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Die Erfolgsgeschichte auf dem Arbeitsmarkt geht weiter

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt weiterhin keine Schwäche. Inzwischen geht es seit gut zehn Jahren fast ununterbrochen aufwärts: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt und die Arbeitslosigkeit sinkt. Besonders stark zugelegt hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit rund zehn Jahren geht es am deutschen Arbeitsmarkt aufwärts: Die Arbeitslosigkeit sinkt und die Erwerbstätigkeit steigt.
  • Anders als oft behauptet sind die meisten neuen Jobs sozialversicherungspflichtige Normalarbeitsverhältnisse.
  • Die Unterbeschäftigung ging zuletzt nicht mehr ganz so stark zurück, weil Flüchtlinge in Integrations- sowie Sprachkursen in diese Kategorie eingehen.
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Das deutsche Jobwunder geht auch im Jahr 2017 weiter: In den ersten fünf Monaten kamen jeweils rund 50.000 neue Arbeitsplätze dazu. Die Zahl der Erwerbstätigen eilt von Rekord zu Rekord:

In Deutschland werden in diesem Jahr voraussichtlich erstmals mehr als 44 Millionen Menschen erwerbstätig sein – 4 Millionen mehr als vor zehn Jahren und sogar 6 Millionen mehr als Mitte der 1990er Jahre.

Zu schön, um wahr zu sein? Immer wieder ist zu hören und zu lesen, dass vom Wunder nicht viel übrig bleibt, wenn man sich einzelne Arbeitsmarktstatistiken genauer anschaut. Doch eben dieser genaue Blick zeigt, dass die Skepsis unberechtigt ist:

Nicht nur die Zahl der Erwerbstätigen ist gestiegen, sondern auch das Arbeitsvolumen. Es stimmt zwar, dass die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden von 1991 bis 2005 kontinuierlich abgenommen hatte – und zwar von 60,3 auf 55,5 Milliarden Stunden. Seit 2006 jedoch legt das Arbeitsvolumen wieder zu:

Im Jahr 2016 arbeiteten die Deutschen insgesamt 59,3 Millionen Stunden – und im ersten Quartal dieses Jahres haben sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal 3,2 Prozent draufgepackt.

Die neuen Jobs sind vollwertige Arbeitsplätze. Die mitunter geäußerte Vermutung, bei den neuen Arbeitsplätzen handele es sich vor allem um minderwertige, prekäre Jobs, ist statistisch ebenfalls nicht gedeckt:

Zum einen hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den vergangenen Jahren stärker zugelegt als die Erwerbstätigkeit insgesamt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nicht sozialversicherungspflichtige Erwerbsformen wie zum Beispiel Minijobs an Bedeutung verlieren.

Zum anderen ist die Zahl der Erwerbstätigen in unbefristeter Vollzeit – also in sogenannten Normalarbeitsverhältnissen – im Jahr 2016 laut amtlicher Statistik um 809.000 Beschäftigte gestiegen – und damit wesentlich stärker als die der atypisch Beschäftigten. Teilzeitkräfte mit weniger als 20 Wochenstunden, befristet Beschäftigte und Zeitarbeitnehmer gab es 2016 gerade einmal 121.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse ist 2016 wesentlich stärker gestiegen als die atypische Beschäftigung.

Schaut man etwas weiter zurück, wird deutlich, dass im Jahr 2005 ein Umbruch auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt hat. Seitdem sinkt die Arbeitslosigkeit, die Erwerbstätigkeit nimmt zu und die Erwerbsformen wandeln sich (Grafik):

Zuletzt waren gut 47 Prozent der Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter mit mehr als 20 Wochen Stunden im Normalarbeitsverhältnis beschäftigt – 2006 traf diese nur auf 40 Prozent zu.

Der Anteil der atypisch Beschäftigten an den 15- bis 64-Jährigen war 2006 zwar höher als 1996, verharrt seitdem aber auf diesem Niveau. Rückläufig ist dagegen der Anteil der nicht arbeitenden Personen einschließlich der Erwerbslosen – und das schon seit 1996.

Flüchtlinge machen sich der Arbeitslosenstatistik bemerkbar

Ein Wermutstropfen in der Erfolgsbilanz des Arbeitsmarktes findet sich lediglich in der Arbeitslosenstatistik. Zwar gab es im August 2017 rund 140.000 registrierte Arbeitslose weniger als im August 2016. Doch die Zahl der Unterbeschäftigten insgesamt, die auch die als nicht arbeitslos geltenden Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen berücksichtigt, nahm lediglich um 86.000 ab.

Es sind die Flüchtlinge der Jahre 2014 und 2015, die zunehmend ihre Spuren in der Arbeitslosenstatistik hinterlassen: Immer mehr Geflüchtete werden nämlich nach Abschluss ihres Asylverfahrens bei den Jobcentern vorstellig. Da viele von ihnen aber noch weit davon entfernt sind, eine Beschäftigung aufnehmen zu können, werden sie in Integrations- und Sprachkurse geschickt. Die Zahl der Teilnehmer an solchen Maßnahmen ist binnen Jahresfrist um 100.000 gestiegen.

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