauses sind für junge Leute in Ausbildung in der Regel staatliche oder gemeinnützig getragene Wohnheime.
- Doch Wohnheimplätze sind rar. Ende 2024 gab es bundesweit 2,9 Millionen Studenten, aber nur gut 240.700 Wohnheimplätze für sie. Für die 1,3 Millionen Auszubildenden stehen bundesweit sogar nur 20.000 Wohnheimplätze zur Verfügung.
Was für die meisten Babyboomer der schiere Albtraum gewesen wäre, ist heute für viele junge Menschen Standard: noch als junge Erwachsene bei den Eltern zu wohnen. Tatsächlich ist das Nesthockermodell mittlerweile die am weitesten verbreitete Wohnform unter Auszubildenden und Studenten in Deutschland, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigt (Grafik):
Laut Mikrozensus lebten zuletzt 71 Prozent der Azubis und gut 38 Prozent der Studenten im Elternhaus.
Natürlich hat dies vielfach finanzielle Gründe, denn das Wohnen bei den Eltern ist für junge Menschen, die eine Ausbildung absolvieren oder studieren, die günstigste, häufig sogar kostenlose, Option. Das mittlere Einkommen von Auszubildenden liegt bei rund 800 Euro im Monat. Wenn davon 30 Prozent – also 240 Euro – für die Miete einer eigenen Unterkunft ausgegeben werden, reicht diese Summe nur in den Städten Rostock, Salzgitter, Gelsenkirchen, Magdeburg und Chemnitz sowie in einer Reihe von ländlichen Räumen für eine kleine Wohnung.
Die effektivste Stellschraube, um die Wohnsituation für junge Menschen zu verbessern, ist der Ausbau von Wohnheimplätzen.
Studenten haben zwar mit einem Medianeinkommen von monatlich 930 Euro etwas mehr Geld zur Verfügung, sind anders als Azubis aber häufig darauf angewiesen, in den teuren Ballungszentren zu leben, da sich dort viele Hochschulen befinden.
Obwohl das Zu-Hause-wohnen-Bleiben also enorme finanzielle Vorteile für junge Menschen hat, geben jedoch nur 26 Prozent der Azubis und Studenten an, dass der Auszug aus dem Elternhaus aus Kostengründen noch nicht erfolgt sei. Vielmehr vertritt fast die Hälfte von ihnen (45 Prozent) die Auffassung, dass aufgrund ihres guten familiären Verhältnisses bisher kein Auszug nötig ist. Ein weiterer Grund, warum so viele junge Menschen nach dem Schulabschluss noch zu Hause wohnen bleiben, ist, dass diese Wohnform ihnen die bestmögliche Konzentration auf die Ausbildung beziehungsweise das Studium ermöglicht.
Wohnheime sind für junge Leute die günstigste Wohnform außerhalb des Elternhauses
Die günstigste Wohnform außerhalb des Elternhauses sind für junge Leute in Ausbildung in der Regel staatliche oder gemeinnützig getragene Wohnheime. Zwar präferieren jeweils etwa zwei Drittel der Auszubildenden und Studenten eine eigene Wohnung, doch diese Variante ist von allen Optionen die teuerste Wohnform. WG-Zimmer sind in den meisten deutschen Städten zwar etwas günstiger als kleine Wohnungen, doch ebenfalls deutlich teurer als ein Platz im Wohnheim. Ein Wohnheimplatz der Studierendenwerke kostete 2023 im Schnitt dagegen nur rund 305 Euro Bruttowarmmiete im Monat, also deutlich weniger als die meisten Studentenwohnungen.
Für Auszubildende gibt es bundesweit nur 20.000 Wohnheimplätze
Doch Wohnheimplätze sind ebenfalls rar in Deutschland. Ende 2024 gab es bundesweit 2,9 Millionen Studenten, aber nur gut 240.700 Wohnheimplätze für sie. Bei den Azubis ist das Missverhältnis noch größer: Für die 1,3 Millionen Auszubildenden stehen bundesweit nur 20.000 Wohnheimplätze zur Verfügung.
Auch der demografische Wandel wird diesen Mangel auf absehbare Zeit nicht mildern. Zum Jahresende 2022 lebten etwa 8,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren in Deutschland, bis 2040 erhöht sich die Zahl laut IW-Schätzungen nach einem zunächst leichten Rückgang auf annähernd 9 Millionen. Die Zahl der jungen Haushalte wird im selben Zeitraum von 1,9 Millionen auf 2,2 Millionen steigen.
Der vorherrschende Wunsch von vielen Auszubildenden und Studenten nach einer eigenen Wohnung wird sich aller Voraussicht nach auf den freien Wohnungsmärkten auch künftig nicht für alle realisieren lassen. Die effektivste Stellschraube, um die Wohnsituation zu verbessern, ist der Ausbau von Wohnheimplätzen, da sie – anders als Wohnungen und WGs – exklusiv Azubis und Studenten vorbehalten sind. Wie hoch der Bedarf an neuen Wohnheimplätzen ist, hat das IW berechnet (Grafik):
Bei einer unveränderten Nachfrage fehlen bis 2040 mehr als 143.000 Wohnheimplätze für Studenten und knapp 26.000 Plätze für Auszubildende.
Für den Fall, dass im Jahr 2040 nicht nur wie aktuell 3,3 Prozent – dieser Wert ergibt sich auf Basis mehrerer Studien sowie eigener Berechnungen –, sondern sogar 7 Prozent der Azubis in einem Wohnheim leben wollen, steigt die Versorgungslücke auf 77.000 Plätze. Und wenn von den Studenten künftig nicht nur wie derzeit 13 Prozent, sondern 15 Prozent in einem Wohnheim leben wollen, fehlen im Jahr 2040 annähernd 204.000 Wohnheimplätze für Studenten.