Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Wirtschaftspolitik Lesezeit 3 Min.

Was sich Personaler von der neuen Bundesregierung wünschen

Ginge es nach deutschen Personalern, müsste die neue Bundesregierung als allererstes dafür sorgen, dass die Lohnnebenkosten sinken. Um die allgemeinen Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verbessern, setzen die HR-Experten dagegen auf den Bürokratieabbau.

Kernaussagen in Kürze:
  • Gefragt nach den Wünschen an die neue Bundesregierung, sprechen sich mehr als 80 Prozent der HR-Experten aus personalpolitischen Gründen für eine zeitnahe Senkung der Lohnnebenkosten aus.
  • Fragt man die Personalverantwortlichen danach, welche politischen Maßnahmen die Rahmenbedingungen für die Unternehmen insgesamt verbessern würden, nennen knapp 60 Prozent den Bürokratieabbau.
  • Damit schätzen die Personaler die drängendsten Aufgaben der Bundesregierung sehr ähnlich ein wie die Geschäftsführer.
Zur detaillierten Fassung

Wie ticken Personaler? Dieser Frage ist das IW auf den Grund gegangen und hat dafür rund 1.000 Personalverantwortliche im Frühjahr 2025 zu drängendsten Themen befragt, die die neue Bundesregierung aus ihrer Sicht angehen sollte. Die HR-Experten konnten jeweils bis zu drei für sie relevante Aspekte zur betrieblichen Personalpolitik angeben sowie priorisieren, welche Rahmenbedingungen für Unternehmen grundsätzlich verbessert werden müssten.

Aus Sicht der Personalverantwortlichen sollte die Bundesregierung an erster Stelle für einen Bürokratieabbau, Deregulierung und eine Senkung der Lohnnebenkosten sorgen, um so die Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verbessern.

Was die personalpolitischen Maßnahmen angeht, haben die Befragten einen klaren Favoriten (Grafik):

Rund 82 Prozent der Personalverantwortlichen halten die Senkung der Lohnnebenkosten für eine der drei wichtigsten Aufgaben der Politik.

So viel Prozent der Personalverantwortlichen finden, dass die neue Bundesregierung diese personalpolitisch relevanten Themen zeitnah angehen sollte Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Diese Einschätzung teilen die Befragten unabhängig von der Branche, der Beschäftigtenzahl, der Region und des Digitalisierungsgrads ihres Unternehmens.

Das zweitwichtigste personalpolitische Thema sind mit recht großem Abstand höhere Arbeitsanreize für Arbeitslose. Ungewöhnlich dabei: Lediglich 35 Prozent der HR-Verantwortlichen sehen hier die neue Bundesregierung in der Pflicht, obwohl fast die Hälfte der Unternehmen in Deutschland Probleme hat, Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung zu finden. Betrachtet man nur die Betriebe, die derzeit Fachkräfte suchen, geben sogar mehr als 70 Prozent an, Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu haben.

Fast ein Drittel der HR-Experten spricht sich für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten aus

Auf Platz drei der wichtigsten personalpolitischen Maßnahmen rangiert mit rund 31 Prozent Zustimmung die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die vor allem große Unternehmen befürworten. Durch eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit könnten Unternehmen flexibler auf Arbeitsspitzen und schwankende Auslastungen reagieren. Und auch die Beschäftigten selbst – vor allem solche in Büroberufen – könnten vom Modell einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit profitieren, da sie die Arbeitszufriedenheit und die Work-Life-Balance steigern kann (siehe “Flexiblere Arbeitszeiten: Wochenrechnung sinnvoll”).

Fragt man die Personalverantwortlichen danach, welche politischen Maßnahmen die Rahmenbedingungen für die Unternehmen insgesamt verbessern würde, setzen sie andere Prioritäten (Grafik):

An erster Stelle mit knapp 60 Prozent Zustimmung steht der Wunsch nach Bürokratieabbau. Erst auf Platz zwei folgen niedrigere Lohnnebenkosten, an dritter Stelle findet sich der Wunsch nach Deregulierung.

So viel Prozent der Personalverantwortlichen finden, dass die neue Bundesregierung diese Maßnahmen zeitnah angehen sollte, um bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland zu schaffen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Damit schätzen die Personalverantwortlichen die drängendsten Aufgaben der Bundesregierung für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingen sehr ähnlich ein wie die Geschäftsführer in Deutschland. Denn die Unternehmenslenker nennen auf den ersten drei Rängen dieselben Maßnahmen, wenn auch in leicht anderer Reihenfolge: auf Platz eins den Bürokratieabbau, auf Platz zwei die Deregulierung und auf Platz drei die Senkung der Lohnnebenkosten (siehe "Was die Unternehmen von der neuen Bundesregierung erwarten" auf iwd.de).

Die Antworten der Personaler unterscheiden sich in diesem Befragungspart ebenfalls recht wenig zwischen den Branchen. Für Vertreter von Handels- und Logistikunternehmen ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten wichtiger als der Ausbau der digitalen Infrastruktur, ähnlich sehen es auch die HR-Experten der Handwerksunternehmen. Eine Reform der Unternehmensbesteuerung ist dagegen für kleine und mittelgroße Betriebe wichtiger als für große mit mehr als 250 Mitarbeitern.

Um die Lohnnebenkosten zu senken, böte sich die Anhebung des Rentenzugangsalters an

Für die Bundesregierung, die am 14. August 100 Tage im Amt war, ergeben sich anhand der Befragungsergebnisse recht eindeutige Handlungsempfehlungen: Sie sollte an erster Stelle für einen Bürokratieabbau, Deregulierung und eine Senkung der Lohnnebenkosten, etwa durch die Anhebung des Rentenzugangsalters, sorgen. Damit auch Beschäftigte, die in Jobs mit hohen gesundheitlichen Belastungen tätig sind, länger im Berufsleben bleiben, könnten diese durch eine gesundheits- und kompetenzfördernde Arbeitsplatzgestaltung und Personalpolitik in den Unternehmen unterstützt werden. Das würde sowohl die Bereitschaft als auch die Fähigkeit stärken, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten.

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