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Die europäische Mitte

Die Frage, ob die Mitte in Deutschland schrumpft oder nicht, erregt regelmäßig das öffentliche Interesse. Ein Vergleich mit anderen Ländern der Europäischen Union zeigt zwar, dass in Deutschland weniger Menschen zur Einkommensmitte gehören als mancherorts. Allerdings kommen die Mittel­schichtler hierzulande besser mit ihrem Einkommen aus.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ein Vergleich mit anderen Ländern der Europäischen Union zeigt nicht nur, dass in Deutschland weniger Menschen zur Einkommensmitte gehören als mancherorts, sie kommen hierzulande auch besser mit ihrem Einkommen aus.
  • Einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge kommt in Deutschland der Großteil der Einkommensmittelschicht recht gut mit dem Geld aus.
  • In Deutschland ordnen sich etwa genauso viele Menschen in der Mitte ein (50,6 Prozent), wie der Einkommensmittelschicht im engen Sinne angehören (49,6 Prozent).
Zur detaillierten Fassung

Entgegen mancher Meinungen, die Mittelschicht in Deutschland schrumpfe, nimmt diese weder zu noch ab. Zwar hat die Mitte im engen Sinne – also der Teil der Bevölkerung, der über 80 bis 150 Prozent des mittleren Einkommens verfügt – vor 2005 leicht abgenommen, langfristig zeigt sich in Deutschland aber ein recht stabiles Bild. Insbesondere in den vergangenen Jahren hat sich die Größe der Mittelschicht praktisch nicht mehr verändert und erreicht aktuell ein ähnliches Niveau wie zu Zeiten der Wiedervereinigung (Grafik).

Im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union ist Deutschlands Mittelschicht eher durchschnittlich groß. So gehören zum Beispiel in Slowenien, Tschechien, der Slowakei sowie in den skandinavischen Ländern deutlich mehr Menschen der Einkommensmitte an.

Allerdings sagt diese alleinige Einordnung der Bevölkerung bezogen auf das Medianeinkommen nichts über das Befinden und den Wohlstand der jeweiligen Mittelschicht aus. Eine Position in der Einkommensmitte heißt also nicht notwendigerweise, dass sich die jeweilige Bevölkerungsgruppe keine finanziellen Sorgen machen muss und umgekehrt.

Einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge kommt in Deutschland der Großteil der Einkommensmittelschicht recht gut mit dem Geld aus.

Nur bei 14 Prozent der Befragten reicht es kaum, um sich über Wasser zu halten (Grafik). Ganz anders sieht die Situation zum Beispiel in Slowenien aus: Zwar hat das Land im EU-Vergleich die größte Mittelschicht. Jedoch geben mehr als zwei Drittel dieser Mittelschichtler an, dass sie eher schlecht als recht mit ihrem Einkommen auskommen.

Trotzdem fühlt sich gut die Hälfte der Slowenen zur Mittelschicht gehörig – ähnlich wie in der Bundesrepublik (Grafik):

In Deutschland ordnen sich etwa genauso viele Menschen in der Mitte ein (50,6 Prozent), wie der Einkommensmittelschicht im engen Sinne angehören (49,6 Prozent).

In Ungarn ist das nicht der Fall: Hier gehören gut 56 Prozent zur Einkommensmittelschicht, subjektiv zugehörig fühlt sich aber nur knapp ein Drittel der Bevölkerung – zwei Drittel zählen sich zum unteren Bereich. Das liegt unter anderem daran, dass mehr als 90 Prozent der Mittelschichtler in Ungarn nur schlecht mit ihrem Einkommen auskommen.

In Finnland ist die Abweichung umgekehrt: Hier ordnet sich ein Großteil der Bevölkerung in die oberen Gesellschaftsbereiche ein.

Einig sind sich die Europäer aber darin, dass die meisten Menschen in der Mitte leben sollten – zumindest ist das der Gesellschaftstyp, der laut einer Befragung des International Social Survey Programme in allen Ländern der Europäischen Union die höchste Zustimmung erhält.

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