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Die Konjunktur sagt Danke

Die Kauflaune der Verbraucher hat sich durch den niedrigen Ölpreis merklich verbessert. Und auch die Unternehmen freuen sich darüber, dass ihre Ölrechnungen geringer ausfallen und sie dadurch ihre Erzeugnisse günstiger anbieten können.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Überangebot auf dem internationalen Ölmarkt sorgte dafür, dass der Ölpreis im Januar 2015 die 50-Dollar-Marke unterschritt.
  • Die ursprünglich hohen Preise für Rohöl und der technische Fortschritt hatten das Fracking-Verfahren immer rentabler gemacht.
  • Der niedrige Ölpreis hat die deutsche Wirtschaft beflügelt.
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Als im Sommer 2014 der Ölpreis zu fallen begann, rieben sich Autofahrer an der Zapfsäule ungläubig die Augen. Denn bis dahin hatte der Preis für die Nordseesorte Brent etwa drei Jahre lang stolze 110 Dollar pro Barrel betragen – der Spritpreis war entsprechend hoch.

Den Verfall des Ölpreises hatten Fachleute indes erwartet. Denn die hohen Preise für Rohöl und der technische Fortschritt hatten das Fracking-Verfahren zur Ölgewinnung, wie es in Nordamerika praktiziert wird, immer rentabler gemacht. Das Ergebnis:

Im März 2015 gewannen die USA pro Tag im Schnitt 9,4 Millionen Barrel Öl – fünf Jahre zuvor waren es erst 4 Millionen Barrel.

Das daraus resultierende Überangebot auf dem internationalen Ölmarkt sorgte letztlich dafür, dass der Ölpreis im Januar 2015 sogar die 50-Dollar-Marke unterschritt.

Allerdings kommt dieser Preisverfall bei deutschen Unternehmen, Autofahrern und Heizölkunden nicht komplett an. Denn gleichzeitig hat der Dollar gegenüber dem Euro stark aufgewertet (Grafik) – deshalb schwächt sich der Ölpreis­effekt für den Euroraum spürbar ab:

Während der Ölpreis in den USA zwischen Juni 2014 und Januar 2015 um 60 Prozent zurückging, ist er im Euroraum lediglich um 53 Prozent gesunken.

Inzwischen ist der Preis für die Sorte Brent wieder etwas gestiegen und hat sich bei 65 Dollar pro Barrel eingependelt.

Der im Vergleich zu früher aber nach wie vor niedrigere Ölpreis beflügelt die deutsche Wirtschaft, wie die Frühjahrsumfrage des IW Köln zeigt (Grafik).

Drei von vier Unternehmen sagen, die sinkenden Energiepreise hätten die eigenen Produktions- und Betriebskosten zumindest etwas verringert, 15 Prozent verspüren sogar eine starke Kostenentlastung.

Dabei haben die Firmen nicht nur die direkten Effekte des Ölpreisverfalls im Blick. Denn niedrigere Ölpreise verbilligen auch andere Güter, die für die Produktion notwendig sind – zum Beispiel chemische Erzeugnisse. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen berichten deshalb von einem Rückgang der Preise für nicht energetische Vorleis­tungen.

Die Konsumenten sind ebenfalls entlastet worden. Immerhin gibt ein Durchschnittshaushalt 5 Prozent seines Einkommens für flüssige Brennstoffe sowie für Kraft- und Schmierstoffe aus. Hinzu kommen andere Waren- und Dienstleistungsgruppen, deren Preise eng an den Ölpreis gekoppelt sind, etwa die Preise für Transportdienstleistungen, Gas oder Heizung.

Und weil den Autofahrern an der Zapfsäule und den Eigenheimbesitzern beim Befüllen der Öltanks weniger Geld abgeknöpft wird, haben sie mehr für den Konsum übrig:

Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK meldete für April 2015 den höchsten Wert des Konsumklimaindexes seit gut 13 Jahren.

Dass die Verbraucher in Kauflaune sind, belegen auch die Ergebnisse der IW-Konjunkturumfrage (vgl. iwd 18/2015). Rund 30 Prozent der Verbrauchsgüterproduzenten berichten von einer zusätzlichen Nachfrage inländischer Kunden.

Global gesehen ist die Ölpreisentwicklung indes ein Nullsummenspiel. Der kräftige Preisverfall sorgt für eine klare Zweiteilung in Gewinner und Verlierer. Die meisten ölimportierenden Staaten haben wesentlich geringere Energiekosten, was die Industrieproduktion verbilligt und die Konsumenten entlastet. Dagegen brechen der deutlich kleineren Gruppe der ölexportierenden Staaten die Einnahmen weg.

Die deutschen Exporteure betrachten dies aber eher mit einem lachenden als mit einem weinenden Auge. Denn unter ihren 20 wichtigsten Auslandskunden sind mit Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten nur zwei große Ölexporteure. Daher fühlen sich laut IW-Umfrage drei von vier Unternehmen nicht von den Einnahmeausfällen der Öllieferanten betroffen.

Inzwischen spricht ohnehin einiges dafür, dass der Ölpreis demnächst noch etwas weiter steigt. Denn die Ölproduktion in den USA wird sinken. Zum einen ist die Zahl der Bohrungen zur Erschließung neuer Quellen deutlich zurückgegangen. Zum anderen haben unproduktive Anlagen den Betrieb eingestellt. Die derzeit noch gut gefüllten Öl­lager werden sich also leeren.

Liegt der Preis für die amerikanische Sorte WTI dann wieder bei 65 bis 70 Dollar pro Barrel, könnte allerdings auch die Schieferöl-Förderung in den USA erneut Auftrieb bekommen und den Preisanstieg stoppen – denn in dieser Preisspanne liegt die Rentabilitätsschwelle vieler Fracking-Projekte.

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