Bevölkerungsentwicklung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Landflucht stoppen

Insbesondere in den ländlichen Regionen Deutschlands wird sich der Bevölkerungsschwund in den kommenden Jahren beschleunigen. Das stellt viele Gemeinden vor große Herausforderungen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Insbesondere in den ländlichen Regionen Deutschlands wird sich der Bevölkerungsschwund in den kommenden Jahren beschleunigen.
  • Allein im Zeitraum 2008 bis 2011 wich die Bevölkerungsentwicklung in 262 von 402 deutschen Landkreisen um mehr als plus/minus 0,5 Prozent von der Prognose ab.
  • Wenn die Bevölkerung schrumpft, hat dies für eine Gemeinde finanzielle Folgen.
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Bevölkerungsentwicklung nach Regionen. Hat das Bundesinstitut für​​ Bau-, Stadt- und Raumforschung recht, verändert sich Deutschland in den nächsten Jahren radikal: Viele ohnehin schon dünn besiedelte Landstriche verlieren demnach einen gehörigen Teil ihrer Einwohner – der Landkreis Oberspreewald-Lausitz etwa bis 2030 bis zu 29 Prozent. Anderen Regionen sagt das Institut dagegen einen Bevölkerungszuwachs voraus. So sollen im Landkreis München 2030 rund 18 Prozent mehr Menschen leben als heute.

Bevölkerungsprognosen sind jedoch keine sichere Bank. Selbst für kurze Zeiträume sind die Vorhersagen selten präzise (Grafik):

Allein im Zeitraum 2008 bis 2011 wich die Bevölkerungsentwicklung in 262 von 402 deutschen Landkreisen um mehr als plus/minus 0,5 Prozent von der Prognose ab.

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschlands Regionen. Vor allem viele Städte haben sich besser entwickelt als vorausberechnet. Für Münster zum Beispiel gingen die Forscher davon aus, dass die Bevölkerung konstant bleibt – tatsächlich wuchs die Einwohnerzahl zuletzt aber um propere 6,5 Prozent. Ländliche Gebiete dagegen haben sich insgesamt schlechter entwickelt als prognostiziert und Einwohner verloren (Grafik).

Wenn die Bevölkerung schrumpft, hat dies für eine Gemeinde Folgen. Zum einen muss sie eine Infrastruktur aufrechterhalten, die für mehr Menschen ausgelegt war; zum anderen reduzieren sich die Finanzzuweisungen aus Landesmitteln.

Doch Städte und Landkreise können dem demografischen Wandel durchaus etwas entgegensetzen:

  1. Mit einer leistungsfähigen Infrastruktur können sich Gemeinden Wettbewerbsvorteile verschaffen. In ländlichen Räumen zählt dazu vor allem eine flächendeckende Breitbandversorgung. Generell wichtig sind auch eine funktionierende Betreuungs- und Gesundheitsinfrastruktur sowie ein leistungsfähiges Verkehrssystem. Gelungen ist all dies offenbar in Rostock, wo in den vergangenen Jahren viele junge und ältere Menschen hinzogen.
  1. Auch wirtschaftliche Aktivität zahlt sich für die Städte und Landkreise aus. Mannheim etwa ermutigt Menschen zur Selbstständigkeit – und ist so zu einem regelrechten Gründerzentrum avanciert. Magdeburg hat erfolgreich an seine historische Spezialisierung im Maschinenbau angeknüpft und sich als Standort für den Bau von Windkraftanlagen einen Namen gemacht.
  1. Eine kompetente und unbürokratische Verwaltung kann ebenfalls zu einer hohen Standortzufriedenheit beitragen und damit die Wanderungs- und Investitionsentscheidungen maßgeblich beeinflussen.
  1. Bürgerschaftliches Engagement stärkt ebenfalls den Bezug der Menschen zum Wohnort und kann soziale Folgekosten oder Fachkräfteengpässe lindern. In Erlangen etwa konnten mithilfe von Bildungs- und Familienpaten sowie Lernstuben Integrationserfolge erzielt werden.

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