Währungsreform Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Geburt des Wirtschaftswunders

Mit der Einführung der D-Mark vor 65 Jahren fand der Handel auf dem Schwarzmarkt ein Ende – und die Erfolgsstory der Marktwirtschaft in Deutschland begann.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mit der Einführung der D-Mark vor 65 Jahren fand der Handel auf dem Schwarzmarkt ein Ende – und die Erfolgsstory der Marktwirtschaft in Deutschland begann.
  • Unterm Strich betrug das Umstellungsverhältnis 100 RM zu 6,50 DM.
  • In den 1950er Jahren stiegen die Verbraucherpreise im Schnitt nur um jährlich 1,9 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

Das Jahr 2013 kann mit großen Jubiläen aufwarten: Vor 200 Jahren wurde Richard Wagner geboren, die SPD kann auf 150 Jahre zurückblicken – und vor 65 Jahren kam die D-Mark zur Welt. Am 21. Juni 1948 wurde in den drei westlichen Besatzungszonen die Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt. Damit ist die D-Mark fast ein Jahr vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland eingeführt worden.

Zum Hintergrund der Währungsreform: Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Besatzungsmächte zunächst das Versorgungssystem beibehalten, wonach viele Güter nur gegen Bezugsscheine zu bekommen waren. Mit der alten Reichsmark konnten die Menschen dagegen kaum etwas kaufen. Bereits bis Kriegsende hatte das Geldvolumen auf etwa 300 Milliarden RM zugenommen – gegenüber 60 Milliarden RM im Jahr 1938.

Der Geldüberhang führte dazu, dass Händler Waren horteten oder nur schwarz zu überhöhten Preisen anboten. Wirtschaftshistorikern zufolge war auf dem Schwarzmarkt in Hamburg im Mai 1948 ein Roggenbrot für 9,50 RM zu haben – ein Facharbeiter verdiente jedoch gerade einmal 10 RM am Tag.

Die Währungsreform beendete dieses Missverhältnis. Am 20. Juni 1948 erhielt jeder Bewohner der drei Westzonen 40 DM für 40 RM. Später im Jahr gab es weitere 20 DM pro Person. Die übrigen Ersparnisse wurden im Verhältnis von 100 RM zu 10 DM umgetauscht, wobei aber nur die Hälfte auf ein Konto kam, über das die Bürger sofort verfügen konnten. Der Rest landete zunächst auf einem Festkonto und wurde später sogar zum Teil vernichtet.

Unterm Strich betrug das Umstellungsverhältnis 100 RM zu 6,50 DM.

Laut Zeitzeugen verschwanden direkt nach der Währungsreform die Schwarzmärkte, die Auslagen der Läden füllten sich mit Waren und in den Fabriken wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Laut Statistischem Jahrbuch von 1952 stieg die Industrieproduktion im ersten Jahr nach der D-Mark-Einführung um 65 Prozent. Die Investitionsgüterhersteller verdoppelten ihre Fertigung sogar.

Dieser Wirtschaftsboom war allerdings nur zum Teil dem neuen Geld zuzuschreiben. Ebenso wichtig waren die Wirtschaftsreformen. Ludwig Erhard, damals Direktor der Verwaltung für Wirtschaft, setzte Ende Juni 1948 eine Vielzahl von Preiskontrollen und Bewirtschaftungsvorschriften außer Kraft. Hinzu kamen weitere Liberalisierungen. Im November folgte die Aufhebung des Lohnstopps.

Ganz ohne negative Begleiterscheinungen blieb die Währungsreform jedoch nicht – bevor die Güterproduktion mit der Nachfrage mithalten konnte, stiegen die Preise in der zweiten Jahreshälfte 1948 um gut 14 Prozent; 1949 gaben sie aber nach. Anschließend blieb die Teuerung lange Zeit moderat (Grafik):

In den 1950er Jahren stiegen die Verbraucherpreise im Schnitt nur um jährlich 1,9 Prozent.

Die junge D-Mark präsentierte sich also äußerst wertstabil. Erst in den 1970er Jahren mussten die Bundesbürger mit wesentlich höheren Inflationsraten zurechtkommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de