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Die Kollateralschäden bleiben gering

In Diskussionsrunden über den eventuellen Austritt Griechenlands aus der Eurozone wird immer wieder argumentiert, dass ein Grexit auch ökonomische Folgen für Deutschland hätte. Tatsächlich sind zumindest keine nennenswerten negativen realwirtschaftlichen Effekte zu erwarten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Grexit hätte kaum ökonomische Folgen für Deutschland.
  • Was ein griechischer Staatsbankrott den deutschen Steuerzahler am Ende kosten würde, kann heute niemand genau sagen.
  • Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 sind die deutschen Warenexporte nach Griechenland um fast 40 Prozent eingebrochen.
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Landauf, landab wird in Talkshows, Leitartikeln und wissenschaftlichen Zirkeln die Frage erörtert, welche finanziellen und realwirtschaftlichen Folgen ein Grexit für Deutschland hätte:

  • Fiskalische Auswirkungen. Was ein griechischer Staatsbankrott den deutschen Steuerzahler am Ende kosten würde, kann heute niemand genau sagen. Zwar betragen allein die deutschen Garantien gegenüber dem Rettungsfonds knapp 40 Milliarden Euro und die Forderungen aus dem Zahlungsverkehr der Zentralbanken (TARGET II, vgl. iwd 16/2014) belaufen sich auf annähernd 30 Milliarden Euro.

Solange man aber nicht weiß, wie hoch ein möglicher Schuldenschnitt ausfällt und wie die Abschreibungsmodalitäten der Europäischen Zentralbank (EZB) aussehen, sind die 87 Milliarden Euro, die für Deutschland verloren gehen würden, reine Spekulation.

  • Realwirtschaftliche Auswirkungen. Hier lässt sich schon etwas genauer sagen, was ein Grexit für die Exportnation Deutschland bedeuten würde. Ein Gau dürfte jedenfalls nicht zu erwarten sein – aus zwei Gründen:

Zum einen ist die Gefahr, dass sich andere Euroländer an der griechischen Staatspleite anstecken, derzeit recht gering. Anders als noch vor einigen Jahren ist deshalb zum Beispiel nicht damit zu rechnen, dass die deutschen Exporte nach Spanien oder Italien einbrechen.

Zum anderen sind die Handelsverflechtungen zwischen Deutschland und Griechenland nicht sonderlich eng geknüpft (Grafik):

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 sind die deutschen Warenexporte nach Griechenland um fast 40 Prozent eingebrochen.

Und das, obwohl sich im selben Zeitraum die gesamten Warenexporte Deutschlands um gut 15 Prozent erhöht haben.

In Euro ausgedrückt bedeutet dies, dass die Warenausfuhren nach Griechenland zwischen 2008 und 2014 von knapp 8 Milliarden Euro auf knapp 5 Milliarden Euro zurückgegangen sind.

Unter dieser Entwicklung haben vor allem der Maschinenbau, die Elektrotechnik und der Fahrzeugbau gelitten – die Exporte dieser drei M+E-Branchen reduzierten sich von 3,4 auf 1,5 Milliarden Euro.

Nahezu stabil geblieben sind die Ausfuhren von chemischen Erzeugnissen und die Exporte von Nahrungsmitteln.

Bezogen auf den Gesamtexport von derzeit 1,1 Billionen Euro sind die Lieferungen nach Griechenland aber nicht von großer Bedeutung. Ihr Anteil an den gesamten deutschen Exporten liegt bei 0,4 Prozent, 2008 waren es noch 0,8 Prozent. Die wesentliche Anpassung beim Export von industriellen Erzeugnissen hat also bereits stattgefunden.

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