Strukturwandel Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Lehren aus der Vergangenheit

Obwohl Deutschland seine Rolle als Top-Industriestandort verteidigt hat, sind Branchen wie der Steinkohlenbergbau und die Textilindustrie nahezu von der Bildfläche verschwunden. Und wenn das Land nicht aufpasst, droht demnächst den energieintensiven Branchen ein ähnliches Schicksal.

Kernaussagen in Kürze:
  • Obwohl Deutschland seine Rolle als Top-Industriestandort verteidigt hat, sind Branchen wie der Steinkohlenbergbau und die Textilindustrie nahezu von der Bildfläche verschwunden.
  • Anders als beispielsweise Frankreich und das Vereinigte Königreich hat Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten seine Stellung als Industrieland gehalten.
  • Ein ähnliches Schicksal wie der Textilbranche droht jetzt den energieintensiven Industrien in Deutschland, die mit massiven Preissteigerungen im Zuge der Energiewende zurechtkommen müssen.
Zur detaillierten Fassung

Anders als beispielsweise Frankreich und das Vereinigte Königreich hat Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten seine Stellung als Industrieland gehalten. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung ist nur minimal geschrumpft – von 22,6 Prozent im Jahr 1995 auf 22,2 Prozent im Jahr 2013.

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich allerdings ein immenser Strukturwandel – mit unterschiedlichen Folgen für die betroffenen Regionen:

Der Steinkohlenbergbau hat seine frühere Bedeutung als Energielieferant für den Standort D verloren. Andere Länder, die wie Russland und die USA Kohle über Tage abbauen können, liefern billiger. Dementsprechend hat sich die Zahl der Mitarbeiter hierzulande unter und über Tage seit 1990 von 130.000 auf zuletzt 13.000 reduziert.

Der Braunkohleabbau zählte 1990 ebenfalls 130.000 Beschäftigte und konnte sich mittlerweile bei gut 20.000 stabilisieren. Die Braunkohleverstromung profitiert derzeit noch vom Atomausstieg, sie dürfte im Rahmen der CO2-Vermeidung aber bald zurückgefahren werden.

Die Stahlindustrie hat viele Hütten dichtgemacht – seit 1980 gingen so 200.000 Jobs verloren. Allerdings sind die neuen Hochöfen und Elektroschmelzen leistungsfähiger als frühere Modelle und produzierten 2013 rund 43 Millionen Tonnen Stahl – nicht viel weniger als ihre Vorgänger im Jahr 1980. Deutschland ist damit immer noch der siebtgrößte Stahlerzeuger der Welt.

Sicher wäre die Aufgabe von Kohlegruben oder die Stilllegung von Stahlwerken einfacher zu managen gewesen, wenn die sich nicht in einzelnen Regionen geballt hätten. So aber wurden diese – wie beispielsweise das Ruhrgebiet – in eine wirtschaftliche Krise gestürzt.

Die Textilindustrie war früher in Deutschland eher flächendeckend vertreten. Die Schließung einzelner Fabriken war kein Todesurteil für eine ganze Region, denn es gab immer noch genügend andere prosperierende Branchen.

Die Gründe für den Niedergang sind schnell erzählt. Gegen die güns­tigen Arbeitskosten in Asien oder Osteuropa konnten die heimischen Textilbetriebe schlichtweg nicht konkurrieren. Allerdings gibt es Ausnahmen. Dort, wo sich Firmen spezialisiert haben, konnten sie überleben (vgl. Kasten).

Ein ähnliches Schicksal wie der Textilbranche droht jetzt den energie­intensiven Industrien in Deutschland, die mit massiven Preissteigerungen im Zuge der Energiewende zurechtkommen müssen.

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