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Die Krux mit den Niedrigzinsen

Seit eh und je sind die Deutschen eifrige Sparer – gerade auch im Vergleich zu anderen Ländern. Derzeit haben die Bundesbürger aber ihre liebe Mühe, einen bestimmten Wunschbetrag für das Alter anzusparen. Denn im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins so stark gesenkt, dass Geldanlagen kaum noch Erträge bringen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Deutschen sind eifrige Sparer, doch die niedrige Zinspolitik der EZB bewirkt, dass Geldanlagen kaum noch Erträge bringen.
  • Während die privaten Haushalte in Deutschland im laufenden Jahr durchschnittlich gut 10 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante legen, sind es in den USA lediglich ca. 2 Prozent.
  • Termineinlagen mit ein- bis zweijähriger Laufzeit warfen zuletzt im Schnitt nur 1,2 Prozent Zinsen ab – im Herbst 2008 waren es noch 5 Prozent.
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Am 30. Oktober ist wieder Weltspartag. Ins Leben gerufen wurde er 1924, als der italienische Professor Filippo Ravizza den letzten Tag des ersten Internationalen Sparkassenkongresses zum Weltspartag ausrief. Die Idee dahinter war und ist, das Bewusstsein der Bevölkerung dafür zu stärken, wie wichtig das Sparen für die eigene Vorsorge ist.

Die Deutschen haben sich diesen Appell offenbar in besonderem Maße zu Herzen genommen – jedenfalls lässt sich hierzulande von einer ausgeprägten Sparkultur sprechen. Zwar ist die Sparquote in der Bundesrepublik in letzter Zeit gesunken, sie liegt aber immer noch deutlich über den Werten vieler anderer Länder (Grafik):

Während die privaten Haushalte in Deutschland im laufenden Jahr durchschnittlich gut 10 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante legen, sind es zum Beispiel in den USA lediglich etwas mehr als 2 Prozent.

Die Japaner stecken nicht einmal 1 Prozent ihres verfügbaren Einkommens in die private Vorsorge und die Spanier machen 2013 per saldo sogar mehr Schulden, als sie sparen.

Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind nicht zuletzt auf besondere wirtschaftliche Einflüsse zurückzuführen. Dass beispielsweise die US-Amerikaner so wenig sparen, liegt zwar zum Teil am konsumorientierten „Way of Life“. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren aber auch die niedrigen Zinsen, eine laxe Kreditvergabe durch die Banken sowie steigende Immobilienpreise. Statt zu sparen, stürzten sich viele US-Bürger daher tief in die Schulden, um ein eigenes Haus zu finanzieren.

Für die meisten Japaner lohnt es sich angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlichtweg nicht, ihr Geld zurückzulegen. Aufgrund der anhaltenden Rezession sind die Zinsen extrem niedrig, sodass Sparguthaben keine oder nur sehr geringe Erträge abwerfen. Zudem kämpft die japanische Volkswirtschaft mit sinkenden Preisen, die den realen Wert der vorhandenen Vermögen ganz ohne zusätzliche Ersparnisse steigen lassen. Der „Anti-Spar­trend“ wird außerdem noch durch den Umstand verstärkt, dass die japanische Gesellschaft besonders schnell altert.

Das Thema „niedrige Zinsen“ beschäftigt aber auch die Bundesbürger stärker. Seit sich der Leitzins in der Europäischen Währungsunion immer mehr der Nulllinie annähert, sind die klassischen Sparformen kaum noch rentabel (Grafik):

Termineinlagen mit ein- bis zweijähriger Laufzeit zum Beispiel warfen zuletzt im Schnitt nur 1,2 Prozent Zinsen ab – im Herbst 2008 waren es noch 5 Prozent.

Sparzinsen, die kaum die Preissteigerung ausgleichen, dürften künftig stärker dazu führen, dass viele private Haushalte von Sparplänen, Lebensversicherungen und Ähnlichem die Finger lassen und sich von ihrem Verdienst lieber neue Möbel oder ein neues Auto kaufen.

Wer sich allerdings ein festes Sparziel bis zum Renteneintritt gesetzt hat, der muss sich beim Sparen nun deutlich stärker ins Zeug legen. Eine Beispielrechnung: Ein 30-jähriger Arbeitnehmer, der für seine Altersvorsorge bis zum Beginn des 67. Lebensjahres 152.000 Euro ansparen möchte, muss bei einem Zinssatz von 5 Prozent 1.500 Euro pro Jahr beiseitelegen. Fällt der Zinssatz aber auf 2,5 Prozent, ist das Vorsorgeziel nur mit einer jährlichen Sparrate von 2.550 Euro zu erreichen.

Viele Haushalte dürften jedoch kaum genug Spielraum haben, um mehr zu sparen – bzw. sie müssten ihren Konsum einschränken. Einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiff­eisenbanken zufolge werden daher 2013 wohl nur 64 Prozent der Bundesbürger so viel sparen können, wie sie eigentlich vorhatten – im Vorjahr lag der Anteil noch bei 71 Prozent.

Zudem legen die Deutschen ihr Geld oft nur noch kurzfristig an, um dann in längerfristige Sparformen umzuschichten, wenn die Zinsen einmal wieder steigen. Solange jedoch die Schuldenkrise in einigen Euroländern noch nicht überwunden ist, kann und wird die EZB kaum an der Zinsschraube drehen.

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