Verarbeitendes Gewerbe Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Industrie ist Deutschlands Standbein

Während die Industrie in Deutschland weiterhin viel zum Wohlstand und zur Beschäftigung beiträgt, ist sie in den meisten anderen hoch entwickelten Ländern stark geschrumpft. Nicht zuletzt hat die Innovationskraft des Verarbeitenden Gewerbes dazu beigetragen, dass Deutschland gut durch die Eurokrise gekommen ist.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland mit seinen mehr als 200.000 Betrieben gibt mehr als 7,2 Millionen Menschen Arbeit.
  • Das Verarbeitende Gewerbe erwirtschaftet die Hälfte seines Umsatzes im Export.
  • Beschäftigungsstärkster Industriezweig in Deutschland ist der Maschinenbau mit über einer Million Mitarbeitern.
Zur detaillierten Fassung

Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland mit seinen mehr als 200.000 Betrieben – angefangen von der Einmannfirma bis hin zum Konzern – gibt mehr als 7,2 Millionen Menschen Arbeit. Damit bietet die deutsche Industrie etwa so viele Arbeitsplätze wie dieser Wirtschaftszweig in Frankreich, Italien und den Niederlanden zusammen.

Blendet man aus dieser Rechnung Kleinstbetriebe und das industrielle Handwerk aus und schaut allein auf Betriebseinheiten mit mindestens 20 Beschäftigten, so gibt es hierzulande 44.300 Industriebetriebe mit insgesamt fast 6,1 Millionen Mitarbeitern (Grafik).

Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland macht die Hälfte seines Umsatzes im Export – insgesamt den höchsten Umsatz aller Industriezweige verzeichnete 2015 der Fahrzeugbau mit 451 Milliarden Euro.

Deutschlands Industrieunternehmen und ihre Mitarbeiter gehören zu den Globalisierungsgewinnern. Während die Industriesektoren in den USA, Japan, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien unter dem Druck Chinas Weltmarktanteile verloren haben, konnte Deutschland seine Position auf dem stark expandierenden globalen Markt halten (Tabelle).

Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland erwirtschaftet die Hälfte seines Umsatzes im Export – Tendenz steigend.

Jobmotor Industrie

Beschäftigungsstärkster Industriezweig in Deutschland ist der Maschinenbau mit über einer Million Mitarbeitern in 5.260 Betrieben, die mindestens 20 Mitarbeiter haben. Nicht viel weniger Jobs finden sich im Fahrzeugbau. Von den 940.000 Beschäftigten arbeiten allein 745.000 in der Autoindustrie mit ihren Zulieferunternehmen.

Mit 451 Milliarden Euro hatte der Fahrzeugbau im vergangenen Jahr den höchsten Umsatz von allen Industriezweigen.

Fasst man die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie die Herstellung von Metallerzeugnissen zusammen, gehört dieser Zweig mit seinen 910.000 Mitarbeitern und 7.000 Betrieben ebenfalls zu den großen Drei in Deutschland. Während die Metallerzeugung vor allem in Großbetrieben stattfindet, ist die Weiterverarbeitung eher mittelständisch und oft sogar kleinbetrieblich strukturiert.

Ebenfalls ein industrielles Schwergewicht ist die Chemie- und Pharmaindustrie, die – zusammen mit den Kunststoffherstellern und der vorgelagerten Mineralölverarbeitung – 850.000 Frauen und Männer beschäftigt. Die Elektroindustrie folgt mit 700.000 Mitarbeitern.

Mit Elektroantrieben, Kraftwerkstechnik, Steuerungssystemen, Elektronik etc. wurden 2015 in 3.300 Betrieben 167 Milliarden Euro umgesetzt.

Die deutsche Industrie hält sich

Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung in Deutschland lag 2015 bei 22,6 Prozent – und damit fast genauso hoch wie 1995. In dieser Zeit hat die deutsche Industrie die Herausforderungen des Strukturwandels gemeistert und angesichts der Stärke des Maschinenbaus und der Beliebtheit deutscher Autos sogar vom rasanten Aufstieg Chinas profitiert. Made in Germany war und ist dort immer noch ein starkes Verkaufsargument.

Auch der Mittelstand profitiert

Doch nicht nur die großen Konzerne, auch der industrielle Mittelstand konnte sich auf dem Weltmarkt behaupten. Eine besondere Rolle spielten dabei die gut 1.300 exportstarken „Hidden Champions“, die je nach Sichtweise als große Mittelständler oder – formal – kleinere Großunternehmen gelten. Meist handelt es sich um Familienunternehmen mit starker Verwurzelung an ihrem Heimatstandort, dem sie trotz Globalisierung die Treue halten.

Die Bedeutung der Industrie für den Standort Deutschland zeigt sich auch darin, dass ihr sehr viele Dienstleister und Handwerker zuarbeiten. Zusammen bilden sie den sogenannten Industrie-Dienstleistungs-Verbund. Wenn man alle diese Bereiche gemeinsam betrachtet, dann tragen Industrie-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe etwa 30 Prozent zur deutschen Wirtschaftsleistung bei – die Bauwirtschaft nicht einmal einbezogen. Die Beschäftigung erhöht sich im Verbund auf gut 10 Millionen. Wenn man auch den Multiplikatoreffekt der Industrieproduktion in weiteren Branchen berücksichtigt, sind es sogar 14 bis 15 Millionen Beschäftigte. Denn wo die Industrie stark ist, blüht zum Beispiel auch der Handel.

Die Bedeutung der Industrie für Deutschland lässt sich an zwei weiteren Fakten festmachen:

  • Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes stemmen 86 Prozent der privatwirtschaftlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung.
  • Jeder Arbeitnehmer verdiente in der Industrie 2015 rund 49.400 Euro – im Durchschnitt aller Branchen waren es nur 32.650 Euro. Allerdings ist die Teilzeitquote in der Gesamtwirtschaft größer als in der Industrie, was die Durchschnittsverdienste in der Industrie zusätzlich nach oben treibt.

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