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Die Einnahmen streamen

Das Kerngeschäft der Musikindustrie war jahrzehntelang der Verkauf von LPs und CDs. Tauschbörsen und das verstärkte Kopieren von CDs sorgten für einen Rückgang der Verkäufe und stürzten die Musikindustrie in eine Krise. Doch dank Musikstreaming ist die Branche auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Umsätze der deutschen Musikindustrie sind in den vergangenen 20 Jahren immer weiter eingebrochen – schuld daran: der CD-Brenner und Internet-Musiktauschbörsen wie Napster.
  • Aufwärts geht es erst seit 2013 wieder – dank legaler Musik-Streamingdienste, die Werbe- und Aboeinnahmen generieren.
  • Am globalen Umsatz der Musikindustrie hat das Streaming inzwischen einen fast so großen Anteil wie der Verkauf von Tonträgern.
Zur detaillierten Fassung

Vor genau 20 Jahren verzeichnete die deutsche Musikindustrie ihr bislang bestes Ergebnis: Knapp 2,7 Milliarden Euro Umsatz bedeuteten 1997 einen Rekord. Das Geld wurde fast ausschließlich durch CD-Verkäufe eingenommen – rund 2,6 Milliarden Euro spülten die Tonträger in die Kassen der Branche. Erlöse aus Rechten und Eintritten für Konzerte wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt.

Doch anschließend ging es kontinuierlich bergab. Hauptgründe waren wachsende Musiktauschbörsen wie Napster und die fallenden Preise für CD-Brenner. Da die Musikindustrie lange Zeit keine Antwort auf diese Entwicklung hatte, gingen die Einnahmen deutlich zurück (Grafik):

In Deutschland erzielte die Musikindustrie 2012 nur noch 1,4 Milliarden Euro Umsatz.

Die Trendwende begann 2013 – hauptverantwortlich dafür waren höhere Einnahmen durch das Streaming. Beim Streaming können sich die Kunden Songs über das Smartphone oder den Computer online anhören, ohne sie vorher herunterladen zu müssen. Im Gegenzug muss der Hörer zumeist Werbeeinblendungen hinnehmen oder aber er schließt ein kostenpflichtiges Abo ab. Der größte Vorteil für die Konsumenten: Von ABBA bis ZZ Top ist nahezu jeder Künstler mit jedem Titel legal verfügbar und kann sofort wiedergegeben werden.

Das überzeugt immer mehr Kunden:

Machte das Streaming 2010 und 2011 erst etwa 1 Prozent des Umsatzes im deutschen Musikgeschäft aus, wuchs der Anteil auf mehr als 24 Prozent im Jahr 2016 – Tendenz steigend.

Im gleichen Zeitraum ist die Bedeutung physischer Tonträger wie CDs und LPs von mehr als 86 Prozent auf rund 62 Prozent zurückgegangen.

Diese Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf Deutschland, sondern ist weltweit zu beobachten. Von 2010 bis 2016 stieg der Gesamtumsatz der Musikindustrie von rund 10 auf 12 Milliarden Euro. In dieser Zeit kletterte der Marktanteil des Streaming von 3 auf nahezu 35 Prozent. Streaming ist mittlerweile kurz davor, die physischen Tonträger als wichtigsten Umsatzbringer zu verdrängen.

Mittlerweile stammt jeder dritte Euro, den die Musikindustrie weltweit erlöst, aus dem Streaming.

Einen großen Anteil daran hat das Unternehmen Spotify. Von den weltweit 212 Millionen Musikstreaming-Nutzern im Jahr 2016 waren mehr als 100 Millionen bei Spotify aktiv. Schätzungen zufolge ist das Unternehmen zurzeit 16 Milliarden Dollar wert – fast doppelt so viel wie die ProSiebenSat.1 Media SE. Und das, obwohl Spotify rote Zahlen schreibt. Die hohe Bewertung des defizitären Anbieters unterstreicht die Erwartung, dass Streaming weiter an Bedeutung gewinnen wird. Schon 2021 soll der Anteil von Streaming an den Musikverkäufen in Deutschland bei fast 60 Prozent liegen.

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