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Die Leistungsbilanz

Eigentlich ist sie ein unschuldiges statistisches Konstrukt, denn die Leistungsbilanz fasst lediglich wichtige außenwirtschaftliche Größen zusammen: den Saldo aus Warenexporten und –importen, die Bilanz des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs, die internationalen Erwerbs- und Vermögenseinkommensströme sowie den Saldo der sogenannten Übertragungen, zu denen unter anderem Zahlungen im Rahmen der Entwicklungshilfe gehören.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Leistungsbilanz: eigentlich ist sie ein unschuldiges statistisches Konstrukt, denn sie fasst lediglich wichtige außenwirtschaftliche Größen zusammen.
  • Vor allem seit dem Boom vor dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ist die Leistungsbilanz in den Mittelpunkt vieler politischer Debatten gerückt.
  • Der Vorwurf, die deutsche Wirtschaft wachse auf Kosten anderer Eurostaaten, stimmt nicht.
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Vor allem seit dem Boom vor dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ist die Leistungsbilanz allerdings in den Mittelpunkt vieler politischer Debatten gerückt. Damals nahmen die Gegensätze zu: Länder, die mehr importierten, als sie es sich leisten konnten, verzeichneten steigende Leistungsbilanzdefizite. Auf der anderen Seite erzielten exportstarke Staaten – wie auch Deutschland – hohe Überschüsse. Diese Ungleichgewichte haben viel Kritik hervorgerufen – zum Beispiel die, dass die Exportnationen auf Kosten der anderen Länder florieren würden.

Fakt ist jedoch, dass viele Länder inzwischen deutlich kleinere Leistungsbilanzsalden haben als im Jahr 2008 – dies gilt nicht zuletzt für den Exportweltmeister China. Deutschland schnitt 2012 zwar im Waren- und Dienstleistungsverkehr mit außereuropäischen Handelspartnern wie den USA deutlich besser ab als vier Jahre zuvor und schrieb im Außenhandel mit China sogar erstmals schwarze Zahlen. Gegenüber den EU-Staaten und insbesondere bei den Geschäften mit Krisenländern wie Italien und Spanien schrumpfte der deutsche Überschuss allerdings um bis zu 75 Prozent. Der Vorwurf, die deutsche Wirtschaft wachse auf Kosten anderer Eurostaaten, zielt also ins Leere. Vielmehr nehmen die Ungleichgewichte in der Eurozone rasant ab.

Denn auch die Euro-Schuldenländer haben deutliche Fortschritte in ihren außenwirtschaftlichen Zahlen erzielt – und zwar nicht nur, indem sich ihre Importe krisenbedingt verringerten. Vielmehr ist die Verbesserung der Handelsbilanzen von Spanien, Italien und Portugal mindestens zur Hälfte steigenden Exporten zuzuschreiben (vgl. iwd 15/2012). Alle drei Länder haben inzwischen eine fast ausgeglichene oder sogar leicht positive Export-Import-Bilanz.

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