Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Infrastruktur Lesezeit 3 Min.

Die Gemeinden in Deutschland sind meist gut versorgt

Gesundheit, Bildung, Mobilität – viele Grundbedürfnisse der Menschen deckt der Staat ab. Wie gut das im Einzelnen gelingt, hat das IW nun erstmals ermittelt. Mit den Eindrücken der Bundesbürger deckt sich das objektive Angebot vor Ort nicht immer. Die Unzufriedenen sind aber nur unter den AfD-Anhängern in der Mehrheit.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das IW hat erstmals erfasst, wie gut die Daseinsvorsorge - also die Erreichbarkeit von lebenswichtigen Einrichtungen und Dienstleistungen - in jeder einzelnen Gemeinde Deutschlands ist.
  • Die Daseinsvorsorge ist vor allem in Städten und urbanen Räumen gut. Ein klassisches Ost-West-Gefälle gibt es bei der Daseinsvorsorge in den Städten nicht.
  • Mehr als jeder zweite Bundesbürger bewertet die Daseinsvorsorge vor Ort positiv, nur jeder Vierte ist unzufrieden. Die Anhänger der AfD sind die einzigen, die die Versorgung am eigenen Wohnort mehrheitlich schlecht bewerten.
Zur detaillierten Fassung

Die Grundschule um die Ecke, der Hausarzt nicht weit weg und der nächste Bahnhof zehn Minuten mit dem Auto entfernt – die Nähe zu lebenswichtigen Einrichtungen und Dienstleistungen hat einen großen Einfluss auf den Alltag und das Wohlbefinden der Menschen. Für solche grundsätzlichen Bedarfe ist der Staat verantwortlich. Im Fachjargon spricht man dabei von Daseinsvorsorge.

Wie es um die Daseinsvorsorge in den knapp 11.000 Gemeinden in Deutschland steht, hat das IW nun erstmals systematisch erfasst. Dazu haben die Forscher 17 Indikatoren aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Mobilität, Freizeit und Digitales analysiert und die Erreichbarkeit für die Menschen vor Ort ermittelt. Ein Ergebnis daraus:

Die Daseinsvorsorge ist vor allem in Städten und urbanen Räumen gut.

Unter den am besten versorgten Gemeinden finden sich mit Frankfurt am Main, Berlin, Bonn, Stuttgart und Hannover diverse Metropolen und Großstädte. Ebenso weisen nahe gelegene Gemeinden wie Haar bei München, Offenbach und Eschborn in der Nähe von Frankfurt oder Böblingen bei Stuttgart einen sehr guten Grad an Versorgung auf. Es gibt aber auch einige positive Überraschungen abseits der Metropolen. So landen Memmingen im Allgäu und Friedrichroda im Thüringer Wald im deutschlandweiten Vergleich auf den vorderen Rängen.

Beim Blick auf die Flächenbundesländer – die Stadtstaaten liegen ohne ländliche Räume insgesamt vorn – ist die Versorgung im Westen des Landes am besten:

In Nordrhein-Westfalen schaffen es 86 Prozent der Gemeinden in die Vorsorgekategorien sehr gut oder gut.

Dagegen sind die ländlich geprägten Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg in Summe eher schlecht versorgt.

Ein klassisches Ost-West-Gefälle gibt es bei der Daseinsvorsorge in den Städten nicht. Der Osten kann sogar punkten, denn 30 Prozent der Städte dort sind sehr gut versorgt, unter den westdeutschen Städten gilt dies nur für knapp 20 Prozent.

Die Anhänger der AfD sind die einzigen, die die Daseinsvorsorge am Wohnort mehrheitlich schlecht bewerten.

Das IW hat sich in seiner Auswertung nicht auf die objektive Analyse beschränkt, sondern auch die Bundesbürger befragt, wie sie die eigene Versorgungslage bewerten. Die grundsätzliche Einschätzung deckt sich mit den erhobenen Daten:

Mehr als jeder zweite Bundesbürger bewertet die Daseinsvorsorge vor Ort positiv, nur jeder Vierte ist unzufrieden.

Unterschiede in der Bewertung gibt es zwischen Stadt und Land. Gut 55 Prozent der Bundesbürger, die im städtischen Raum leben, sind zufrieden mit der Versorgungslage in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld. Auf dem Land beträgt dieser Anteil nur gut 45 Prozent.

Besonders deutlich sind die Differenzen in den Bereichen Digitales und Mobilität – hier beträgt der Abstand 16 bis 17 Prozentpunkte (Grafik). Einzig in der Bildung sind die Menschen in ländlichen Regionen zufriedener. Dieses Themengebiet bewerten Städter für sich mit Abstand am schlechtesten. Qualitätsdefizite und Kapazitätsengpässe, zum Beispiel für Betreuungsplätze in Kitas, scheinen sich stark negativ auszuwirken.

So viel Prozent der Bundesbürger in diesen Räumen sind eher oder sehr zufrieden mit der Versorgungslage in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld in diesen Bereichen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Schaut man auf die einzelnen Indikatoren, sind die Menschen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land in unterschiedlicher Ausprägung am meisten zufrieden mit der Erreichbarkeit von Apotheken und der Anbindung an eine Autobahn. Die wenigsten Landbewohner geben dem öffentlichen Nahverkehr gute Noten, nur gut jeder Vierte ist mit der Versorgung in seinem Wohnumfeld zufrieden.

Bezieht man die Parteipräferenzen der Bundesbürger in die Betrachtung mit ein, fällt eine Gruppe mit besonders vielen negativen Bewertungen auf (Grafik):

39 Prozent der AfD-Anhänger halten ihre Daseinsvorsorge am Wohnort für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent sagen, dass sie gut funktioniert.

So viel Prozent der Anhänger dieser Parteien finden, dass die öffentliche Daseinsvorsorge in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld zuverlässig funktioniert Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Damit sind sie die einzigen Parteianhänger, die die Daseinsvorsorge mehrheitlich schlecht bewerten. Ebenfalls schlecht schätzen die Anhänger der Linkspartei die eigene Versorgung ein (30,8 Prozent).

Unter den Unterstützern der Parteien der politischen Mitte herrscht dagegen Einigkeit – zwischen 48 und 51 Prozent sind der Meinung, die öffentliche Daseinsvorsorge funktioniere in ihrem Wohnumfeld zuverlässig.

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