Einkommensverteilung Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Lebensverhältnisse im Alter haben sich verbessert

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind in Deutschland die Realeinkommen der Ruheständler stärker gestiegen als jene der jüngeren Altersgruppen. Im Einkommensranking der Gesellschaft konnten die Älteren dadurch immer weiter aufsteigen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Einkommen der Senioren sind seit Mitte der 1980er Jahre wesentlich stärker gestiegen als die Einkommen der jüngeren Erwerbsfähigen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zu den Lebensverhältnissen im Alter ergeben hat.
  • Zwar beantragen heute mehr Rentner Grundsicherung im Alter als 2005 – dies dürfte aber hauptsächlich damit zusammenhängen, dass Kinder nicht mehr vorrangig für ihre Eltern aufkommen müssen.
  • Am besten stehen im Alter ehemalige Beamte und leitende Angestellte sowie noch Erwerbstätige da.
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Das Thema Altersarmut beschäftigt Deutschland. Meist geht es in den öffentlichen Debatten um Einzelschicksale oder spezifische Risikogruppen – die sind zwar für sich genommen besorgniserregend, aber nicht geeignet, um Rückschlüsse auf die Gesamtsituation der Älteren zu ziehen. Denn insgesamt ist es um die Lebensverhältnisse der Rentner heute deutlich besser bestellt als vor 30 Jahren. Das hat eine Studie des IW Köln ergeben, für die IW-Wissenschaftler Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet haben.

Zwar stimmt es, dass das Rentenniveau gesunken ist:

Im Jahr 1970 lag es bei 55,2 Prozent des durchschnittlichen Bruttoentgelts; 2015 waren es nur noch 47,7 Prozent.

Doch letztlich basiert das Rentenniveau auf der Modellgröße des Standardrentners und lässt nur bedingt Rückschlüsse auf die tatsächliche Einkommensposition der Rentner zu. Denn die Einkommensverteilung im Alter hängt noch von einer Reihe anderer Faktoren ab, dazu gehören ergänzende Alterseinkommen, die Verteilung der Einkommen im Haushalt sowie die Haushaltszusammensetzung.

Tatsächlich haben die verfügbaren Gesamteinkommen der 65- bis 74-Jährigen in Westdeutschland seit Mitte der 1980er Jahre real um durchschnittlich 52 Prozent zugelegt, die der unter 45-Jährigen hingegen nur um 21 bis 31 Prozent. Deshalb sind die Älteren im Einkommensranking der Gesamtbevölkerung aufgestiegen (Grafik):

Befand sich im Jahr 1984 knapp ein Drittel der Ruheständler im ärmsten Einkommensfünftel, waren es 2014 nur noch 19 Prozent.

Die verfügbaren Gesamteinkommen der 65- bis 74-Jährigen in Westdeutschland sind seit Mitte der 1980er Jahre wesentlich stärker gestiegen als die Einkommen der unter 45-Jährigen.

 

Grundsicherung im Alter wird immer noch selten beansprucht

Dennoch hat sich die Quote derer, die Grundsicherung im Alter beziehen, im Zeitraum 2005 bis 2015 von 2,2 auf 3,1 Prozent erhöht. Das ist allerdings weiterhin deutlich weniger als bei den jüngeren Semestern – von ihnen sind fast 10 Prozent auf Grundsicherung angewiesen.

Zudem ist nicht klar, ob es wirklich mehr bedürftige Rentner gibt als früher oder ob Rentner heute nur häufiger die Grundsicherung in Anspruch nehmen, als es zu Zeiten der Sozialhilfe der Fall war. Für Letzteres spricht zweierlei: Zum einen hat die Politik bei den Agenda-Reformen darauf verzichtet, weiterhin die Vermögen der Kinder heranzuziehen, wenn Unterstützung beantragt wird – was manche Rentner früher davon abgehalten haben könnte, „aufs Amt“ zu gehen. Zum anderen informiert die gesetzliche Rentenversicherung neuerdings gezielt über mögliche Zuschüsse bei niedrigen Renten.

Auch die Tatsache, dass immer mehr Frauen erwerbstätig sind, beeinflusst die Lebensverhältnisse im Alter:

Männer trugen Mitte der 1980er Jahre in Westdeutschland rund 83 Prozent zu den selbst erwirtschafteten gesetzlichen Renten eines Paarhaushalts bei, 2014 lag ihr Anteil nur noch bei knapp 71 Prozent – Tendenz fallend.

Weil die Erwerbsquoten insgesamt steigen und viele Bundesbürger trotz Rentenalter noch einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, gewinnt der Anteil der Arbeitseinkommen im Rentenalter an Bedeutung, ebenso der Anteil privater Zusatzrenten.

Vor allem jene Rentner, die ohnehin schon ein hohes Gesamteinkommen haben, sind sehr arbeitsam: Im obersten Drittel machen Arbeitseinkommen im Ruhestand noch immer ein Fünftel der Einnahmen aus, im unteren Drittel sind es weniger als 5 Prozent.

Die berufliche Karriere zahlt sich auch im Alter noch aus

Einen erheblichen Einfluss darauf, in welchem Einkommensdrittel die Bundesbürger im Alter landen, hat der einstige Job des Haushaltsvorstands. Neben denjenigen, die im Alter noch erwerbstätig sind, stehen besonders frühere Beamte und ihre Partner gut da – zumindest, wenn sie einer gehobenen Dienststufe angehörten (Grafik):

Ist der Haushaltsvorstand noch beschäftigt, betrug das durchschnittliche Haushaltseinkommen 2014 fast 3.900 Euro je Monat, bei pensionierten Beamten des gehobenen und höheren Dienstes waren es knapp 3.800 Euro.

Auch die Haushalte von früheren leitenden Angestellten und Selbstständigen kommen im Alter auf überdurchschnittliche Einkommen. Deutlich niedriger liegen die Einkommen der Haushalte vormals Angestellter und Arbeiter mit geringer Qualifikation, die mit 23 Prozent die für sich genommen größte Gruppe im Alter darstellen.

Die Haushaltszusammensetzung unterscheidet sich im Alter indes kaum nach dem Erwerbsstatus. Insgesamt hat sie sich in den vergangenen Jahren allerdings merklich verschoben:

Bis 1995 lebten weniger als 30 Prozent der über 75-Jährigen als Paar zusammen, 2015 waren es beinahe 50 Prozent.

Allerdings tauchen nach wie vor all jene nicht in den Daten des SOEP auf, die – oft allein – in einer Betreuungseinrichtung leben. Wie sich die Lebensverhältnisse der Älteren in Deutschland entwickeln werden, ist ob all dieser Einflussfaktoren nur schwer vorherzusagen.

So könnte sich die Zahl der Singles unter den Rentnern und damit die der Armutsgefährdeten wieder erhöhen – schließlich leben viele Angehörige der jüngeren Generationen momentan allein. Ebenfalls kritisch im Blick zu behalten ist Ostdeutschland. Denn dort hat das Armutsrisiko der 65- bis 74-Jährigen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Die Politik sollte sich allerdings nicht zu weitreichenden rentenpolitischen Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip hinreißen lassen. Denn die hätten – wie schon die Rente mit 63 und die Mütterrente – erheblichen Einfluss auf nachfolgende Generationen. Und gerade die jüngeren Altersgruppen haben laut IW-Studie und SOEP-Daten ja schon in den vergangenen Jahren gegenüber den Älteren nur unterdurchschnittliche Einkommenszuwächse verbucht.

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