Die komplexe Kitakrise
In Deutschland fehlen immer noch viele Kitaplätze, wenn auch weniger als im vergangenen Jahr. Der Bedarf ist allerdings höchst ungleich verteilt.
- Deutschlandweit suchten 2025 die Eltern von rund 14 Prozent der Kleinkinder vergeblich einen Kitaplatz.
- Während die Lage besonders im Westen angespannt ist, ist der Bedarf an Betreuungsplätzen im Osten deutlich geringer.
- Im Westen sollten deswegen weitere Kitaplätze geschaffen, im Osten hingegen einige Betreuungseinrichtungen geschlossen werden. Die dort Beschäftigten könnten in anderen Einrichtungen den Betreuungsschlüssel verbessern.
Die Kitalücke in Deutschland ist kleiner geworden – zumindest in absoluten Zahlen: Im Jahr 2025 fehlten bundesweit etwa 300.000 Plätze für unter Dreijährige, rund 25.000 weniger als noch vor fünf Jahren. Der Rückgang lässt sich allerdings nicht auf ein erweitertes Betreuungsangebot zurückführen, sondern schlicht auf niedrigere Geburtenraten (Grafik):
Ende 2024 lebten rund 190.000 weniger unter Dreijährige in Deutschland als vier Jahre zuvor.
Aussagekräftiger als die absolute Zahl der fehlenden Kitaplätze ist demnach die Betreuungslücke – also der Anteil der unter Dreijährigen, die trotz Bedarfs nicht betreut wurden, an allen Kindern dieser Altersgruppe. Und dieser ist in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben:
Deutschlandweit suchten 2025 die Eltern von rund 14 Prozent der Kleinkinder vergeblich einen Kitaplatz.
Dabei zeigen sich allerdings große regionale Unterschiede. Während die Lage besonders im Westen angespannt bleibt, ist der Bedarf an Betreuungsplätzen im Osten deutlich geringer.
Im Westen sollten weitere Kitaplätze geschaffen, im Osten hingegen einige Betreuungseinrichtungen geschlossen werden. Die dort Beschäftigten könnten in anderen Einrichtungen den Betreuungsschlüssel verbessern.
Aufgrund dieser großen Differenz braucht es auch unterschiedliche Strategien, um die Kinderbetreuung bestmöglich zu gewährleisten. Während Länder und Kommunen im Westen das Betreuungsangebot bedarfsgerecht ausbauen sollten, gilt es angesichts der niedrigen Geburtenraten in Ostdeutschland, die Zahl der Kindertagesstätten langsam zu reduzieren und die darin Beschäftigten in anderen Einrichtungen einzusetzen, um dort den oftmals noch unzureichenden Betreuungsschlüssel zu verbessern: Im Jahr 2023 kamen im Osten über die verschiedenen Kitagruppen hinweg auf eine Fachkraft im Median rund zwei Kinder mehr als im deutschlandweiten Vergleich.
Die frei werdenden Räume sollten allerdings weiterhin für soziale Zwecke genutzt werden – zum Beispiel als Jugendtreff oder Vereinsheim. Das macht es einfacher, sie im Falle steigender Geburtenraten wieder in Betreuungseinrichtungen umzuwandeln.
Deutschlandweit ist es darüber hinaus wichtig, Kinder, die in ihren Familien nicht ausreichend Deutsch lernen können, frühzeitig in Kitas zu bringen. Schließlich ist gerade in dieser Gruppe die Betreuungsquote aktuell noch gering. Helfen können dabei Informations- und Beratungsangebote für die Eltern dieser Kinder.