Die Kosten der Ausfälle
Wenn Arbeitnehmer erkranken, zahlen Arbeitgeber in Deutschland bis zu sechs Wochen weiter den Lohn. Die Kosten dafür steigen seit Jahren. Dazu trägt auch ein höherer Krankenstand bei.
- Mit insgesamt 85,6 Milliarden Euro erreichte die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall im vergangenen Jahr erneut einen Höchststand.
- Seit 2010 hat sich die Summe mehr als verdoppelt. Das hat mehrere Gründe, unter anderem gestiegene Löhne und eine höhere Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter.
- Allerdings ist der Krankenstand in den vergangenen beiden Jahrzehnten in Deutschland ebenfalls sukzessive gestiegen.
Erkältung, Beinbruch, Lebensmittelvergiftung – egal, aus welchem Grund ein Beschäftigter in Deutschland ausfällt, er hat für ein und dieselbe Erkrankung bis zu sechs Wochen Anrecht auf eine Fortzahlung des Lohns durch den Arbeitgeber. Fällt der Mitarbeiter beispielsweise nach einer Grippe anschließend wegen eines Rückenleidens aus, beginnt die Sechswochenfrist von Neuem.
Die Summen, die dabei jährlich zusammenkommen, sind enorm (Grafik):
Mit insgesamt 85,6 Milliarden Euro erreichte die Entgeltfortzahlung im vergangenen Jahr erneut einen Höchststand.
Der Betrag steigt seit Jahren immer weiter an und hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. So steigen mit jeder Lohnerhöhung auch die Kosten der Entgeltfortzahlung. Zudem hat sich der Arbeitsmarkt hierzulande lange Zeit gut entwickelt. Mehr Beschäftigte bedeuten auch höhere Kosten – selbst dann, wenn die Krankheitstage pro Kopf gleich bleiben.
Neben höheren Löhnen und mehr Beschäftigung hat auch ein höherer Krankenstand zu dem Rekordwert der Entgeltfortzahlung beigetragen.
Allerdings stieg der Krankenstand in den vergangenen beiden Jahrzehnten in Deutschland ebenfalls sukzessive. Dazu können unterschiedliche Einflüsse beigetragen haben:
Dokumentation. Mit der elektronischen Erfassung der ärztlichen Atteste ab dem Jahr 2022 ist der Krankenstand signifikant gestiegen. Ob gleichzeitig auch die betrieblichen Fehlzeiten zugenommen haben, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Demografie. Bestimmte Krankheitsbilder – zum Beispiel Muskel- und Skeletterkrankungen – treten im fortgeschrittenen Erwerbsalter häufiger auf und die Rekonvaleszenz beansprucht mehr Zeit als etwa bei einer simplen Erkältung. Deshalb kann mit der demografisch bedingten Alterung der Belegschaften auch der Krankenstand steigen.
Krankheitsbilder. Der Anteil der psychischen Erkrankungen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Auch wenn der Anteil an allen Fällen kaum 5 Prozent ausmacht, entfallen darauf aufgrund der meist langwierigen Genesung rund 13 Prozent aller Ausfalltage.