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Die Konkurrenz arbeitet billiger

Die wichtigsten Weltmarktkonkurrenten müssen für Arbeit deutlich weniger bezahlen als die westdeutsche Industrie. Höhere Arbeitskos­ten schultern nur fünf kleinere Industriestaaten – Norwegen, die Schweiz, Belgien, Schweden und Dänemark.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die wichtigsten Weltmarktkonkurrenten müssen für Arbeit deutlich weniger bezahlen als die westdeutsche Industrie.
  • Auch die Arbeitskosten der südeuropäischen Krisenländer bleiben mit 11 bis 28 Euro die Stunde weit unter dem westdeutschen Niveau.
  • Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass Industriewaren nicht allein vom Verarbeitenden Gewerbe selbst erstellt werden.
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Zu den Arbeitskosten zählen im Wesentlichen der Bruttolohn, der Arbeitgeberanteil an den Sozialbeiträgen sowie weitere Personalzusatzkosten wie die betriebliche Altersversorgung. Daran gemessen war Westdeutschland 2013 mit Arbeitskosten von knapp 39 Euro je Stunde der sechstteuerste Standort der Welt (Grafik).

Weitaus günstiger zu haben ist die Arbeitsstunde für Industriebetriebe in den angelsächsischen Ländern. In den USA kostete eine Stunde Arbeit im vergangenen Jahr umgerechnet rund 26 Euro und in Großbritannien etwa 24 Euro. Die chinesische Konkurrenz kommt nur auf Kosten von gut 4 Euro die Stunde.

Auch die Arbeitskosten der südeuropäischen Krisenländer bleiben mit 11 bis 28 Euro die Stunde weit unter dem westdeutschen Niveau.

Insofern entbehrt der Vorwurf, Deutschland betreibe Lohndumping, jeder Grundlage.

Einen anderen Einwand zum Thema muss man allerdings ernst nehmen. So weisen Kritiker zu Recht darauf hin, dass Industriewaren nicht allein vom Verarbeitenden Gewerbe selbst erstellt werden. Vielmehr fließen über die Vorleistungen auch die Arbeitskosten der Dienstleister – etwa von Logistikunternehmen – in den Preis eines Produkts ein. Sind deren Arbeitskosten – wie in Deutschland – im Vergleich zur Industrie relativ günstig, schneidet ein Standort tatsächlich besser ab, als es allein das Kostenranking des Verarbeitenden Gewerbes aussagt.

Allerdings sind auch bei dieser Betrachtungsweise noch 71 Prozent der produktbezogenen Arbeitskos­ten hausgemacht. Das heißt: Auch wenn man die Lohnkosten der Vorleister im Rahmen einer Mischkalkulation mit berücksichtigt, ändert sich an der internationalen Arbeitskostenrangliste wenig. Westdeutschland fällt dann lediglich um eine Position auf Rang sieben zurück.

Die Entwicklung der Arbeitskos­ten im Jahr 2014 wird in der deutschen Industrie durch die Verdienstentwicklung geprägt. Denn die Beitragssätze zur Sozialversicherung haben sich 2014 nicht verändert. Bei den Löhnen und Gehältern zeichnet sich aber keine Entlastung ab. So ist der Arbeitskostenindex in der EU im ersten Halbjahr 2014 im Verarbeitenden Gewerbe um durchschnittlich 2,2 Prozent gestiegen, in Deutschland sogar um 2,5 Prozent.

Auch die Wechselkursentwicklung dürfte der deutschen Exportwirtschaft kaum helfen: In den ers­ten zehn Monaten des Jahres 2014 wurde der Euro gegenüber dem Yen um 7 Prozent und gegenüber dem Dollar um gut 1 Prozent höher bewertet als im Mittel des Jahres 2013.

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