Die KI-Baustellen der EU
Um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den großen Konkurrenten USA und China zu steigern, setzt die EU vor allem auf ein höheres Innovationstempo. Ein zentraler Treiber dabei ist künstliche Intelligenz. Unsere Grafikstrecke zeigt, wo Europa bei den wichtigsten Faktoren für die KI-Wettbewerbsfähigkeit steht.
- Ob künstliche Intelligenz ihre positive Wirkung auf Produktivität, Kosten und Entwicklung entfalten kann, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Die EU liegt dabei gleich in mehrfacher Hinsicht hinter seinen großen Wettbewerbern USA und China.
- So betrug die gesamte Kapazität der Rechenzentren in Europa 2024 nur ein Drittel des US-Werts. Zudem wurden in den USA 1.143 neue KI-Unternehmen gegründet – in Europa waren es lediglich 447.
- Der Anteil der Datenexperten an allen Beschäftigten ist jenseits des Atlantiks mit 15 Prozent mehr als dreimal so hoch wie in Europa. Der Anteil derer, die sich selbst für KI-kompetent halten, ist außer in Ungarn und den Niederlanden innerhalb der EU überall geringer als in den USA und China.
Künstliche Intelligenz (KI) kann die Produktivität von Unternehmen steigern, ihre Kosten senken und die Entwicklung neuer Waren und Dienstleistungen fördern. Ob KI diese Wirkung entfaltet, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Die EU hängt dabei gleich in mehrfacher Hinsicht hinter ihren großen Wettbewerbern USA und China zurück. Da wäre zunächst die Infrastruktur (Grafik):
Die gesamte Kapazität der Rechenzentren in Europa betrug 2024 nur ein Drittel des US-Werts.
Auch die Zahl der Regionen, die über besonders leistungsstarke öffentliche Cloud-Netzwerke verfügen, ist in den USA und China deutlich größer als in der EU. Zudem wächst der Datenmarkt, der maßgeblich für die Verfügbarkeit von KI-Trainingsdaten ist, in der EU relativ langsam.
Während der Anteil der Firmen, die KI-Tools einsetzen, in Europa mit zuletzt etwa 80 Prozent ähnlich hoch war wie in China und den USA, liegen Letztere mit Blick auf die Zahl der Start-ups im Bereich KI klar vorn (Grafik):
2024 wurden in den USA 1.143 neue KI-Unternehmen gegründet – in Europa waren es lediglich 447.
Mit 109 Milliarden Dollar investierte die private Wirtschaft in den Vereinigten Staaten 2024 mit Abstand das meiste Geld in KI – Europa kam zuletzt auf gut 19 Milliarden Dollar, China auf 9 Milliarden Dollar.
Dementsprechend haben Unternehmen mit Sitz in der EU in den vergangenen Jahren auch deutlich weniger KI-Tools auf den Markt gebracht als ihre Konkurrenten in den USA und China (Grafik):
Während im Jahr 2025 Unternehmen mit Hauptsitz in den USA 43 neue, relevante KI-Modelle entwickelten, war es in der EU nur ein Modell.
Zudem brauchen europäische Firmen im Schnitt mehr als doppelt so lange wie ihre globalen Wettbewerber, um neue KI-Technologien, die außerhalb des eigenen Wirtschaftsraums entwickelt wurden, für eigene Innovationen zu nutzen.
Die Voraussetzungen für künftige KI-Expertise sind in der EU zwar insofern gut, als Computerwissenschaften in vielen Mitgliedsstaaten im Schulunterricht verpflichtend sind – in den USA werden diese Kenntnisse nur in einigen Schulen und Bundesstaaten vermittelt. Auf dem Arbeitsmarkt schlägt sich dies allerdings nicht nieder (Grafik):
Der Anteil der Datenexperten an allen Beschäftigten ist jenseits des Atlantiks mit 15 Prozent mehr als dreimal so hoch wie in Europa.
Mit Blick auf die Gesellschaft ist das Wissen über KI innerhalb der EU unterschiedlich ausgeprägt (Grafik):
Der Anteil derer, die sich selbst für KI-kompetent halten, ist außer in Ungarn und den Niederlanden überall geringer als in den USA und China.
Die Chinesen sind zudem die größten KI-Optimisten: Mehr als 80 Prozent sind überzeugt, dass der Nutzen von KI die Nachteile überwiegt – in den USA sagen dies nur 39 Prozent der Befragten, in den EU-Staaten zwischen 36 und 53 Prozent.