Bologna-Reform Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Master-Frage

Nach wie vor steht der Bachelor-Abschluss in der öffentlichen Kritik. Die meisten Bachelors streben deshalb den Master an. Dass sie zwischen den beiden Studienabschnitten keiner Berufstätigkeit nachgehen wollen, hat aber auch finanzielle Gründe: An den staatlichen Hochschulen ist das direkt anschließende Masterstudium – im Gegensatz zum weiterbildenden Masterstudium – kostenlos.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fest steht: Die meisten Studenten, die ein Bachelor-Studium abgeschlossen haben, wollen den Master draufsatteln – und zwar möglichst schnell.
  • In Deutschland sind lediglich knapp 9 Prozent der Masterstudiengänge berufsbegleitend ausgelegt.
  • Für 85 Prozent der Unternehmen macht es keinen Unterschied, ob bestimmte Stellen mit einem Bachelor oder Master besetzt werden.
Zur detaillierten Fassung

Horst Hippler, der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, hält mit seiner Kritik nicht hinterm Berg: Als sich im August in Deutschland die Bologna-Umstellung zum zehnten Mal jährte, zweifelte Hippler an der Berufsfähigkeit der Uni-Bachelors und bemängelte die geringe Internationalisierung der neuen Studiengänge.

Das Bologna-Bashing an sich ist nicht neu, wohl aber von so prominenter und auch ungewohnter Stelle. Was also ist dran an den Vorwürfen? Ist der Bachelor tatsächlich nur eine Art Grundstudium mit Abschlusszeugnis und deshalb für die Mehrheit der Studenten lediglich eine Durchgangsstation zum Master?

Fest steht: Die meisten Studenten, die ein Bachelor-Studium abgeschlossen haben, wollen den Master draufsatteln – und zwar möglichst schnell.

An den Fachhochschulen entscheiden sich 53 Prozent, an den Universitäten sogar 77 Prozent der Bachelor-Absolventen für ein unmittelbar anschließendes Masterstudium.

Von den Uni-Bachelors wollen 9 Prozent für ein Masterstudium ins Ausland, von den FH-Bachelors 4 Prozent. Viele haben zu diesem Zeitpunkt bereits Auslandserfahrungen gesammelt: 16 Prozent der Uni-Bachelors und 17 Prozent der FH-Bachelors weilten schon während ihres Bachelor-Studiums in der Ferne. Die Mehrheit hatte dabei auch keine Probleme mit der Anerkennung von Studienleistungen.

Befragt man die Bachelors, warum sie unbedingt noch den Mas­ter dranhängen wollen, obwohl der erste Abschluss eigentlich einen früheren Berufseinstieg ermöglichen und auch zur Regel machen sollte, antworten die meisten: Sie wollen ihre Fachkenntnisse vertiefen und mithilfe des Aufbaustudiums ihre Berufschancen verbessern.

Letzteres wäre in den meisten Fällen gar nicht nötig, denn in der beruflichen Praxis sind die Bachelor-Absolventen längst gut integriert:

  • Selten arbeitslos. Die Bachelor-Absolventen sind mit 3 Prozent (FH) bzw. 2 Prozent (Uni) etwas weniger häufig erwerbslos als ihre Kollegen mit Diplom.
  • Gut bezahlt. Berufsanfänger mit einem Master verdienen im Durchschnitt nur 5 Prozent mehr als Bachelors, die Differenz zwischen Bachelor- und Diplomkandidaten beträgt sogar nur 4 Prozent. Neun von zehn Unternehmen machen bei den Bewerbern auch keinen Unterschied zwischen FH- und Uni-Absolventen.

Relevanter als der Studienabschluss ist für das Einstiegsgehalt die Unternehmensgröße: Wer als Bachelor seine erste Stelle in einem Betrieb mit mehr als 5.000 Mitarbeitern antritt, bekommt jährlich bis zu 10.000 Euro mehr als in einer kleineren Firma (Grafik).

  • Gleichwertig behandelt. Für 85 Prozent der Unternehmen macht es keinen Unterschied, ob bestimmte Stellen mit einem Bachelor oder Mas­ter besetzt werden (vgl. iwd 18/2011). Der Master- oder Doktorgrad werden nur bei Tätigkeiten in der Forschung vorausgesetzt.

Außerdem steigen Bachelors zu Beginn ihrer Karriere meist auf den gleichen Positionen ein wie andere Hochschulabsolventen – etwa als Projektmitarbeiter oder Sachbearbeiter.

Wer trotz der guten Startbedingungen dennoch weiter studieren möchte, hat überdies noch eine weitere Option zum Vollzeitmaster: Fast jedes zweite Unternehmen unterstützt einen berufsbegleitenden Mas­ter oder beabsichtigt, dies zu tun. Dies geschieht überwiegend in Form einer (Teil-)Übernahme der Studiengebühren sowie der zeitweisen Freistellung von der Arbeit – bei Fortzahlung des Gehalts. In ihren Ambitionen, den wissenshungrigen jungen Leuten zur Seite zu stehen, unterscheiden sich kleine und große Unternehmen übrigens nicht.

Eine Hürde stellt allerdings das derzeitige Studienangebot dar:

In Deutschland sind lediglich knapp 9 Prozent der Masterstudien­gänge berufsbegleitend ausgelegt.

Mit 343 Studiengängen haben die Fachhochschulen noch ein vergleichsweise großes Angebot; die Universitäten bieten lediglich 200 Masterstudiengänge an, die berufsbegleitend oder als Fernstudium absolviert werden können (Grafik).

Besonders viele berufsbegleitende Studiengänge offerieren die privaten Hochschulen (40 Prozent). Dass sich die staatlichen Hochschulen mit ihrem Angebot zurückhalten (7 Prozent), hängt mit der Finanzierung zusammen. Gut die Hälfte der berufsbegleitenden Angebote sind weiterbildende Studiengänge, die auf längeren berufspraktischen Erfahrungen aufbauen. Für diese Studiengänge können die Hochschulen nicht auf staatliche Grundmittel zurückgreifen. Deshalb sehen sich viele Fachhochschulen und Universitäten gezwungen, weiterbildende Studiengänge kostenpflichtig anzubieten – gegenwärtig betragen die kompletten Gebühren für einen weiterbildenden Masterabschluss an einer staatlichen Hochschule rund 9.000 Euro.

Auch aus diesem Grund stürzen sich so viele Bachelors unmittelbar nach dem Abschluss auf den Master. Denn das direkt anschließende, sogenannte konsekutive Masterstudium ist für sie an den staatlichen Hochschulen kostenlos.

Christiane Konegen-GrenierDie Bologna-Reform. Eine Zwischenbilanz zur Neuordnung der Studiengänge in DeutschlandIW-Positionen Nr. 53, Köln 2012, 60 Seiten, 11,80 EuroVersandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop

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